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StartseiteUmwelt und VerbraucherWenn die Borkenkäfer wieder ausschwärmen16.04.2020

Folgen der TrockenheitWenn die Borkenkäfer wieder ausschwärmen

Nicht nur in sächsischen Wäldern fehlt es derzeit an Wasser. Forstwirte überwachen den Feind der Nadelbäume, den Borkenkäfer, mit Fallen, die mit Duftstoffen präpariert sind. Denn wenn in einem Jahr ein Baum befallen ist, können es im Jahr drauf schon 400 sein, fürchtet Sachsens Forstminister.

Von Bastian Brandau

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Larvennest von Borkenkäfern unter der Baumrinde (pictrue alliance / dpa / Keystone / Urs Flueeler)
Sieht aus "wie gedruckt": ein Larvennest von Borkenkäfern unter der Baumrinde. (pictrue alliance / dpa / Keystone / Urs Flueeler)
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"Was eben nach wie vor fehlt, ist das Wasser im Unterboden, dort, wo die meisten Bäume wurzeln in 1,50, 1,80 Meter Tiefe. Dort haben wir nach wie vor eine extreme Dürre."

Man muss kein studierter Forstwirt sein wie Utz Hempfling, um zu erkennen, dass es in sächsischen Wäldern derzeit an Wasser fehlt. Zwei Dürre- und Hitzejahre in Folge, da reiche es auch nicht, wenn es mal durchschnittlich viel regne, wie in den vergangenen Monaten, sagt der Landesforstpräsident des Freistaates Sachsen. Sachsen überwacht den Feind der Nadelbäume, den Borkenkäfer, mit Duftstoff-präparierten Fallen.

Fast monokulturelle Bedingungen im Wald

"Wir haben jetzt über Ostern die ersten warmen Tage gehabt. Ab 16,5 Grad beginnt der Käfer zu fliegen, das heißt, er verlässt seine Winterlager in der Bodenstreu oder in der dickeren Borkenschicht von Bäumen und beginnt dann zu fliegen. Wir haben hier die erste Entleerung, der Fallen vorgenommen. Das sind erste Käfer drin gewesen. Aber ein starker Schwärmflug ist noch nicht eingetreten. Das wird noch etwa gut eine Woche dauern.

Dann werde es entscheidend von der Witterung abhängen, wie gut der Käfer sich vermehren kann. Die befallen eigentlich abgestorbene Bäume. Gibt es aber einen weiteren trockenen und heißen Sommer, können Bäume keine Schutzschicht aus Harz bilden. Das wären dann nahezu ideale Voraussetzungen für die Käfer. Hinzu kommt die Struktur des Forstes.

"Sachsen ist ein Land, das eben sehr geprägt ist von Nadelholzreinbeständen. Die Fichte im Gebirge, und die Kiefer im Flachland. Die Fichte wurde aber weit über ihr natürliches Verbreitungsgebiet bis ins Hügelland hinein angebaut. Teilweise auf Standorten, auf denen sie nicht standortsgerecht ist."

19.08.2019, Oberursel (Hessen): Abgestorbene Fichten stehen im Wald nahe der Altenhöfe im Taunus. Durch die Dürre in diesem und dem vergangenen Sommer sowie den Borkenkäferbefall sind viele Fichten in Deutschland abgestorben. (Luftaufnahme mit einer Drohne) | Verwendung weltweit (Jan Eifert) (Jan Eifert)Borkenkäfer-Befall: Viel Arbeit und schlechte Geschäfte
Nach dem Dürresommer des vergangenen Jahres ist der Borkenkäfer in den Wäldern auf dem Vormarsch. Die befallenen Bäume müssen schnell gefällt werden. Viel Arbeit für Forstbetriebe, aber trotzdem alles andere als ein gutes Geschäft.

Was einst schnellen Wachstum und Gewinn versprach, rächt sich in Zeiten der Klimaerhitzung. 2,1 Millionen Kubikmeter Schadholz rechnet der Freistaat im vergangenen Jahr dem Borkenkäfer zu. Ein Schaden, der in diesem Jahr noch größer werden könnte. Minustemperaturen gab es kaum in diesem Winter, den so deutlich mehr Käferlarven überlebt haben dürften. Unter den fast monokulturellen Bedingungen wie im Tharandter Wald bei Dresden droht so auf Dauer der Befall großer Teile des Baumbestands.

Umstrukturierung des Waldes nötig

Denn wenn ein Jahr ein Baum befallen ist, können es im Jahr drauf schon 400 sein, sagt der sächsische Forstminister Wolfram Günther von den Grünen. Zehn Millionen Euro gibt sein Ministerium in diesem Jahr aus, um den Borkenkäfer zu bekämpfen.

"Die Idee ist, dass man eben auch tatsächlich mit großer Energie immer schnell handelt, wenn ein Baum befallen ist, weil einfach durch diese Vermehrungszyklen sich das sonst im größten Maß ausbreitet. Und wir müssen auch als Staat dafür Verständnis auch bitten, auch bei der Bevölkerung, weil regelmäßig auch Bäume dann aus dem Wald rausgeholt werden müssen, auch flächig, die auf den ersten Blick gesund aussehen. Aber genau das ist ja der Gedanke, dass man die rausholt, bevor sie abgestorben sind."

Doch langfristig helfe angesichts des Klimawandels gegen den Borkenkäfer nur eine Umstrukturierung des Waldes. Auch das will der Freistaat fördern. Sowohl in seinen eigenen Wäldern als auch in denen von Privatbesitzern.

"Denn das Ziel ist ja, dass dort, wo Wald ist, auch künftig weit sein soll. Und da brauchen wir einfach klimabeständige, naturnahe Mischwälder, die eben nicht so anfällig sind, weil sie eben vielfältigere sind, eben nicht auf einen Schadinsekt wie in diesem Fall und auch mit anderen Dingen ihren Trockenheit und sowas ganz anders auskommen."

Bis dahin werden Forstarbeiter vom Borkenkäfer befallene Bäume reihenweise nicht nur aus sächsischen Forsten ziehen. Der Wetterbericht unterdessen verspricht derzeit nichts Gutes für den Wald. Angekündigt sind zweistellige Temperaturen und trockenes Wetter.

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