Samstag, 23.02.2019
 
StartseiteKommentare und Themen der WocheDie Deutsche Bank im Niedergang01.02.2019

FinanzwirtschaftDie Deutsche Bank im Niedergang

Erstmals seit drei Jahren steht bei der Deutschen Bank wieder ein kleiner Gewinn - eine echte Trendwende markiere das aber nicht, kommentiert Eva Bahner. Doch eine Zwangsfusion mit der Commerzbank sei keine Lösung. Auch damit könnten die beiden Banken nicht zu alter Stärke zurückfinden.

Von Eva Bahner

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Logo der Deutschen Bank in Blau am Eingang des Technologiezentrum Eschborn (TZE) bei Frankfurt mit Bewegungsunschärfe. (picture alliance / Klaus Ohlenschläger)
Der Börsenwert der Deutschen Bank ist auf 15 Milliarden Euro geschrumpft - Spekulationen über eine Fusion weist die Geschäftsführung zurück (picture alliance / Klaus Ohlenschläger)
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Es ist ein kleiner Hoffnungsschimmer nach der langen Durststrecke. Eine echte Trendwende markiert die Jahresbilanz für die Deutsche Bank noch nicht. Erstmals seit drei Jahren steht zwar unterm Strich bei Deutschlands größter Bank wieder ein kleiner Gewinn, doch dieser ist hauptsächlich den Sparanstrengungen des neuen Chefs zu verdanken.

Vertrauen nicht wieder zurückgekehrt

Die Kosten mag Christian Sewing tatsächlich langsam im Griff haben, doch die Erträge bleiben schwach und die Frage, mit welchem Geschäftsmodell die Deutsche Bank in Zukunft Geld verdienen will, wenn sich die Konjunktur abkühlt und die Zinsen im Euroraum niedrig bleiben, unbeantwortet.

Gut zehn Jahre nach der Finanzkrise mag es die Deutsche Bank geschafft haben, die größten Skandale mitsamt ihrer juristischen Risiken hinter sich zu lassen. Das Vertrauen, das Kunden, Investoren und Aktionäre in das einst so stolze Bankhaus hatten, ist allerdings nicht wieder zurückgekehrt. Im Gegenteil.

Gefährliche Abwärtsspirale

Selbst mit einem sympathischen Hoffnungsträger wie Sewing an der Spitze sank der Aktien-Kurs nochmals um ein Drittel. Eine gefährliche Abwärtsspirale, die den Niedergang der Deutschen Bank beschleunigt und die keiner zu stoppen vermag, auch nicht der deutsche Finanzminister, so hilfsbereit er sich auch gibt.

Mit seinem Ruf nach einem nationalen Banken-Champion hält Olaf Scholz zwar seit Monaten Fusionsphantasien am Leben. Möglicher Fusionspartner: die Commerzbank, an der der Bund noch immer beteiligt ist. Doch dass die beiden Banken damit zu alter Stärke zurückfinden könnten, daran glauben die wenigsten.

Denn viele Kräfte gibt es bei den größten deutschen Banken in der Tat derzeit nicht zu bündeln. Beide Institute schwächeln, kämpfen nicht nur gegen einen zunehmenden Bedeutungsverlust und einen schrumpfenden Börsenwert - die Commerzbank ist nicht mal mehr ein Dax-Unternehmen - sondern auch mit zu geringen Erträgen, zu hohen Kosten, und zu viel Personal. Eine solche Megafusion hätte allein eine radikale Schrumpfkur zur Folge mit massivem Stellenabbau und vielen Filialschließungen. Es wäre nicht mehr als eine politisch orchestrierte Zwangsehe zu einem zu hohen Preis.

Am Ende muss der Steuerzahler retten

Die Bundesregierung täte also gut daran, ihre industriepolitischen Bemühungen zurückzufahren, allein schon, um nicht in den Verdacht zu geraten, auch für Deutschlands größte Bank am Ende noch gerade stehen zu wollen. Denn käme es tatsächlich zur Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank, entstünde ein Finanzriese, der nicht unbedingt zu groß, aber sicherlich zu vernetzt wäre, um ihn pleite gehen zu lassen. Und wohin das führt, hat die Finanzkrise gezeigt mit strauchelnden Banken, die am Ende der Steuerzahler retten musste.

Eva Bahner (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Eva Bahner (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Eva Bahner wurde 1973 in Baden-Württemberg geboren. Sie studierte Volkswirtschaft in Tübingen und Boston, danach Volontariat in der n-tv-Wirtschaftsredaktion und an der Georg-von-Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten. Heute arbeitet sie in der Deutschlandfunk-Wirtschaftsredaktion.

  

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