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StartseiteUmwelt und VerbraucherDie junge Generation hat immer weniger Lust auf Fleisch06.01.2021

Fleischatlas zeigt ErnährungstrendsDie junge Generation hat immer weniger Lust auf Fleisch

Trotz Aufrufe, für Tierwohl oder Klima weniger Fleisch zu essen oder Angst vor Schweinepest: Die deutschen Schlachthöfe sind weiterhin gut ausgelastet. Immerhin wird ein Gutteil des Fleischs exportiert. Und im Ausland wächst die Lust auf Fleisch weiter. In Deutschland sieht es anders aus.

Von Daniela Siebert

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Bratwürste liegen auf einem Grill   (dpa / Eibner / Drofitsch)
In Deutschland wurden letztes Jahr pro Person fast 60 Kilogramm Fleisch verspeist (dpa / Eibner / Drofitsch)
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Pro Person fast 60 Kilogramm Fleisch wurden letztes Jahr in Deutschland verspeist. Eine von vielen aufschlussreichen Zahlen, die der diesjährige Fleischatlas zusammenträgt. Es ist bereits der 5. seiner Art. Nur wenig hat sich seit dem ersten Exemplar vor acht Jahren verbessert, bilanzieren Barbara Unmüßig von der Heinrich-Böll-Stiftung und Olaf Bandt vom Bund für Umwelt und Naturschutz BUND:

"Was man feststellen kann in Deutschland: dass wir einen leichten Rückgang haben im Fleischverbrauch, das hat einfach mit den gesundheitlichen und den ökologischen und den Tierschutzbedenken zu tun. (…) Global hat sich nichts verändert, Fleischnachfrage steigt massiv."

Weltweites Wachstum des Fleischkonsums erwartet 

Der weltweite Fleischkonsum habe sich in den vergangenen 20 Jahren mehr als verdoppelt bilanzieren die Autoren des Fleischatlasses. Weit an der Spitze stehen die USA mit ihrem Verbrauch, doch gerade China und viele prosperierende Länder des Südens steigern ihren Konsum ebenfalls seit Jahren. Und der Fleischverzehr dürfte weiter wachsen, fürchten die Atlas-Herausgeber. Ein Problem so Olaf Bandt vom BUND, denn:

"Die Fleischproduktion ist ökologisch höchst belastend, Sie produzieren im Prinzip erstmal die Futterstoffe, also Soja und Mais insbesondere, was schon sehr viel Fläche braucht, und dann haben Sie nochmal die Tierhaltung. Das führt dazu, dass Fleischproduktion einen hohen Output an CO2 hat, an Klimagasen, aber auch massiv schädigend auf Natur wirkt, Biodiversität zerstört. Und bei steigendem Verbrauch und steigender Weltbevölkerung, wird das so nicht mit Nachhaltigkeitszielen in Einklang zu bringen sein."

Geflügel besonders gefragt

Besonders stark steigt laut Fleischatlas derzeit die Nachfrage nach Geflügel, während die Bedeutung von Rindfleisch eher abnimmt. Olaf Bandt und Barbara Unmüßig fordern von der deutschen und europäischen Politik Gegenmaßnahmen, die den Fleischverbrauch um mindestens 50 Prozent senken sollen. Etwa durch bessere Kennzeichnung und Aufklärung über die Folgen. Außerdem: "Es geht einfach darum, dass wir uns nur so viel Viehbestand erlauben, wie wir selber Futtermittel auf unseren eigenen Flächen in Deutschland oder in Europa anbauen können."

"Fleisch müsste einfach teuer werden und wir brauchen auch einfach ein Image, dass Fleisch etwas sehr Besonderes ist."

Für besonders effektiv halten BUND und Heinrich-Böll-Stiftung unter anderem, Moore nicht weiter zu entwässern, sei es für die intensive Haltung von Tieren oder für den Anbau von Futtermitteln. "Moorflächen sind insgesamt eine hervorragende Möglichkeit, gerade auch in der Landwirtschaft, Klimaschutz zu betreiben, weil Moor bindet CO2, und wenn man jetzt auf ehemaligen Moorstandorten - das hat in den letzten Jahren massiv stattgefunden - Tierhaltung betreibt, dann werden diese Flächen trockengelegt, und dann emittieren diese Moore plötzlich CO2, in ganz massivem Umfang, und deswegen muss man das stoppen." Stoppen und vor allem: wieder vernässen, um die Wirkung wieder umzudrehen. So dass Moorflächen wieder CO2-Senken werden statt CO2-Quellen. 

Verbot von Werkverträgen

Die grassierende Afrikanische Schweinepest habe 2019 dazu geführt, dass erstmals seit 1961(!) die globale Fleischproduktion nicht gewachsen, sondern minimal zurückgegangen sei. Besonders drastisch war dieser Effekt in China. Dort wie auch hierzulande gefährde das vor allem die Existenz kleiner Mastbetriebe, so die Atlas-Autoren.

Dass in Deutschland in diesem Jahr auf Schlachthöfen ein Verbot von Werkverträgen und eine Einschränkung der Leiharbeit erfolgt, begrüßen Barbara Unmüßig und Olaf Bandt. Als Effekt hoffen sie nicht nur auf bessere Arbeitsbedingungen, sondern auch auf höhere Fleischpreise.

Eine "Fleischwende" gefordert

Einen echten Lichtblick sehen die Atlas-Herausgeber in der Einstellung der kommenden Generation. Sie hatten im Herbst in Deutschland eine Umfrage unter 15- bis 29-Jährigen in Auftrag gegeben. Von rund 1200 Befragten gaben knapp 13 Prozent an, sich vegan oder vegetarisch zu ernähren. Hinzu kamen 25 Prozent Flexitarier, die nur selten Fleisch essen. Olaf Bandt: "Das ist die zweite gute Nachricht für uns: dass sie das nicht nur als eine persönliche Frage sehen, sondern auch den Staat in der Rolle sehen, die Verhältnisse in der Tierproduktion, in der Landwirtschaft insgesamt politisch auch zu steuern und zu verändern, und auch zu verändern, dass es zu weniger Fleischverbrauch kommt."

Das klingt nach Rückenwind für die Kernforderung von BUND und Heinrich-Böll-Stiftung zum Thema. Sie verlangen von der Politik eine "Fleischwende". Im Sinne von "weniger ist mehr". Zugunsten von Klima, Umwelt, Tierwohl und Gesundheit.

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