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StartseiteInformationen am AbendInsolvenz mit Ankündigung05.02.2019

Fluggesellschaft GermaniaInsolvenz mit Ankündigung

Die Insolvenz bei Germania hat die Fluggäste überrascht. Doch der finanzielle Crash der Fluggesellschaft hatte sich laut Gewerkschaftern bereits angekündigt. Von der Bundesregierung soll es keine Hilfe geben, anders als bei der Air-Berlin-Pleite.

Von Daniela Siebert

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Ein Flugzeug der Fluggesellschaft Germania steht auf dem Flughafen in Düsseldorf. Die Fluggesellschaft Germania hat beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg Insolvenz beantragt. Der Flugbetrieb wurde eingestellt. Foto: Federico Gambarini/dpa | Verwendung weltweit (dpa)
Verdi bezeichnet es als "tragisch", dass für das Unternehmen keine andere Lösung gefunden worden sei (dpa)
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Ab sofort entscheidet der Berliner Rechtsanwalt und Insolvenzverwalter Rüdiger Wienberg über die Geschicke von Germania und den ebenfalls insolventen Technik- und Flugdienst- Tochter-Unternehmen, insgesamt rund 1700 Mitarbeiter.

Wienberg teilte am Nachmittag mit, die Löhne und Gehälter seien für drei Monate über das Insolvenzgeld gesichert. Er prüfe die Fortführungsaussichten für Germania. In den nächsten zwei Wochen seien rund 60.000 Reisende betroffen. Der Insolvenzverwalter werde sie anschreiben und ihnen mitteilen, was sie tun müssen, um bei ihm ihre Forderungen an Germania anzumelden.

Keine Hilfe vom Bund für Germania

Laut Agenturmeldungen plant die Bundesregierung - anders als vor zwei Jahren bei Air Berlin - keine Hilfsmaßnahmen für Germania.

Das Bundesverkehrsministerium bietet auf seiner Internetseite immerhin Rat für Passagiere:
Wer sein Ticket direkt beim Luftfahrtunternehmen gebucht habe, müsse sich nun selbst um Rück- beziehungsweise Weiterbeförderung kümmern. Wer sein Ticket mit der Kreditkarte bezahlt habe, könne versuchen, die Ticketkosten über die Kreditkartengesellschaft erstatten zu lassen, rät das Ministerium.

Mit 37 Flugzeugen und 60 Flugzielen war Germania keiner der ganz großen Akteure im deutschen Flugreisemarkt. Aber sie hielt eine mittlere Position in Sachen Preis-Leistungsverhältnis, etwa 20 Kilogramm Freigepäck und mit Flugzielen, die gerade für Urlauber attraktiv waren, darunter Lanzarote, Tel Aviv und Korsika.

Als Gründe für die Insolvenz hatte Germania angegeben, ein kurzzeitiger Liquiditätsbedarf habe nicht gedeckt werden können.

"Insolvenz hat sich angekündigt"

Für die Mitarbeiter von Germania ergreifen derweil die Gewerkschaften das Wort. So verrät Florian Brockhoff von der Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO, man habe das Unglück kommen sehen.

"Die Insolvenz bei der Airline hat sich eigentlich schon in den letzten Wochen angekündigt, das fing damit an, dass zu Jahresbeginn schon Gerüchte kursierten, dass die Airline finanziell angeschlagen ist, letzte Woche hat uns dann die Nachricht erreicht, dass die Januar-Gehälter der Beschäftigten nicht ausgezahlt werden konnten. Es handelt sich da um 700-800 Kollegen, die in der Kabine bei der Germania tätig sind, die jetzt natürlich vor einer ungewissen beruflichen Zukunft stehen, teilweise Existenzängste haben und viele auch schon vor anderthalb Jahren knapp von der Air-Berlin-Pleite betroffen waren."

Die Gewerkschaft Verdi bezeichnet es als "tragisch", dass für das Unternehmen keine andere Lösung gefunden worden sei. Die Crews dürften jetzt nicht allein gelassen werden. Allerdings gebe es bei Germania keine Tarifverträge und keine Betriebsratsstrukturen, so dass die Gewerkschaft Verdi nicht in das Insolvenzverfahren involviert sei. Das gilt auch für die Gewerkschaft der Piloten "Vereinigung Cockpit". Deren Sprecher Janis Schmitt ordnet die Insolvenz so ein:

"Wir haben halt bis zuletzt gehofft, dass es einen anderen Ausweg, eine andere Lösung gibt, laut unseren Informationen sind es ca 400 Piloten, die bei der Germania beschäftigt sind. Das Marktumfeld der Airline-Branche in Deutschland ist etwas heiß umkämpft, was wir gesehen haben, ist auch, dass sich Germania in einem Rechtsstreit befindet mit dem langjährigen Eigner, dem Herrn Bischoff, dort wurde ihm per Gericht 10 Millionen Euro zugesprochen, das hat natürlich die Suche nach einem Investor relativ schwer gemacht."

Germania betont unterdessen, die Firma "Schweizer Germania Flug AG" sei von der Insolvenz nicht betroffen. Alle Flüge ab der Schweiz fänden planmäßig statt.

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