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StartseiteKommentare und Themen der WocheAuch Arbeitgeber müssen sich beteiligen03.08.2021

Finanzierung der RentenAuch Arbeitgeber müssen sich beteiligen

Obwohl allen Akteuren schon lange bewusst ist, dass die Rentengestaltung ein zentrales Problem ist, werden selten zukunftsweisende Lösungen diskutiert, kommentiert Mischa Erhardt. Für eine dauerhaft tragfähige Lösung werden auch die Arbeitgeber einen steigenden Anteil an der Altersvorsorge tragen müssen.

Ein Kommentar von Mischa Ehrhardt

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Auf einem Küchentisch liegt ein Rentenbescheid der Deutschen Rentenversicherung. (picture alliance / Fotostand / K. Schmitt)
Auch die Arbeitgeber müssten sich mehr an der Rentenfinanzierung beteiligen, findet Mischa Erhardt im Dlf (picture alliance / Fotostand / K. Schmitt)
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Neben dem Klimawandel dürfte der demografische Wandel eines der zentralen Probleme für unser aller Zukunft sein. Zahlen belegen das: Kamen vor 40 Jahren auf 100 Erwerbsfähige zwischen 20 und 65 Jahren 27 über 65-jährige Personen, sind es aktuell rund 37. Und dieser sogenannte Altenquotient wird 2030 schon bei über 50 liegen – und dann noch weiter steigen. Angesichts des Ausmaßes dieses Problems wirken daher Diskussionen umso armseliger, wenn sie sich in Zeiten des Wahlkampfs auf ebenso plakative wie einfache Lösungen verkürzen.

Dieses brisante Gemisch ist den Akteuren in Politik und Wirtschaft lange schon bewusst. Erstaunlich ist aber, dass angesichts dieses Problems selten zukunftsweisende, das heißt langfristig tragfähige Ansätze ernsthaft diskutiert werden.

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Vorzeitig aus dem Arbeitsleben auszusteigen, ist nur in bestimmten Fällen möglich – und ist mit einer nicht unbeträchtlichen Schmälerung der Rente durch Abschläge verbunden. 

Arbeitszeitverlängerung sind keine Lösung

Wenn Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger nun meint, wir kämen nicht um eine Diskussion um eine längere Lebensarbeitszeit herum, dann mag er damit recht haben. Vor allem deswegen, weil er diese Diskussion nun vom Zaun gebrochen hat. Nur ist damit noch lange nicht das Ergebnis einer solchen Diskussion klar. Denn man könnte leicht zu dem Schluss kommen, die Lebensarbeitszeit nicht verlängern zu wollen oder zu können.

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Anreize zu schaffen, damit die Menschen länger arbeiten, klingt erst einmal gut. Nur wenn das dann eben die trifft, deren Lohn während des Arbeitslebens nicht für eine auskömmliche Rente gereicht hat, dann geht die soziale Schere noch weiter auseinander. Es ist bekannt, dass die Bereitschaft zu "freiwilliger" Arbeitstätigkeit im Rentenalter in Entwicklungsländern höher ausgeprägt ist als hierzulande. Der Grund liegt schlicht darin, dass es dort an sozialer Absicherung im Alter mangelt.

Im Übrigen sei in Erinnerung gerufen, dass vor ziemlich genau zwei Jahrzehnten der Eckpfeiler der kapitalgedeckten Altersvorsorge eingezogen wurde, auch in Form der staatlich mitgeförderten sogenannten Riester-Rente. Ab dem Jahr 2010 hieß dann die Agenda zusätzlich, das Renteneintrittsalter bis 2031 schrittweise auf 67 Jahre anzuheben. Beides sind Belastungen, die in erster Linie Arbeitnehmer betreffen.

Auch Arbeitgeber müssen sich beteiligen

Für eine dauerhaft tragfähige Lösung werden auch die Arbeitgeber einen steigenden Anteil an der Altersvorsorge in dieser Gesellschaft tragen müssen. Zudem muss auch die Frage auf den Tisch, welche anderen Formen an Einkünften in die Finanzierung der Rentenversicherung mit einzubeziehen wären – Kapitaleinkünfte zum Beispiel. Der demografische Wandel ist ein gesamtgesellschaftliches Problem wie der Klimawandel ein globales Problem ist. Einfache Antworten werden beiden nicht gerecht.

Mischa Ehrhardt (©privat)Mischa Ehrhardt (©privat)Mischa Ehrhardt, geboren 1974 in Bayern, studierte Philosophie und Soziologie in Tübingen und Frankfurt. Nach seinem Studium absolvierte er ein Volontariat an der Evangelischen Journalistenschule in Berlin. Es folgten Moderationen und Planung von Wissenschafts- und Mediensendungen beim Hessischen Rundfunk, dort war er lange Jahre dann als Wirtschaftsjournalist tätig. Nach sechs Jahren im ARD-Börsenstudio für das Radio arbeitet er schließlich als Wirtschaftskorrespondent für den Deutschlandfunk in Frankfurt.

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