Seit 04:05 Uhr Radionacht Information

Mittwoch, 23.01.2019
 
Seit 04:05 Uhr Radionacht Information
StartseiteKommentare und Themen der WocheGiffeys Vorstoß ist ein Anfang18.12.2018

Förderprogramm gegen Erziehermangel Giffeys Vorstoß ist ein Anfang

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey möchte mehr Menschen für den Erzieherberuf gewinnen: Mit einer 300 Millionen Euro schweren Förderung - etwa für eine Ausbildungsvergütung oder mehr Aufstiegsmöglichkeiten. Das sei zumindest ein Anfang, kommentiert Frank Capellan.

Von Frank Capellan

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Kinder und eine Erzieherin in einer Düsseldorfer Kindertagesstätte (dpa / picture-alliance / Monika Skolimowska)
Der Erzieherberuf soll attraktiver werden (dpa / picture-alliance / Monika Skolimowska)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast
Mehr zum Thema

Kindertagesstätten Förderprogramm soll Erzieher-Beruf attraktiver machen

Schöner Beruf - nur grottenschlecht bezahlt. Wer frühkindliche Bildung ernst nimmt, wer möchte, dass Kinder im Vorschulalter nicht nur betreut, sondern auch gefördert und gefordert werden, musste sich schon seit Jahren fragen, warum diese so wichtigen Jobs so wenig Anerkennung finden. Knapp 2.700 Euro brutto im Monat als Einstiegsgehalt sind für eine nicht immer vergnügungssteuerpflichtige, sondern oftmals auch nervenaufreibende Tätigkeit wahrlich nicht üppig.

Fehlende Ausbildungsvergütung ist ein Skandal

Dass es allerdings in manchen Bundesländern nicht einmal Geld für die Ausbildung gibt, dass teilweise sogar Schulgeld gezahlt werden muss, ist ein Skandal. Nicht einmal jeder fünfte Schulabgänger, der sich für den Beruf des Erziehers entscheidet, erhält derzeit während der dreijährigen Lehrzeit eine Ausbildungsvergütung. Kein Wunder, dass junge Frauen fehlen. Männer sind in diesem Beruf ohnehin sehr seltene Exemplare, sie lassen sich von schlechter Bezahlung noch viel eher abhalten - der Männeranteil liegt bei gerade mal sechs Prozent.

Mindestens 200.000 Erzieherinnen und Erzieher werden bis 2025 in Deutschland fehlen. Zieht man in Betracht, dass sich die Bundesregierung im Rahmen ihres Kita-Gesetzes gerade erst verordnet hat, die Qualitätsstandards an den Tagesstätten deutlich zu verbessern, dürften es wohl eher 300.000 sein. Ein besserer Betreuungsschlüssel mit kleineren Gruppen erfordert eben deutlich mehr Personal.

Beschäftigungsinitiative ist ein Anfang

Die heute von Familienministerin Franziska Giffey vorgestellte Beschäftigungsinitiative ist zumindest ein Anfang, um gegenzusteuern. Der Bund übernimmt die Ausbildungsvergütung im ersten Jahr zu 100 Prozent, im dritten immerhin noch zu 30 Prozent. 1.140 Euro monatlich im ersten Ausbildungsjahr, 1.300 im letzten, damit könnte dieser Beruf zumindest konkurrenzfähig gegenüber anderen Jobs werden.

Natürlich: Mit diesem Programm wird sich das Problem allein nicht lösen lassen - doch wenn mit einer flächendeckenden Ausbildungsvergütung 50.000 zusätzliche Anwärter für die Arbeit in Tagesstätten gewonnen werden können, ist das mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Der Druck auf die Länder kann zudem gar nicht groß genug sein, um endlich zu einer einheitlichen Regelung zu kommen.

Abschlüsse aus anderen Staaten anzuerkennen und Migranten einzubeziehen dürfte ebenso dabei helfen, die Engpässe in den Begriff zu bekommen und nebenbei für kulturelle Vielfalt und bessere Integrationsmöglichkeiten an deutschen Kitas zu sorgen. Denn in der Tat: Es gibt viele Erzieherinnen und Erzieher, die mit großem Herzblut und viel Idealismus bei der Sache sind. Ihnen vertrauen wir für viele Stunden am Tag das Wertvollste an, was wir besitzen: unsere Kinder. Dafür gebührt ihnen schon lange mehr Anerkennung - auch im Portemonnaie!

 

Frank Capellan, Hauptstadtstudio (Deutschlandradio / Bettina Straub  )Frank Capellan, Hauptstadtstudio (Deutschlandradio / Bettina Straub )Frank Capellan, geboren 1965 im Rheinland, studierte Publizistik, Neuere Geschichte und Politikwissenschaften, Promotion an der Universität Münster. Nach einer Ausbildung bei der Westdeutschen Zeitung folgte ein Volontariat beim Deutschlandfunk, dem er bis heute treu geblieben ist. Zunächst Moderator der Zeitfunk-Sendungen, unter anderem der Informationen am Morgen; seit vielen Jahren als Korrespondent im Hauptstadtstudio tätig, dort u. a. zuständig für die SPD, die Familienpolitik und Entwicklungspolitik.

 

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk