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StartseiteForschung aktuellGPS verfolgt die Wanderungen samenausbreitender Flughunde29.08.2014

Fliegende GärtnerGPS verfolgt die Wanderungen samenausbreitender Flughunde

Immer leistungsfähigere Mini-Computer und Sender am Körper wild lebender Tiere machen es möglich, Wanderwege, Gruppenverhalten und Körperfunktionen in Echtzeit zu untersuchen, vom Schmetterling bis zum Weißen Hai. Max-Planck-Wissenschaftler erforschen eine Schlüsselart der subtropischen und tropischen Ökosysteme Afrikas mit High Tech.

Von Lennart Pyritz

Flughunde drängen sich um Obst (Picture Alliance/DPA - Bernd Thissen)
Flughunde sind ganz versessen auf Früchte. (Picture Alliance/DPA - Bernd Thissen)
Weiterführende Information

Am Sonntag, 31.08., 16:30 Uhr, sendet der Deutschlandfunk in "Wissenschaft im Brennpunkt" das Feature Ein Storch geht online zur Tierbeobachtung mit Hightech-Mitteln.

Sie leben in großen Gruppen, ernähren sich vegetarisch und sind vermutlich die häufigste Säugetier-Art des afrikanischen Kontinents...

"Flughunde sind ganz, ganz wichtige Samenausbreiter und Bestäuber. Und unsere Fokus-Art, der Palmenflughund, Eidolon helvum, ist wahrscheinlich die wichtigste Art in dieser Hinsicht, weil sie sehr große Distanzen jede Nacht von den Quartierbäumen zu den Futterbäumen zurücklegt. – Das können bis zu 88 Kilometer pro Individuum, ein Weg, sein, dabei mehrere Bäume besucht und zusätzlich noch eben zieht über mehrere Ländergrenzen und bis zu 2000 Kilometer."

300 Baumarten stehen auf dem Speiseplan

Dina Dechmann, Wissenschaftlerin am Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell, und ihr Team beobachten die Art im westafrikanischen Ghana. Über ihren Kot verteilen die Tiere weiträumig Samen und pflanzen so Bäume.

"Eidolon helvum hat eine nachgewiesene Futterliste von über 300 Arten. Davon sind extrem viele vom Menschen entweder genutzt zum Essen, oder ökologisch wertvolle Tropenholzarten, die sehr stark übernutzt sind in vielen Regionen und die wahrscheinlich nur von Eidolon wieder in kahlgeschlagene Flächen eingetragen werden."

Um die Wanderbewegungen der Flughunde zu verfolgen und so deren ökologische und wirtschaftliche Bedeutung zu quantifizieren, verwenden Dechmann und ihr Team High Tech: GPS-Logger, die sie den Tieren mit einem Halsband anlegen. Um das Gewicht der Technik gering zu halten und die Batterie zu schonen, folgen die Geräte dem Aktivitätsmuster der Flughunde.

"Die sind den ganzen Tag aus. Abends um sechs gehen sie an und machen jede halbe Stunde eine GPS-Position. Bis der Flughund anfängt zu fliegen, und dann fangen sie an, alle drei Minuten einen GPS-Punkt aufzunehmen."

Die Logger reagieren auf die Beschleunigung der Tiere. Die gesammelten Positionsdaten können über ein Handgerät aus Hunderten Meter Entfernung heruntergeladen werden.

"Es macht auch super Spaß! Das ist wie eine Schnitzeljagd im Regenwald, wo man wirklich einzelne Futterbäume finden kann und sagen kann: In dem Baum war der Flughund und hat das und das gefressen um die und die Zeit."

Flughunde verbreiten Krankheitserreger

Die besenderten Tiere wieder zu fangen, ist praktisch unmöglich. Die Halsbänder haben aber eine Sollbruchstelle: Ein Chirurgenfaden, der sich nach etwa einem Monat auflöst und den Logger abfallen lässt. Aber Flughunde verbreiten nicht nur Samen. Sie gelten auch als Infektionsquellen.

"Sie können Reservoirs und Vektoren von Menschen-relevanten Krankheiten sein, zum Beispiel Ebola, oder Marburg oder andere Viren, die für uns gefährlich sein können. Deshalb ist gerade momentan vor Ort, in den Ländern, wo die Flughunde vorkommen, die Meinung über die Tiere sehr schlecht."

Durch die derzeit in Westafrika grassierende Ebola-Epidemie hat der Ruf der Tiere weiter gelitten. Führende Infektiologen vermuten, dass das Virus direkt von Flughunden übertragen wurde. Die Landbewohner in den zuerst betroffenen Regionen bestätigten, dass sie die Tiere jagen und essen. Blutproben von gefangenen Flughunden werden momentan auf das Virus untersucht. Sollten die Menschen in Afrika nun aus Sorge vor Ebola versuchen, die Kolonien der Tiere zu zerstören, könnte das fatale Folgen haben.

Die Forscher um Dina Dechmann kämpfen bereits gemeinsam mit ihren afrikanischen Kollegen darum, dass die ökologische Schlüsselrolle der fliegenden Gärtner nicht durch deren Image als potentielle Krankheitsüberträger vergessen wird.

"Da gehen wir zu Schulen, zu NGOs aber auch zu Regierungsabteilungen und versuchen für die Info-Material zu produzieren. Wir hängen Poster auf unter den Kolonien, die informieren über die Risiken aber auch über das Gute an den Flughunden."

Dabei helfen soll auch ein Lied über Flughunde, das zwei Musiker aus Ghana komponiert haben. Die Forscher wollen es dort demnächst im Radio spielen lassen.

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