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StartseiteHintergrundGefangen im Niemandsland13.12.2018

Flüchtlinge auf der neuen BalkanrouteGefangen im Niemandsland

Weil die alte Balkanroute geschlossen ist, versuchen viele Flüchtlinge über Bosnien in das EU-Land Kroatien zu gelangen. Inzwischen mehren sich die Berichte von brutalen Misshandlungen durch kroatische Grenzpolizisten. Und der Bürgermeister einer bosnischen Grenzstadt beklagt, dass der Staat sein Dorf im Stich lasse.

Von Srdjan Govedarica

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In der Nähe von Velika Kladusa, Bosnien und Herzogewina, versuchen Flüchtlinge am 13.8.2018 die kroatische Grenze zu erreichen (dpa / NurPhoto / Maciej Luczniewski)
In der Nähe von Velika Kladusa, Bosnien und Herzogewina, versuchen Flüchtlinge am 13.8.2018 die kroatische Grenze zu erreichen (dpa / NurPhoto / Maciej Luczniewski)
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Die Pizzeria Teferic ist kein ganz normales Restaurant mehr. Seit Februar ist die kleine und karg eingerichtete Gaststätte in Velika Kladusa, im Nordwesten Bosnien und Herzegowinas für Flüchtlinge und Migranten reserviert. Hier bekommen sie jeden Tag kostenlos ein warmes Essen. Heute gibt es Hähnchen mit Paprika, am Ende des Tages werden hier mehr als 400 Menschen gegessen haben. Einer von ihnen ist der 20-jährige Heder aus Pakistan.

"Ich komme jeden Tag hierher, um etwas zu essen und mein Telefon aufzuladen. Pakistaner, Inder, Syrer, Iraker - alle möglichen Leute kommen hierher, um zu essen."

Besitzer Asim Latic, ein Veteran des Bosnienkrieges, hatte zunächst neben dem normalen Restaurantbetrieb damit begonnen, kostenlose Mahlzeiten an Migranten auszugeben. Dann aber blieben die zahlenden Kunden aus. Inzwischen werden hier ausschließlich Migranten versorgt. Asim Latic hat in den vergangenen zehn Monaten 145.000 Mahlzeiten verteilt, Freiwillige bereiten die Gerichte zu. Die Lebensmittel werden durch Spenden finanziert, die inzwischen aus aller Welt kommen:

"Wissen Sie, Bosnien und Herzegowina war vier Jahre lang im Krieg. Ich habe - genauso wie meine Familie und meine Kollegen -, damals vier, fünf Tage lang kein Stück Brot gesehen. Wir hatten nichts. Als ich die Migranten gesehen habe, habe ich mich selbst gesehen. Wir fühlen mit und machen das mit viel Liebe. Keiner von uns hat sich auch nur einen Tag frei genommen."

In der Küche hat heute die 32-jährige Nedija Spüldienst. Sie ist kroatischer Abstammung und lebt eigentlich in der Schweiz. Vor sechs Wochen kam sie nach Bosnien, um zu helfen:

"Ich denke normalerweise positiv - aber um ehrlich zu sein, die Situation hier ist nicht leicht. Die Menschen wissen nicht wohin. Sie sind hier und können weder vorwärts noch rückwärts."

Veränderte Transitrouten führen durch Bosnien und Herzegowina

Noch vor einem Jahr lag Bosnien und Herzegowina abseits der sogenannten Balkanroute, die Wege nach Westeuropa führten über andere Länder. Das hat sich geändert, seit diese Transitwege durch Grenzzäune und den verstärkten Einsatz von Polizei und Militär weitgehend dicht sind. Waren es 2017 noch weniger als 800 Menschen, sind dieses Jahr bis Ende November 22.000 sogenannte illegale Migranten in Bosnien und Herzegowina registriert worden. Zum Teil sind es Menschen, die ohnehin schon in Südosteuropa unterwegs waren, sagt Neven Crvenkovic, Sprecher des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR in Sarajevo:

"Die meisten kommen aus Serbien. Einige sind dort schon seit 2016, als die sogenannte Balkanroute geschlossen wurde. Andere kommen aus Montenegro, das ist der zweite Weg, den sie nehmen. Es gibt aber auch Menschen, die direkt aus Griechenland kommen. Das ist eine Mischung. Die Menschen kommen in den allermeisten Fällen nach Bosnien und Herzegowina, um in EU-Länder weiterzuziehen, was sie auch als ihr endgültiges Ziel angeben."

Es ist die fast 1000 Kilometer lange gemeinsame Grenze mit dem EU-Land Kroatien, die Bosnien und Herzegowina so anziehend macht. Die Grenze ist gut bewacht, sie verläuft aber durch Gebirge oder anderes unwegsames Gelände und ist schwer zu kontrollieren. Die Städte Bihac und Velika Kladusa liegen im Nordwesten des Landes. Kroatien und damit die EU sind nur noch einen Fußmarsch entfernt. Zurzeit warten dort etwa 4.000 Menschen auf eine Gelegenheit, über die Grenze zu gelangen.

Nur Männer zugelassen

Ein verlassenes und baufälliges Schülerwohnheim in der Stadt Bihac. Das Gebäude ist mit Graffiti beschmiert, der Putz ist längst abgefallen, einige Fenster haben noch Scheiben, andere nicht mehr. Das Gebäude dient als Aufnahmeeinrichtung für Migranten. Und es ist für Männer reserviert, die allein unterwegs sind. Familien, Minderjährige, Kranke und Alte haben hier keinen Zutritt. Niemand weiß ganz genau, wie viele Menschen gerade hier sind, die Zahlen ändern sich stündlich, etwa 900 sollen es heute sein. Die Männer werden hier vom Roten Kreuz betreut und bekommen drei warme Mahlzeiten am Tag. Einige ziehen es jedoch vor, selbst zu kochen.

Flüchtlinge in einer Unterkunft der bosnischen Stadt Bihac stehen um eine Feuerstelle herum (November 2018) (picture alliance / Danilo Balducci / Sintesi)Flüchtlinge in einer Unterkunft der bosnischen Stadt Bihac stehen um eine Feuerstelle herum (picture alliance / Danilo Balducci / Sintesi)

Unter einem Vordach stehen etwa 80 Männer um Feuerstellen herum, der beißende Rauch scheint sie nicht zu stören. Einige rühren in improvisierten Töpfen und Kesseln, andere sind in Decken gehüllt und wärmen sich auf, denn heute zeigt der bosnische Winter zum ersten Mal in diesem Jahr seine Zähne: Es ist um die null Grad und die Feuchtigkeit dringt auch durch die beste Kleidung. Hasan aus Pakistan ist seit einem Jahr unterwegs und will sich nach Frankreich durchschlagen:

"Wer würde gerne hierbleiben, in diesem Gebäude? Das ist nicht unsere Zukunft, niemand will das. Wir hatten ein besseres Leben in Pakistan als hier in Bosnien. Aber jetzt sind wir hilflos. Wir haben nur Probleme."

Hassan ist 20 Jahre alt und hat in Pakistan Architektur studiert. Sein Land musste er verlassen, weil er dort Schwierigkeiten hatte. Welche das waren, sagt er auch auf Nachfrage nicht. Hassan findet es ärgerlich, dass er als junger Mann mit dunkler Hautfarbe als Gefahr wahrgenommen wird.

"In jedem Land gibt es schlechte Menschen. Die eine Hälfte ist gut, die andere schlecht. Auch hier in Bosnien ist es so. Überall. Die Menschen bekommen falsche Informationen, weil sie uns nicht kennenlernen und nicht mit uns reden. Sie haben immer Angst."

Die Stadt Bihac hat etwas mehr als 60.000 Einwohner. Zu Spitzenzeiten waren mehrere Tausend Migranten hier. Die Menschen fallen im Stadtbild auf und jeder in Bihac hat seine Meinung dazu. Dieser Rentner etwa zeichnet ein düsteres Bild:

"Es wird sich nichts ändern, bis hier einer draufgeht. Und es wird irgendwann einer draufgehen, fürchte ich. Das ist wirklich eine Katastrophe."

Andere Bürger Bihacs begegnen den Menschen mit viel Verständnis. Nicht zuletzt, weil sie sich noch sehr gut an den Krieg hier erinnern können. Bihac war im Bosnienkrieg eine stark umkämpfte, lange eingeschlossene Enklave. Diese Frau hat das nicht vergessen:

"Alles, was ihnen geschieht, haben auch wir erlebt. Deshalb tun sie uns leid. Wir helfen ihnen, und wir wünschen uns, dass sie ihren Frieden finden und ihre Ziele erreichen, so wie sie es für sich wünschen."

Wenn der Staat nicht funktioniert

Viele Menschen in Bihac sind sauer auf die Regierung in Sarajevo, weil sie ihrer Meinung nach nichts unternommen hat, um die Stadt bei der Unterbringung und Versorgung der Migranten zu unterstützen. Auch Bürgermeister Suhret Fazlic schimpft auf die bosnische Regierung:

"Ich sage es Ihnen - wir haben kein Problem mit den Migranten, definitiv nicht. Wir haben ein Problem damit, dass dieser Staat nicht funktioniert. Und zwar vom ersten Tag an nicht. Das klingt jetzt hässlich, aber das ist so wie bei einem Unwetter. Das passiert einfach. Und dann muss man schauen, dass man da heil rauskommt. Dort, wo der Staat funktioniert, geht das viel einfacher. Bei uns hingegen haben die staatlichen Institutionen nichts getan. Das hat uns sehr frustriert und frustriert und heute noch."

Anfang 2018, als die ersten Migranten kamen, habe sich die Stadtverwaltung noch selbst helfen können, sagt Fazlic. So sei relativ rasch das verlassene Schülerwohnheim als provisorische Unterkunft bereitgestellt worden. Damals schliefen dort etwa 80 Menschen. Dann kamen immer mehr - und die Hilfe aus Sarajevo traf immer noch nicht ein.

"Wir sind nicht Schweden. Das hier ist Bosnien. Die Menschen haben hier eine besondere Beziehung zu ihrem Boden, ihrem Hof, ihrem Haus, ihrer Familie. Es kann hier jederzeit zu einem Exzess kommen, und ein Migrant oder einer von uns zieht dann den Kürzeren. Wir halten uns wacker - aber nur dank der Hilfe internationaler Organisationen, wie der Ärzte ohne Grenzen, dem UNHCR, der Internationalen Organisation für Migration oder der EU-Kommission. Wir sind am Anschlag, ohne diese finanziellen Hilfen wären wir in einer sehr schwierigen Lage."

Eine Frau trägt in der Nähe der Grenze von Bosnien zu Kroatien ein schlafendes Kind. (dpa/Amel Emric)Eine Frau trägt in der Nähe der Grenze von Bosnien zu Kroatien ein schlafendes Kind. (dpa/Amel Emric)

EU-Hilfen für Migranten

Bosnien und Herzegowina präsentiert sich auch 23 Jahre nach dem Ende des Krieges vor allem mit Mängeln. Die ausufernde Dezentralisierung der Regierungsstellen, eine immense Bürokratie, seit Jahren zurückgehende Auslandsinvestitionen und die höchste Arbeitslosigkeit unter den Folgestaaten des ehemaligen Jugoslawiens prägen die Lage. So kommt es, dass der Großteil der Hilfen für die Migranten nicht etwa vom bosnischen Staat, sondern von der Europäischen Union bezahlt wird. Die Mittel stammen nach Recherchen der Deutschen Welle aus dem Subventionstopf, der eigentlich dazu dient, dass Bosnien und Herzegowina fit für den EU-Beitritt gemacht werden soll. Seit 2016 ersucht das Dreieinhalb-Millionen-Einwohner-Land offiziell darum, Mitglied der EU zu werden.

Adisa Bekaj ist im Dauereinsatz. In der Fabrikhalle Bira am Stadtrand von Bihac ist sie erste Ansprechpartnerin für die 945 Menschen, die hier untergebracht sind. Adisa arbeitet für die Internationale Organisation für Migration IOM, die diese provisorische Unterkunft verwaltet. Das Geld kommt von der EU. Die Fabrikhalle ist so groß wie ein Fußballplatz. Sie ist beheizt, mit Toiletten und Duschen ausgestattet, es gibt auch eine kleine Ambulanz. Nach und nach werden Container in die Halle geschafft, damit die Menschen so etwas wie Privatsphäre haben. Bis es soweit ist und alle einen Container beziehen können, schlafen einige behelfsweise in Zelten:

"In diesem Zelt sind 123 Personen, Babys eingeschlossen."

Adisa Bekaj erzählt, dass die Fabrikhalle Bira ursprünglich als Ausweichquartier gedacht war. Hierhin sollten eigentlich die Menschen aus dem baufälligen Schülerwohnheim umziehen, damit das Heim renoviert werden kann. Doch dann kamen immer mehr Menschen, und jetzt sind sowohl das Schülerwohnheim als auch die Fabrikhalle voll:

"Das Problem ist - am Anfang hat es hier keine Familien gegeben. Wir dachten auch, dass keine kommen werden. Und dann ging es auf einmal los. Innehrhalb eines Tages standen die Leute hier am Tor. Jetzt sind unsere Kapazitäten erschöpft."

In der Fabrikhalle sind Familien mit Kindern, unbegleitete minderjährige Flüchtlinge - 170 an der Zahl - und allein reisende Männer strikt voneinander getrennt. Zurzeit nur räumlich, später sollen große meterhohe Gattertore eingebaut werden. Das soll Konflikte untereinander vermeiden, sagt Adisa Bekaj. Denn: Auch wenn die Fabrikhalle eine bescheidene Versorgung bietet, liegen die Nerven der Menschen blank. Das bekommt auch Adisa Bekaj zu spüren. Ein junger Mann stürmt aus einem Zelt heraus auf sie zu. Eine brenzlige Situation, denn auf den ersten Blick wirkt er aggressiv.

Adisa Bekaj regiert besonnen, verwickelt den jungen Mann in ein Gespräch und klärt die Situation, noch bevor ein Sicherheitsmann herbeigeeilt ist. Am Ende zeigt sich, dass er ein psychisches Problem hat und medizinische Hilfe benötigt.

Klagen über Misshandlungen durch die Polizei

Zurück in Velika Kladusa. Das Team der Hilfsorganisation "SOS-Kladusa" verarztet gerade einen jungen Algerier. Zuerst lässt der Mann sein verstauchtes Fußgelenk verbinden. Dann zieht er den Pullover hoch und zeigt seinen Rücken. Darauf sind etwa drei Zentimeter breite Blutergüsse zu sehen. Sie wirken frisch und so, als sei der junge Mann mit einem Stock verprügelt worden. Er erzählt, dass er in der Nacht versucht habe, die Grenze nach Kroatien zu überqueren. Die kroatische Polizei habe ihn aufgegriffen und zurückgeschickt. Und das beschreibt er so:

"Was hast du in den Taschen und das alles, haben sie gefragt. Dann haben sie mich in den Einsatzwagen gebracht, später in einen Lastwagen und ja, sie haben mich geschlagen."

Solche Geschichten sind seit Monaten im Umlauf. Die Migranten spielen ein Katz-und-Maus-Spiel mit der kroatischen Polizei, denn sie versuchen immer wieder, illegal nach Kroatien zu kommen und dann weiterzureisen.

Einigen gelingt das, andere werden aufgegriffen. Die Migranten nennen das "the Game" - das Spiel. Dabei ist der Hintergrund durchaus ernst, denn die Migranten machen der kroatischen Polizei schwerste Vorwürfe. Wenn sie aufgegriffen werden, dann gebe ihnen die kroatische Polizei keine Chance, Asyl zu beantragen und schicke sie über die grüne Grenze zurück.

Ein Flüchtling in Bosnien und Herzegowina zeigt sein zerstörtes Handy (picture alliance / Danilo Balducci / Sintesi )Ein Flüchtling in Bosnien und Herzegowina zeigt sein zerstörtes Handy (picture alliance / Danilo Balducci / Sintesi )

Das ist nach internationalen Standards illegal. Denn jeder Schutzsuchende hat ein Recht darauf, dass sein Fall geprüft wird. Außerdem berichten die Migranten, dass ihnen kroatische Polizisten Geld abnehmen, ihre Handys zerstören und sie immer wieder verprügeln würden. In den vergangenen Monaten haben sich solche Berichte gehäuft:

"Früher haben sie nicht geschlagen. Sie haben uns nur zurückgeschickt und die Handys zerstört. Aber jetzt nehmen sie unser Geld, nehmen die Handys und jetzt schlagen sie. Sie brechen Arme, Beine, Köpfe, es ist sehr schlimm."

"Ich habe es so häufig versucht, aber die kroatische Polizei erwischt uns, schlägt uns und schickt uns zurück. Ich habe es 30, 40 Mal versucht."

"Ich habe zum Polizisten gesagt: Warum schlägst du mich? Ich könnte sterben, weil ich zwei Herz-Bypässe habe. Das ist keine Polizei, das sind Kriminelle."

Schwerwiegende Vorwürfe, die nicht zu überprüfen sind. Denn es sind nie unabhängige Beobachter dabei, wenn Polizei und Migranten aufeinandertreffen. Vladimir Mitkovski, Notfallkoordinator der Internationalen Organisation für Migration, IOM, formuliert das so:

"Ich bin seit Mai hier und es gibt diese Situationen, dass ein Migrant kommt und so etwas behauptet. Nicht nur einmal, sondern oft. Aber ich habe weder persönlich noch in meiner Funktion für die IOM etwas in der Hand, um das bestätigen zu können. Ich kann das nicht kommentieren. Aber solche Klagen der Migranten hören wir jeden Tag."

"Die kroatische Polizei schlägt niemanden"

Auf der anderen Seite unterwegs mit Damir Butina: Er ist Dienststellenleiter der kroatischen Grenzpolizei im Abschnitt Cetingrad, also direkt an der Grenze zu Bosnien und Herzegowina. Damir Butina läuft zu einem Aussichtspunkt, den seine Beamten gerne nutzen. Ein großer Teil des Grenzgebiets ist von hier sehr gut zu überblicken:

"Das Gebäude, das sie dort sehen, ist Velika Kladusa. Die Staatsgrenze zwischen Bosnien und Kroatien verläuft da unten an diesem kleinen Bach entlang."

Damit Butina ist mit seinem Jeep weiter auf Patrouillenfahrt. Die Vorwürfe gegen die kroatische Polizei kennt er in allen Einzelheiten. Und er streitet sie entschieden ab:

"Die kroatische Polizei handelt nach gesetzlichen Vollmachten und Vorschriften. Die kroatische Polizei ist wie jeder kroatische Polizist verpflichtet, nach diesen Vorschriften zu verfahren. Die kroatische Polizei schlägt ganz sicher niemanden und nimmt niemanden Geld ab, so wie sie das beschrieben haben."

Diese Darstellung deckt sich mit offiziellen Stellungnahmen des kroatischen Innenministeriums, die dem ARD-Studio Südosteuropa vorliegen. Er könne es durchaus verstehen, sagt Grenzpolizist Damit Butina, dass die Migranten frustriert seien, wenn sie auf eine gut gesicherte Grenze stießen. Nach seinen Informationen seien die Verletzungen, die die Migranten erlitten haben, das Ergebnis von Schlägereien zwischen Migranten:

"Das wird dann missbraucht, indem man die kroatische Polizei fälschlich und bösartig beschuldigt, ungesetzliche Dinge zu tun, was nicht richtig ist."

Noch ein "Game" wagen

Im bosnischen Velika Kladusa hat es inzwischen geschneit. Im Ortsteil Trnovi harren noch etwa 50 junge Männer in einem improvisierten Zeltlager aus. Sie könnten auch in eine provisorische Unterkunft ziehen, meiden diese aber, weil es dort zu viele Konflikte gibt, sagen sie. Die Bedingungen im Zeltlager könnten schlechter nicht sein. Es gibt kein Wasser, keinen Strom, keine Toiletten. Die Männer verbrennen alte Matratzen und Müll, um sich aufzuwärmen. Der Rauch riecht giftig und sticht in den Augen.

Die Männer sagen, dass sie heute Abend ein "Game" wagen und die Grenze nach Kroatien überqueren wollen. Einer von ihnen gibt uns noch eine Botschaft mit:

"Ich bin ein Flüchtling, ich bin kein Terrorist. Ich bin nicht gefährlich für Kroatien oder für Bosnien."

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