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StartseiteForschung aktuellVersteckspiel für die Wissenschaft23.02.2018

Forschung mit HundenVersteckspiel für die Wissenschaft

Haben Hunde eine Vorstellung davon, was ein Mensch sieht? Dies würde bedeuten, dass sie über die Gabe verfügen, sich in die Perspektive ihres Gegenübers hineinzuversetzen. Forscher am Max-Planck-Institut wollten das genau wissen. Und warfen einen Ball - mit erstaunlichen Ergebnissen.

Von Lennart Pyritz

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Der Hund Bodi liegt auf dem Boden und späht unter ein Bett nach seinem Spielball in Christchurch, Neuseeland. (imago / Schwörer Pressefoto)
Welchen Ball holt der Hund? Am Max-Planck-Institut in Jena werden die geistigen Fähigkeiten von Hunden erforscht (imago / Schwörer Pressefoto)
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Ein gefliester Raum am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena: Arbeitsplatz von Juliane Bräuer. Hier erforscht die Biologin die geistigen Fähigkeiten von Hunden: deren Verständnis für Gesten und Logik, die kommunikativen Leistungen, das Kooperationsverhalten.

"Ich habe hier zwei Bälle. Die werde ich jetzt hier mal platzieren."

Aufsehenerregendes Experiment

Heute geht es um die Frage: Können sich Hunde in die Perspektive ihres Gegenübers hineinversetzen? Anders gesagt: Haben die Vierbeiner eine Vorstellung davon, was ein Mensch sieht? Schließlich sollten Jahrtausende der Domestizierung die Kommunikation und Kooperation mit dem Menschen gefördert haben. Als Antwort stellt Juliane Bräuer mit ihrer Border Collie-Hündin Nana ein Experiment nach, das vor einigen Jahren publiziert wurde - und Aufsehen erregte.

"Die Bälle werden hinter zwei Barrieren platziert. Die eine Barriere ist durchsichtig, die andere Barriere ist undurchsichtig. Der Hund sitzt nun auf der einen Seite von den beiden Barrieren, und zwar so, dass er beide Bälle sehen kann."

Juliane Bräuer setzt sich einige Meter entfernt auf der anderen Seite der Barrieren auf den Boden. Diese sind etwa einen halben Meter hoch. Aus ihrer Position kann die Biologin also nur den Ball hinter der durchsichtigen Stellwand sehen. Um Nana nicht mit Blicken einen Hinweis zu geben, schaut sie starr an die gegenüberliegende Wand.

"Und jetzt sage ich zu dem Hund: Bring's her!

Border Collie Nana irrlichtert etwas umher. Dann schnappt sie sich einen Ball.

"Und der Hund ist jetzt zwar erst mal falsch gegangen. Aber den Ball, den er mir bringt, das ist genau der Ball hinter der durchsichtigen Barriere. Und das macht auch Sinn. Weil das ist der Ball, den ich wahrscheinlich meine, weil das der Ball ist, den ich sehen kann."

Testergebnisse sind kein Zufall

Dass Nana den Ball bringt, den auch Juliane Bräuer sieht, ist kein Zufall. Fast 20 Hunde haben die Biologin und ihre Kollegen jeweils mehrfach auf diese Weise getestet, und statistisch gesehen lagen die Tiere deutlich öfter richtig als falsch. Um auszuschließen, dass die Hunde die durchsichtige Barriere einfach interessanter finden, variierten die Verhaltensforscher außerdem die Versuchsbedingungen.

"In der einen Kontrollbedingung bin ich auf derselben Seite wie der Hund. Das heißt, ich sehe jetzt beide Bälle gleichermaßen. Und siehe da: Der Hund hat keine Präferenz mehr. Und auch wenn ich auf der anderen Seite sitze und mich umdrehe - also keinen der Bälle sehe - dann hat der Hund auch keine Präferenz mehr."

Ich stehle, was du nicht siehst

Ob Hunde sich tatsächlich in die Perspektive des Menschen hineinversetzen, ist unklar. Sie könnten die durchsichtige Barriere im Ausgangsversuch auch aus einem anderen Grund bevorzugen: weil sie dort beim Holen des Balls die Augen des Menschen im Blick behalten können. Dass sie ein Gespür dafür haben, was Menschen sehen und was nicht, legen aber auch andere Studien nahe.

"Da haben wir einen Versuch mit verbotenem Futter gemacht, zum Beispiel, wo es darum ging: Wann übertritt der Hund das Verbot? Und er übertritt das Verbot eben genau dann, wenn der Mensch nicht hinguckt."

Eine weitere Studie zum Thema trägt den Titel: "Dogs steal in the dark". Hunde stehlen verbotenes Futter bevorzugt, wenn es vollkommen dunkel ist. Im Verlauf der Studie wurden dann entweder nur der Versuchsleiter oder nur das Futter von einer Lampe angestrahlt. Im letzteren Fall zögerten die Hunde besonders lange. Mögliches Fazit aus tierischer Sicht: Ein Mensch stört nur dann beim Futterklau, wenn er mich dabei sieht.

Programmtipp
Mehr über die geistigen Fähigkeiten der Vierbeiner hören Sie am kommenden Sonntag ab 16:30 Uhr in "Wissenschaft im Brennpunkt". Titel der Sendung: "Einfach nur wau?! Über das Hirn der Hunde und uns"

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