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StartseiteBücher für junge LeserDen Esel Olga schütteln und Füße begrüßen20.03.2021

Finn-Ole Heinrich, Dita Zipfel, Tine Schulz: "Schlafen wie die Rüben"Den Esel Olga schütteln und Füße begrüßen

Bei den Rüben ist Remmidemmi. Und wenn es Zeit wird, sich bettfein zu machen, beginnt „das große Zubettgehen der kleinen Leute“. Ein Ritual, das entlang mehrerer durcheinandergeratener Reim-Schleifen nach Ordnung sucht - oder doch eher eine Einschlafachterbahn?

Von Marija Bakker

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Ein Portrait von Dita Zipfel und Fin-Ole Heinrich und das Cover ihres gemeinsamen Buches „Schlafen wie die Rüben“ (Cover mairisch Verlag / Portrait (c) privat)
Dita Zipfel und Finn-Ole Heinrich beschreiben "das große Zubettgehen der kleinen Leute" (Cover mairisch Verlag / Portrait (c) privat)
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Es ist ein wirklich erstaunliches Buch, das da in knalligem Rot, Blau, Weiß und Schwarz-Grau mit ganzseitigen Illustrationen daherkommt. Schon auf der ersten Seite wird klar: Bei dieser Familie ist Leben in der Bude. Der Vater rockt mit seiner Gitarre vor Familienpublikum, das wiederum wirkt selbst sehr beschäftigt: Die Große kitzelt den Hund, die Mittlere hängt kopfüber auf dem Sofa, die Mutter kitzelt den Kleinen. Dann erzählt die Große – sie ist vielleicht fünf, sechs Jahre alt, vom "knallefesten Ritual, das jeden Abend immer gleich ist":

"Das große Zubettgehen der kleinen Leute"

"Den Himmel striegeln wir"

So nennen die Eltern das, sagt sie, "strenge Reihenfolge, geht haargenau so":

"Es geht los mit Hüpferei,
dann schütteln wir den Esel Olga,
trinken aus dem See
und grölen in die Becher.
Den Himmel striegeln wir,
verdauen unsere Betten,
begrüßen Füße, ölen dann den Morgen,
das ist allgemein gut gegen Sorgen."

Rasantes Spiel mit dem Unperfekten

Spätestens jetzt wird klar – hier ist die haargenaue Reihenfolge wohl etwas durcheinandergeraten. Die Illustrationen von Tine Schulz versuchen unterdessen, dem verrutschten Ritual zu folgen. Auch sie sind ein rasantes Spiel mit dem Unperfekten. Mal grobe, schwungvolle Striche, dann wieder feinste Detailarbeit, die tolle Überraschungen bietet. Sehr amüsant, vor allem, wenn der Esel Olga offensichtlich keine Lust hat, geschüttelt zu werden, oder wenn ein Kind versucht Zähne zu sortieren "in Erschrecker und Erschreckte", wie es im Text heißt.

Allerdings ist das alles auch ein bisschen erklärungsbedürftig. Reines Vorlesen ist bei diesem Buch schwer möglich. Hier ist eine Schauspiel-Lesung mit weit aufgerissenen Augen gefragt. Denn wenn es heißt:

"Honig auf die Kissen schmieren,
der Nachtsichtbrille Witze schnitzen
hundert Liter Teechen grölen,
Schluck um Schluck die Sonne trinken,
bis die Geister nicht mehr schlüpfen."

Was ist das für ein Buch?

Dann ist Unterstützung gefragt. Auf jeden Fall bei der angegebenen Zielgruppe ab vier Jahren. Was ist das für ein komisches Ritual? Was ist das für ein Buch? Man möchte sich scheckiglachen. Einerseits. Denn leider ist nicht jedes verrutschte Wortbild auch eingängig. Fast erleichtert kommt nach drei Doppelseiten das erlösende:

"Hääääh? Was? Wie bitte? Das war natürlich Quatsch. Da hab ich mich am Anfang ein bisschen vertüddelt. Da stimmt die Reihenfolge jetzt nicht hundertpro, eigentlich ist es bei uns eher so."

Und dann geht das Ganze von vorne los. Und zwar wieder durcheinander, anders natürlich. Da werden dann der See gestriegelt, die Socken geölt, das Zimmer geflutet. Die nächsten drei Doppelseiten wird’s immer wilder. Und es hat Längen. Als es in der dritten Runde dann tatsächlich um das Ritual in seiner richtigen Reihen- und Reimfolge geht, sind die Worte im Kopf schon ganz schön durcheinandergeraten. Und wenn es dann heißt

"Licht aus, Tür zu, Stille."

Dann ist es immer noch nicht endgültig ruhig. Jetzt wird noch mal aufgedreht, und zwar um Monster zu verscheuchen – die hatten sich in den Textrunden vorher schon eingeschlichen und müssen nun offenbar noch einen richtigen Auftritt bekommen.

Das Buch will zu viel

Auch das: sehr komisch. Aber hier will das Buch zu viel. Wer eine Einschlafgeschichte für sein Kind von vier, fünf Jahren sucht, sollte auf Ruhigeres zurückgreifen. Wer aber etwas ältere Kinder mit Sprachwitz und Verrücktheiten vertraut machen möchte, hat hier viel zu entdecken.

Finn-Ole Heinrich, Dita Zipfel, Tine Schulz: "Schlafen wie die Rüben"
mairisch Verlag, Hamburg. 32 Seiten, 15 Euro, ab 4 Jahren.

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