Seit 23:10 Uhr Das war der Tag

Donnerstag, 04.06.2020
 
Seit 23:10 Uhr Das war der Tag
StartseiteCampus & KarriereMit der Crowd zum Kapital30.03.2016

Firmen gründenMit der Crowd zum Kapital

Unternehmensgründer brauchen neben guten Kontakten vor allem eines: Geld. Mitunter viel Geld. In Bochum gab es jetzt einen Gründer-Pitch für Investitionskapital. Das heißt: Gründer konnten dort üben, wie es geht, sich um private Geldgeber zu bemühen. Und was die Crowd dazu beisteuern kann.

Von Kai Rüsberg

Sie sehen Euro-Münzen. (pa/dpa/Fellens)
Wie kommt man als Gründer auch an Geld? (pa/dpa/Fellens)

"Was ist das Why? Warum braucht die Welt das?"

Der Hamburger Trainer Jan Evers schwört die 30 Teilnehmer des Gründer Pitches darauf ein, ihre Geschäftsidee auf den Punkt zu bringen. Die Jungunternehmer sollen lernen, ihre Geschäftsidee innerhalb von 5 Minuten so zu erklären, dass sie mögliche Investoren anbeißen. Überall stehen kleine Grüppchen und üben

"Hallo, ich bin Natalie Brühne, ich habe Friendsome ins Leben gerufen, eine Onlineplattform für Freizeitaktivitäten."

Tatsächlich ist sie mit einer ähnlichen Idee schon erfolgreich und will ihre Kontaktbörse im Internet jetzt ausbauen.

"Und zwar ist das ein Herzensprojekt, weil es auf einer ganz eigenen Geschichte basiert. Und zwar sind wir ein Geschwisterpaar, und wir suchen neue Kontakte für unsere Mutter. Friendsome ist eine Online…"

Fans aktivieren

Die 26-jährige Düsseldorferin weiß, dass es nicht einfach ist, mit ihrer Idee eine Bank zu überreden, ihr ohne weitere Sicherheiten einen Kredit einzuräumen. Beim Pitch-Training hat sie aber gelernt, dass man auch die Fans aktivieren kann.

"Ich weiß, das es schwierig wird für mich, zur Bank zu gehen und zu sagen, bitte geben Sie mir das Geld. Crowdinvesting kommt eher in Frage. Das ist eine gute Alternative."

Berater Jan Evers meint, Crowdinvesting werde als Finanzierungsmöglichkeit bislang unterschätzt. Dabei sei es gerade bei größerem Geldbedarf eine echte Alternative.

"Das ist eine Möglichkeit, Geld zu bekommen, aber auch Werbung über sich zu machen. Menschen, die 250 Euro investieren, sind nicht so risikoscheu, wie die, die 100.000 Euro investieren."

Das Risiko des Totalverlustes

Beim Crowdfunding investieren Kunden mit einem Vorab-Kauf und erhalten dafür meist Vorteile – wie eine bevorzugte Lieferung. Beim Crowd-Investing geben Fans und Kunden Kleinkredite, und erhalten später bei Geschäftserfolg eine Rendite. 

Für die Investoren, oft künftige Kunden, besteht aber auch das Risiko eines Totalverlustes. Trotzdem ist die Anlageform attraktiv, solange es nur um kleine Summen geht, meint der Dortmunder Wirtschaftsprofessor Ralf Beck:

"Andererseits hat man die Chance sein Geld zu vervielfachen, wenn das Start-Up die Ziele erreicht."

Beide Crowdfinanzierungen funktionieren nach Becks Erfahrung aber nur dann, wenn Produkte für Endkunden finanziert werden.

"Da sind Projekte, die dem Kunden sehr nahe sind, haben es einfacher zu vermarkten, als Geschäfte zwischen Firmen. Gut funktionieren innovative Dinge, die man gut verstehen kann und selbst braucht."

Beim Gründer-Pitch in Bochum ist auch Gregor Kampwerth dabei – als Jurymitglied. Er hat jahrelang in Dresden eine Risikokapitalgesellschaft geführt, die in aussichtsreiche Jungunternehmen investiert hat. Nach seiner Erfahrung wurden in den typischen Gründer-Schulungen lange Zeit Fehler gemacht.

Zu wenig Impulse

"Wir achten weniger auf Nebensächlichkeiten, wie Routine. In der Gründerausbildung wird da viel Wert drauf gelegt. Ich halte diese Salonfähigkeit der Gründer nicht für das primäre Thema."

Das Wesentliche sei, schnell mit der eigentlichen Verkaufsidee und Gewinnerwartungen zu punkten. Kriterien, an denen insbesondere Hochschulabsolventen  scheitern, so Risikokapitalgeber Kampwerth:

"Die Zahlen sind enttäuschend. Ich glaube, dass zu wenig Impulse in Richtung Unternehmertum gesetzt werden."

Für die Gründerteams in Bochum war der Übungs-Pitch ums Investitionskapital erfolgreich. Zwar konnten sich nicht alle Gründer damit anfreunden, dass sie sich Geld von ihren potenziellen Kunden per Crowdinvesting leihen sollen. Kerstin Schaub hat aber für ihr Konzept einer Beratungsfirma viel mitgenommen.

"Ich hab heute viel gelernt. Ein paar Fragen stellt man sich vorher schon. Aber die Perspektive zu wechseln und zu fragen, Moment mal. Warum sollte jemand mich unterstützen? Wie formuliere ich den Nutzen des Kunden?"

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk