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StartseiteCorsoTauschklub für selbst gemachte Lebensmittel20.12.2013

FoodXchangeTauschklub für selbst gemachte Lebensmittel

Ein privater Tauschklub für selbst gemachte und geerntete Lebensmittel trifft sich regelmäßig in Berlin. Mittlerweile hat er sich zu einer Plattform für leidenschaftliche Anhänger des Do-It-Yourself entwickelt und zum Geheimtipp für Menschen, die ungewöhnliche Genüsse suchen.

Von Monika Hebbinghaus

Ein Brötchen mit Marmelade (dpa / picture alliance / Arno Burgi)
Jeder bringt selbst Gemachtes mit und tauscht - das ist das Konzept. Zum Beispiel selbst gemachte Marmelade. (dpa / picture alliance / Arno Burgi)
Weiterführende Information

Tomate gegen Mispelchutney (DRadio Wissen, Spielraum, 19.09.2011)

Tausche Nektarine gegen Hühnerei (Deutschlandfunk, Corso, 08.09.2011)

Wer im Herbst fleißig geerntet und eingemacht hat, könnte jetzt durchaus vor einem Problem stehen: wohin mit all den guten Dingen?  Für dieses Problem gibt es in Berlin jetzt eine Lösung: den  FoodXchange. Ein privater Tauschklub für selbst gemachte und geerntete Lebensmittel. Mittlerweile hat sich die Tauschbörse zu einer Plattform für leidenschaftliche Anhänger des Do-it-yourself entwickelt und zum Geheimtipp für Menschen, die ungewöhnliche Genüsse suchen. Hier gibt es Produkte, die man nie im Laden kriegen würde - für kein Geld der Welt.

"Ihr habt Tauschkarten alle bekommen, da könnt ihr auf der rechten Seite eintragen, was ihr dabei habt und heute anbieten wollt zum Tauschen. Und auf der linken Seite könnt ihr dann - wenn ihr jetzt rumgeht und probiert und denkt, oh ja, das will ich tauschen, da gebe ich meinen, was weiß ich, Rote-Beete-Zimt-Likör dafür her - dann tragt ihr das hier ein als Angebot."

Initiatorin Pamela Dorsch erklärt noch mal schnell wie es geht, und schon beginnt der Tauschhandel. Ein gutes Dutzend Tauschwillige drängelt sich in einer Ecke der historischen Markthalle Neun in Kreuzberg um ein paar rohe Holztische, auf denen Einmachgläser, Beutel und Fläschchen stehen. Jetzt heißt es: die eigenen Waren anpreisen und die der anderen testen. Henning Borchers hat  Restprodukte aus seiner Ölmühle dabei.

"Das ist jetzt entölte Sonnenblumensaat. Ich habe dann die Reste gemahlen und das kann man dann nehmen, um es ins Mehl reinzurühren. Ich mache das zum Beispiel in Pfannkuchen bei zu Hause, oder bei Spätzle, einfach zehn bis 20 Prozent vom Mehl ersetzen, das gibt einen wunderbar nussigen Geschmack."

Teilnehmer haben experimentierfreudige Gaumen

"Was bietest du jetzt als Tauschmittel an?" - "Ich habe dahinten verschiedene Sachen, also einmal Knoblauch in Karamellessig." - "Wir werden uns einig mit der Birne, das war lecker." - "Okay, gut. Ja, das eine ist ein Birnen Aigre-Doux, das ist dann süß-sauer, kann man zu einer Käseplatte reichen."

In Essig und Zucker eingelegtes Gemüse auf französische Art ist die Spezialität von Hobbykoch Michael. Das Einmachen ist seine Leidenschaft - die leider nicht jeder in seinem Freundeskreis teilt.

"Die Leute wissen manchmal nicht, was sie damit machen sollen, und dann sieht man dann nach einem halben Jahr, dass sie’s immer noch unangerührt im Schrank stehen haben. Und dann denkt man sich auch, okay, warum habe ich es eigentlich verschenkt?"

Bei den Mitgliedern des FoodXchange hingegen kommen Michaels Produkte gut an, denn die Leute hier haben experimentierfreudige Gaumen. Ebenfalls im Angebot: Weihnachtskekse mit Lakritz oder selbst gemachtes Lavendel-Salz. Initiatorin Cathrin Brandes verfolgt mit ihrem Konzept auch politische Ziele.

"Die Idee ist natürlich schon, wegzukommen von den Lebensmitteln, die man einfach im Supermarkt kaufen kann und die uns von der Lebensmittelindustrie verkauft werden. Und ein Netzwerk zu gründen von Leuten, die ebenso begeistert sind von gutem Essen wie wir, eine Hinwendung zu einer besseren Esskultur, das sind alles Dinge, die da mit eine Rolle spielen. Und natürlich dieser Tauschgedanke, der hat so ein bisschen auch was Anarchisches, das ist eben weg von ‚Ich muss was kaufen’ und hin zu ‚Ich wertschätze die Dinge ganz anders.‘"

Außerdem: wer etwas selber macht, weiß genau, was drin ist. Wie passend, dass traditionelle Methoden der Haltbarmachung gerade wieder entdeckt werden. Wer ganz weit vorne sein will, der fermentiert.

"Wir hatten letztes Mal einen acht Jahre alten Sauerteig, das war natürlich toll. Dann gibt es immer wieder Kimchi, und ich werde, das verspreche ich, beim nächsten Mal Sauerkraut machen. Das sind einfach Dinge, mit denen man sich immer mehr auseinander setzt."

Kimchi - fermentierter Weißkohl auf koreanische Art  - wird in Berlins Foodie-Szene gerade immer beliebter. Eine der schönsten Methoden der Haltbarmachung sollte man dabei aber nicht vergessen: Alkohol. Uli Kohl hat Apfelstrudel-Likör gemacht.

"Alle Zutaten, die in einem bayerischen Apfelstrudel sind, sind hier in einer Schnapsflasche gewesen. Das andere ist Zitronen-Orangen-Chutney. Das ist für mich, für die Weihnachtszeit, überlebenswichtig. Weil, Schweinsbraten und Gänsebraten passen für mich nur mit so einem Chutney, das ist besser verdaulich."

Ganz schön anspruchsvoll, was die Mitglieder des FoodXchange da zum Tauschen auffahren. Mit einer schnöden Erdbeermarmelade sollte man hier also besser nicht ankommen.

"Das sind schon passionierte Hobbyköche hier, die auch tatsächlich sehr originelle Rezepte haben. Und ganz ehrlich: eine einfache, gute Erdbeermarmelade würde auch getauscht werden, so ist es nicht. Aber ja -  hier weiß man schon, was gut ist", sagt Cathrin Brandes.

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