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StartseiteWirtschaft am MittagMeistens Männer Mitte 5016.10.2017

Firmen-VorständeMeistens Männer Mitte 50

Es gibt Unternehmen, in denen die Frauenquote in den Führungsetagen steigt – vor allem unter den 30 Börsen-Schwergewichten. Deutlich hinterher hinken allerdings die mittleren und kleinen Unternehmen. Zu dem Ergebnis kommt die gemeinnützige deutsch-schwedische AllBright-Stiftung.

Von Gudula Geuther

Eine Frau unter Männern (dpa / picture-alliance / Karl-Josef Hildenbrand)
Die AllBright-Stiftung wirbt vor allem für weiblichere Führungsriegen. Sie beklagt, dass Vorstände vor allem in MDax und SDax extrem homogen seien: meistens Männer Mitte 50. (dpa / picture-alliance / Karl-Josef Hildenbrand)
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Geschäftsführerin Wiebke Ankersen nennt die Entwicklung besorgniserregend:

"Die Schere geht sehr schnell weiter auseinander. In den 30 großen Dax-Unternehmen war jede vierte Vorstandsrekrutierung eine Frau, 40 Prozent der neuen Vorstandsmitglieder kamen aus dem Ausland. Da wird also ganz bewusst ein Umbau der Führungsstrukturen betrieben in Richtung mehr Vielfalt. Im MDax beispielsweise gab es keine einzige neue Vorstandsfrau im vergangenen Jahr. Da ist auch der Anteil der Frauen in den Vorständen gesunken."

Insgesamt stieg der Frauenanteil in den Vorständen der 160 Unternehmen seit dem vergangenen September von 6,5 auf 7,3 Prozent.

In den Aufsichtsräten um knapp zwei Punkte auf 27,5 Prozent. In Aufsichtsräten gilt seit eineinhalb Jahren für rund 100 börsennotierte, mitbestimmungspflichtige Großunternehmen eine gesetzliche Frauenquote von 30 Prozent. Wird bei einer Neubesetzung die Quote nicht eingehalten und für einen frei werdenden Posten keine Frau gefunden, sollen Stühle unbesetzt bleiben.

Für Vorstände gibt es solche Quoten nicht. Dafür geben die Unternehmen in einem System der Selbstverpflichtung eine Zielgröße an. Nach wie vor lautet die allerdings häufig: null. Begründet wird das immer wieder mit der geringen Fluktuation in den Vorstandsetagen. Zu Unrecht, sagen Wiebke Andersen und ihr Kollege Christian Berg:

"Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 15 Prozent der Vorstandsmitglieder in den Dax-Indices ausgetauscht."

"Von 100 waren im vergangenen Jahr 13 Frauen. Und das bedeutet natürlich: Über 80 Männer."

Homogene Vorstände

Die AllBright-Stiftung wirbt vor allem für weiblichere Führungsriegen. Ihr heute veröffentlichter Jahresbericht beklagt allerdings, dass Vorstände vor allem in MDax und SDax insgesamt extrem homogen seien:

"Das betrifft sowohl das Geschlecht. 95,5 Prozent sind Männer. Und diese Männer sind sich untereinander auch noch unglaublich ähnlich, weil sie nämlich alle ungefähr dasselbe Alter haben: Mitte fünfzig. 77 Prozent sind Wirtschaftswissenschaftler oder Ingenieure, drei Viertel sind in Westdeutschland ausgebildet. Weniger als ein Prozent ist in Ostdeutschland ausgebildet."

Im Detail zeigen sich Unterschiede. So rekrutierten die 30 Unternehmen des TecDax eher mit Blick auf die Vielfalt als in manchen anderen Branchen, so der Bericht. Das allerdings auf niedrigem Niveau: Im Schnitt sind hier gerade fünfeinhalb Prozent der Vorstandsmitglieder Frauen. Bliebe es insgesamt beim derzeitigen Tempo der Einstellung von Frauen, wäre die Zielmarke 40 Prozent in 38 Jahren erreicht, im Jahr 2055.

Quote für Vorstände würde Tempo erhöhen

Dagegen rechnet die Stiftung vor, dass – möglicherweise durch den gesetzlichen Druck – sehr viel mehr Frauen in Aufsichtsräte berufen wurden. Gälte dieses Tempo auch in den Vorstandsetagen, wäre die Zielmarke in sechs Jahren erreicht.

Bundesfamilienministerin Katarina Barley hatte vor einem Jahr die Entwicklung in den Aufsichtsräten als Erfolg bezeichnet. Mit Blick auf die Vorstände hatte die SPD-Politikerin allerdings gedroht:

"Wenn sich in den Vorstandsebenen in absehbarer Zeit nichts tut, dann werden wir auch da tätig werden müssen."

"Es ist keine Frauenfrage, es ist eigentlich eine Wettbewerbsfähigkeitsfrage", antwortet Christian Berg von der Stiftung, hinter der mit Sven Hagstömer immerhin auch ein Unternehmer steht. Auch Wiebke Ankersen wendet sich gegen die Quote, weist allerdings darauf hin, dass inzwischen auch Investoren, vor allem aus dem angelsächsischen Bereich wie der US-amerikanische Blackrock, auf gemischte Führungsriegen in Unternehmen setzen. Weil sich das wirtschaftlich bewährt habe.

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