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StartseiteCampus & KarriereFörderprogramm zur Rückkehr von Wissenschaftlern aus dem Ausland23.04.2012

Förderprogramm zur Rückkehr von Wissenschaftlern aus dem Ausland

Krupp-Professuren der German Scholars Organization

Das Wissenschaftlernetzwerk German Scholars Organization, kurz GSO, versucht im Ausland arbeitenden deutschen Wissenschaftlern die Rückkehr nach Deutschland schmackhaft zu machen. Die GSO zieht auf einem Symposium in Berlin erstmals eine Bilanz ihres seit 2006 laufenden Förderprogramms für Rückkehrer.

Von Mareike Knoke

Der Braindrain, der Wegzug von Fachkräften ist an Universitäten und Forschungszentren immer noch ein Problem. (AP)
Der Braindrain, der Wegzug von Fachkräften ist an Universitäten und Forschungszentren immer noch ein Problem. (AP)
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Bessere Bezahlung, weniger Bürokratie: Das lockt deutsche Wissenschaftler in die USA und in den Rest der Welt. Die GSO hat die von ihr geförderten Forscher befragt: Viele empfinden die Forschungsbedingungen an deutschen Hochschulen eigentlich als "sehr gut" und wären gerne früher nach Deutschland zurückgekehrt. Wenn nur das Angebot stimmt. Der Chemiker Peter Strasser ist einer dieser Rückkehrer. Er arbeitete bis vor fünf Jahren an der US-University of Houston und hatte dort ein attraktives Bleibeangebot. Trotzdem ging er an die Technische Universität Berlin und erforscht dort den Einsatz von Wasserstoff als alternativen Kraftstoff.

"Also, es war auf der einen Seite die persönliche Vergütung, die deutlich unter der lag, die in Houston und auch in den USA üblich war. Aber es war auf der anderen Seite die Möglichkeit, bessere Forschung zu machen durch dieses großzügigere Angebot an technischen Mitarbeiterstellen. Und das war mir dann letztendlich wichtiger als das persönliche Gehalt."

Strasser ist einer von 52 Krupp-Professoren, die von der GSO gemeinsam mit der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung gefördert wurden. 100.000 Euro pro Professur hat die Stiftung zum Gehalt dazugegeben – für zusätzliche Mitarbeiterstellen oder für Geräte. Denn trotz der Exzellenzinitiative der Bundesregierung brauchen die deutschen Hochschulen weiterhin finanzielle Starthilfe, um mithalten zu können. Für zwei Drittel der Krupp-Professoren war die Förderung ein wichtiger Grund den Ruf auf einen Lehrstuhl anzunehmen.

"Die Mittel habe ich eingesetzt, um mir ein Spektrometer, ein wissenschaftliches Gerät, zu kaufen, was für meine Forschung essentiell ist. Und mit Hilfe dieses Geräts, sage ich mal, bin ich jetzt in der Lage, Dinge zu erforschen, die ich ohne diese GSO-Förderung nicht hätte machen können. Aber über die reine und bloße finanzielle Förderung hinaus empfand ich es auch als eine Wertschätzung meiner Person, mich wieder nach Deutschland zurückzuholen."

Die Umfrage der GSO hat jedoch auch ergeben, dass dieses Gefühl der Wertschätzung sich oft schnell verflüchtigt. Weil sich mehr Dienstleistung und weniger Bürokratie an vielen Hochschulen noch immer nicht durchgesetzt hat – bedauert GSO-Geschäftsführerin Sabine Jung.

"Schon die Phase des Ankommens ist ja eine Phase, wo sich Wertschätzung zeigen kann oder eben nicht. Und diese Phase des Ankommens hat sehr, sehr schlechte Noten erhalten in unserer Umfrage. Es gab wenig Unterstützung beim Rückkehrprozess selbst, es gab wenig Einarbeitungshilfen in den Universitätsalltag. Also, man konnte meistens nicht sofort mit der Forschung beginnen, weil ein zu großes Maß an administrativem Chaos herrschte."

Die Hochschulen, sagt Jung, seien froh über die GSO-Förderung. Viele würden sich aber offenbar nur wenig Gedanken darüber machen, wie man das exzellente Personal langfristig an sich bindet. Dazu gehört aus Sicht der befragten Professoren auch das Thema "Dual Career". In den USA ist es gang und gäbe, dem mitziehenden Partner ebenfalls eine Stelle an der Universität zu vermitteln. Sabine Jung sagt:

"Das Thema Dual Career ist in Deutschland natürlich auch angekommen, es gibt Hochschulen, die sich sehr intensiv um dieses Thema bemühen. Aber unsere Umfrage zeigt auch, dass das häufig als Angebot nur auf dem Papier existiert. Das haben einige der Wissenschaftler in ihren Antworten auch sehr negativ angemerkt: Dass die Zusagen nicht eingehalten wurden oder dass es letztlich nur eine Hülse war, hinter der letztlich kein konkretes Angebot steckte."

Ein weiterer Punkt, der einige der Krupp-Professuren beinahe vereitelt hätte: Die überlangen Berufungsverhandlungen in Deutschland. Die Literaturwissenschaftlerin Andrea Allerkamp, die 2011 nach gut 20 Jahren in Frankreich als Krupp-Professorin an die Viadrina in Frankfurt/Oder kam, berichtet:

"Man muss sich vorstellen, wenn ich von Länge rede, dass das ernst gemeint ist, das waren bei mir drei Jahre. Was für mich schwierig war, weil ich dann inzwischen eben schon noch eine andere Stelle angetreten hatte in Frankreich und gerade dabei war, mich da auch eine bisschen zu konsolidieren. Das heißt, ich hätte womöglich eine zweite Professur gar nicht mehr angetreten, wenn das Verfahren schneller gewesen wäre."

Die Unis müssen also aufpassen, dass sie ihre Krupp-Professoren nicht bald wieder an ein besseres Auslandsangebot verlieren. Die GSO indes möchte ihr Förderprogramm fortsetzen und sieht sich bereits nach weiteren finanziellen Unterstützern um.

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