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StartseiteCampus & Karriere"Offenheit und Toleranz in den Schulen stärken"03.09.2015

Flüchtlingskinder "Offenheit und Toleranz in den Schulen stärken"

Vor allem die neuen Bundesländer müssten die Zuwanderung von Flüchtlingen als Chance für den vom demografischen Wandel bedrohten Arbeitsmarkt begreifen, sagte Axel Plünnecke, Studienleiter beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln, im Deutschlandfunk. Die guten Bildungssysteme in Sachsen und Thüringen hätten das Potenzial, Flüchtlingskindern die nötige Förderung zu bieten.

Axel Plünnecke im Gespräch mit Regina Brinkmann

Axel Plünnecke, Studienleiter beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) (Imago)
Axel Plünnecke, Studienleiter beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) (Imago)
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Regina Brinkmann: Unterstützung für ihre Position bekommt die Ministerin übrigens auch vom Institut der Deutschen Wirtschaft Köln. Die frei werdenden Mittel aus dem gekippten Betreuungsgeld seien gut im Kita-Ausbau angelegt, so Studienleiter Axel Plünnecke. Er hat heute in Berlin im Auftrag der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft den Bildungsmonitor 2015 vorgestellt. Die Bildungssysteme aller 16 Bundesländer stehen darin auf dem Prüfstand, Fortschritte verzeichnen die Länder danach im Kita-Bereich. Rückschritte machen sie bei der Integration von Zuwanderern und ihren Kindern. Ich habe Axel Plünnecke, Studienleiter beim IDW, gefragt: Was hat sich im Bereich der Integration genau verschlechtert?

Axel Plünnecke: Ja, wir können beobachten, dass unter den ausländischen Schulabsolventen ein höherer Anteil als früher ohne Abschluss bleibt, also Schulabbrecherquoten unter Ausländern sind leider gestiegen. Genauso sehen wir auch, dass an den allgemeinbildenden Schulen ein etwas kleinerer Anteil unter den Ausländern ein Abitur ablegt. Von daher, so zwei Kennzahlen, die für uns wichtig sind zum Thema Integration im Bereich der Schulen, im Bereich des Bildungssystems.

Brinkmann: Also da läuft es immer noch nicht so richtig rund. Ländern wie Thüringen, Sachsen, Bayern und Baden-Württemberg bescheinigen Sie ja besonders leistungsfähige Bildungssysteme. Welches Potenzial haben diese, aber auch die anderen, mehr Zuwanderer und mehr Flüchtlinge aufzunehmen und in Bildung und Arbeitsmarkt zu integrieren?

Plünnecke: Wir sehen gerade in Thüringen und in Sachsen ein sehr gut ausgebildetes Bildungssystem, viele Ganztagsschulen, geringe Betreuungsgruppengrößen in den Schulen. Also gute Möglichkeiten. Und auch die Tests zeigen, dass gerade in Sachsen und Thüringen die Herkunft der Schüler nicht so stark sich auswirkt auf die Bildungsergebnisse. Und daher sind eigentlich gerade diese sehr, sehr guten Bildungssysteme in der Lage, zu fördern, und gerade viele Flüchtlinge, aber auch andere Zuwanderer brauchen diese Förderung, und da wären durchaus Potenziale auch in Sachsen und Thüringen.

Zuwanderung als Chance begreifen

Brinkmann: Aber aktuell tun sie das noch nicht?

Plünnecke: Aktuell sehen wir das noch nicht in dem Maße, wie es möglich wäre. Und es ist wichtig, dass man auch das Thema Zuwanderung als Chance sieht, Chance im Bereich der Demografie, der großen Herausforderungen, die gerade in den neuen Bundesländern in den nächsten Jahren noch deutlich schneller auf die Bundesländer zukommen als in den alten Ländern.

Brinkmann: Diese Chancen werden ja offensichtlich noch nicht so gesehen, wenn man sich zum Beispiel halt auch mal die Protestkultur, auch gerade in Sachsen oder so anschaut. Was müsste denn passieren, dass es da eine bessere Willkommenskultur auch im Bildungswesen gäbe?

Plünnecke: Wichtig ist, dass man das Thema Zuwanderung als Chance, als Perspektive sieht. Wir sehen, dass in den neuen Ländern ein sehr hoher Anteil der Beschäftigten über 55 Jahre alt ist, in den nächsten zehn Jahren ersetzt werden muss am Arbeitsmarkt. Gleichzeitig sind bisher sehr wenige Ausländer in den neuen Ländern beschäftigt, und daher gibt es auch wenig Verbindungen, wenig Netzwerke hin in die potenziellen Zuwanderungsländer. Daher haben es die neuen Länder besonders schwer, von der aktuell steigenden Zuwanderung und Fachkräftesicherung zu profitieren. Daher müssen wir eben noch mehr machen, um Ausländer willkommen zu heißen, um Vielfalt zu leben, um Offenheit und Toleranz in den Schulen, auch im Unterricht, zu stärken.

Bachelor-Absolventen kämen in den Unternehmen sehr gut an

Brinkmann: Ein anderer Aspekt, den Sie im Bildungsmonitor behandeln, ist die Bologna-Reform, die sei aus Ihrer Sicht sehr gelungen, der Übergang vom Bachelor in den Arbeitsmarkt klappe genauso gut wie mit dem Master. Die deutsche Wirtschaft beklagte dagegen noch im April, sie sei zunehmend unzufrieden mit Bachelor-Absolventen. Bei einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages gaben nur 47 Prozent der Unternehmen an, dass Berufseinsteiger mit diesem Hochschulabschluss ihre Erwartungen erfüllen. Kann man da von einem Erfolg sprechen?

Plünnecke: Ja, wir haben auch eine eigene Unternehmensbefragung durchgeführt zu dem Thema, mit etwas anderen Ergebnissen. Die zeigt, dass die Bachelor auch in Unternehmen sehr gut ankommen, dass sie Karriereperspektiven haben, dass sie beim Einstiegsgehalt auch gut abschneiden. Und auch weitere Untersuchungen, die wir uns angeschaut haben, zeigen eigentlich, dass viele Mythen, die bestehen gegen Bologna, so nicht zutreffen. Gleichzeitig sehen wir aber große Chancen auch gerade zum Thema Zuwanderung über die Hochschulen. Viele Studierende anderer Länder haben einen Bachelorabschluss, können direkt zum Master nach Deutschland kommen, hier ihren Abschluss machen, hier bleiben, hier auch dann später am Arbeitsmarkt mithelfen, die Herausforderungen der Demografie zu meistern.

Brinkmann: Heißt, der Deutsche Industrie- und Handelskammertag hat die falschen Unternehmer befragt?

Plünnecke: Es gibt Unterschiede noch in den Strukturen der Unternehmen, in den Größen. Die Unternehmen, die wir repräsentativ gezogen haben, haben da etwas bessere Erfahrungen gemacht. Und wir sehen auch gerade, dass die Unternehmen, die schon Bachelor beschäftigen, deutlich günstigere Einschätzungen zum Thema Bachelor und Perspektiven bieten als die, die den Bachelor noch nicht kennen.

Brinkmann: Der Bachelor ist besser als sein Ruf, meint Axel Plünnecke, Studienleiter beim Institut der Deutschen Wirtschaft. Das Interview über die Ergebnisse des Bildungsmonitors 2015 haben wir vor dieser Sendung aufgezeichnet.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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