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StartseiteCampus & KarriereSinkende Publikationskosten und kostenfreies Lesen22.08.2019

Forschungsliteratur-DEALSinkende Publikationskosten und kostenfreies Lesen

Große naturwissenschaftliche Verlage lebten lange gut von Fachzeitschriften. Sie erhielten doppelt Geld, sowohl von Autorinnen und Autoren als auch durch die Abos. Wissenschaftsorganisationen haben sich zusammengetan und erfolgreich mit zwei der drei großen Verlage verhandelt. Das DEAL-Projekt spart Geld.

Von Claudia van Laak

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Bibliothek der Ruhr-Universität in Bochum (dpa / picture alliance / Bernd Thissen)
Bibliotheken müssen viele Fachzeitschriften abonnieren. In Zukunft werden die allermeisten Veröffentlichungen kostenfrei zugänglich sein. (dpa / picture alliance / Bernd Thissen)
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Superlativen und Emotionen – beides verbindet man nicht unbedingt mit Vertretern von Wissenschaftsinstitutionen. Heute Vormittag war es anders – in der Berliner Niederlassung der Hochschulrektorenkonferenz glänzten die Augen, es fielen Begriffe wie: brillant, einzigartig, ein großer Tag für die Wissenschaft, ein Durchbruch für Open Access.

Ein guter Tag, sagt Horst Hippler. Der frühere Präsident der Hochschulrektorenkonferenz hat die am Vormittag unterschriebene Vereinbarung mit dem Wissenschaftsverlag Springer Nature verhandelt.

"Natürlich ist das ein guter Tag, drei Jahre darauf hingearbeitet auf einen solchen guten Tag."

Projekt DEAL

700 Wissenschaftsorganisationen und Hochschulen haben sich zum sogenannten Projekt "Deal" zusammengeschlossen. Mit den drei großen Wissenschaftsverlagen Wiley, Springer Nature und Elsevier wollten sie Verträge schließen. Das Ziel: Die Ausgaben für die Publikationen senken und die Veröffentlichungen weltweit kostenfrei zugänglich machen. Im Januar wurde ein Vertrag mit dem Verlag Wiley geschlossen, jetzt ist die Vereinbarung mit Springer Nature unter Dach und Fach, ein Vertrag folgt im Laufe des Jahres. Ein Paradigmenwechsel sei das, ist Hippler überzeugt.

"In der Vergangenheit hat man bezahlt für´s Lesen, um daraus publizieren zu können, mit der Entwicklung des Internets hat sich das verändert, und durch die öffentliche Förderung der Wissenschaft ist es eigentlich die Pflicht jedes Wissenschaftlers, zu veröffentlichen, um dann gelesen werden zu können. Und um gelesen werden zu können, muss man die Publikationen offen darstellen, dass jeder Zugang hat, ohne dafür noch einmal bezahlen zu können."

Was sieht die Vereinbarung vor? Wie bei dem zuvor mit dem Verlag Wiley geschlossenen Vertrag zahlen Wissenschaftler künftig pro Artikel in einem der naturwissenschaftlichen Journale von Springer Nature 2750 Euro. Im Gegenzug werden die allermeisten Veröffentlichungen kostenfrei zugänglich sein. Daniel Ropers, Geschäftsführer von Springer Nature:

"Für uns bedeutet dieser Deal, dass wir auch in Deutschland künftig eine sehr gute Position halten, die Attraktivität unseres Portfolios für die Wissenschaftler weit gesteigert wird und wir viel mehr Wert unseren Partnern in der deutschen Wissenschaft und sogar der weltweiten Wissenschaft anbieten können und darüber freuen wir uns sehr."

Verlag öffnet Archive und hofft auf Imagegewinn

Von der Vereinbarung werden sowohl Wissenschaft als auch Nutzer profitieren. Das Copyright bleibt bei den Autorinnen und Autoren der Aufsätze. Springer Nature hat sich bereiterklärt, die Archive von insgesamt 2500 Zeitschriften rückwirkend bis in das Jahr 1997 freizuschalten. Der Verlag erhofft sich dadurch auch einen Imagegewinn und in der Folge einen Zulauf von renommierten Autorinnen und Autoren. Geschäftsführer Ropers:

"Natürlich spielen die Zahlen eine Rolle. Wir sind eine Firma. Wir glauben, weiteres Wachstum erzielen zu können, weil die Attraktivität gesteigert wird, weil unser Titelsortiment, das größte der Welt, im Open Access reibungslos erreichbar ist, und wir freuen uns über diesen gemeinsamen Erfolg mit dem Projekt DEAL und den 700 Institutionen in Deutschland."

Druck auf Elsevier Verlag steigt

Mit zwei geschlossenen Vereinbarungen wächst der Druck auf den dritten Verhandlungspartner, den Verlag Elsevier. Die Verhandlungen sind schwieriger als mit Wiley und Spinger Nature, weiß Horst Hippler, verantwortlich für DEAL.

"Das ist auch ein großer internationaler Konzern, und Deutschland ist nur ein kleiner Brocken davon, also nicht wirklich groß. Die Qualität schon, aber die Finanzsumme, die aus Deutschland zu Elsevier fließt, ist nicht so wahnsinnig riesig im Vergleich zum Gesamtbetrag, den Elsevier verdient, insofern sind die Kosten das eine, das andere der Paradigmenwechsel, der sehr viel schwieriger ist."

Der Vertrag mit Springer Nature soll Anfang nächsten Jahres in Kraft treten. Er ist nach Angaben des Verlags die weltweit umfangreichste Open-Access-Vereinbarung.

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