Sonntag, 15.09.2019
 
Seit 16:10 Uhr Büchermarkt
StartseiteAus Kultur- und SozialwissenschaftenAfrikastudien an der Universität Bayreuth25.08.2016

Forschungsschwerpunkt Afrikastudien an der Universität Bayreuth

Sie ist inzwischen eine der bedeutendsten Anlaufstellen für Afrikastudien in Europa: die Universität in Bayreuth. In enger Kooperation mit afrikanischen Universitäten bündeln Wissenschaftler zwölf verschiedener Fächergruppen ihr Wissen und suchen Antworten auf Fragen wie zum Beispiel: Wie lebt die neu entstehende Mittelschicht in Afrika?

Von Eva-Maria Götz

(Deutschlandradio / Leonie March)
Max Mqadi, Besitzer der Bar "Max's Lifestyle" - Treffpunkt der Mittelklasse in Umlazi, einem der größten Townships Südafrikas. (Deutschlandradio / Leonie March)

Wird sie endlich der Garant für Stabilität und Demokratie? Wo verortet sich Afrikas Jugend? Sind die Angehörigen der neuen Generation nicht längst Weltbürger des Internet-Zeitalters wie alle anderen Jugendlichen auch? 

Es geht um nichts weniger als Afrikas Zukunft in dem interdisziplinären Forschungsprojekt "Bayreuth Academy of Advanced African Studies", das dabei auch die - oft nicht realisierten - Zukunftsideen vergangener Generationen im Blick hat. 


"Und dann gibt es in den Hügeln auch das Grab eines früheren Königs des Ndebele-Reiches, Mzilikazi, und es wird vermutet, dass in den Hügeln auch das Grab eines der Propheten der Schona liegt. Denn vor der Eroberung durch die Briten lebten dort zwei Völker friedlich miteinander, das Ndebele-Volk, die eine Untergruppe der Zulus und bereits auf der Flucht vor den weißen Siedlern im Süden waren. Im Norden lebten aber schon die Kalenga, die sie zunächst bekämpften, aber mit denen sie dann in Frieden lebten. Dann kam Cecil Rhodes und zerstörte diese Gruppen."

Mtatas Interesse gilt der Geschichte rund um die Entstehung und Entwicklung des Matobo Parks, der seit 2003 zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört. Doch was hat das zu tun mit Afrikas Zukunft, die ja der Kern der Bayreuther Forschungsarbeit ist?

"Es gab Zukünfte, die dadurch vorgegeben wurden, dass Cecil Rhodes ihnen seinen letzten Willen eingeschrieben hat und entschieden hat, sich an diesem Ort begraben zu lassen, und genau hier wurde später von der rhodesischen Regierung ein Nationalpark etabliert. Damit haben sie ganz klar eine Zukunft für diesen Ort vorgegeben und andere Zukünfte wurden unterdrückt, ihnen wurde keine Möglichkeit gegeben, Wirklichkeit zu werden."

Afrikas Zukunft ist umkämpft: Seitdem im 18. und 19. Jahrhundert in Europa Entscheidungen getroffen wurden, wie man diesen Kontinent unter sich aufteilt, ging es immer um die Kontrolle der Zukunft Afrikas.

"Europa hat sich seit langem Gedanken über die Zukunft Afrikas gemacht", erläutert Achim von Oppen, Professor für afrikanische Geschichte an der Uni Bayreuth und Leiter der Bayreuth Academy, "und seine Projektionen der Zukunft Afrikas auch immer wieder auf Afrika projiziert. Ob das nun Entwicklung oder Zivilisation oder Fortschritt oder wie auch immer hieß. Während wir eben glauben, dass das Bild doch sehr viel differenzierter und auch anders wirkt, wenn man aus der Perspektive Afrikas selber schaut."

Der Bayreuther Ansatz ist: Zeigen, dass es in Afrika und in der afrikanischen Diaspora selbst eine Vielzahl unterschiedlicher Zukunftsvorstellungen gibt, die sich aus den vielfältigen historischen Kontexten ergeben.

Dafür hat die Akademie fünf interdisziplinäre Teilbereiche eingerichtet. Der Begriff "Zukunft" , der darin untersucht wird, meint allerdings weit mehr als die Zeitspanne, die vor uns liegt in linearem Sinne.

"Zukunft klingt für uns in Europa eindeutig, Zukunft ist etwas Großartiges, in neuer Zeit denken wir auch manchmal etwas Schreckliches vielleicht, was jenseits des Heute liegt. Aber diese Vorstellung ist eng und wenn wir diese europäische Perspektive relativieren wollen, dann müssen wir darauf schauen, dass Zukunft grundsätzlicher gesprochen eine Form ist, sich in der Zeit zu verorten. Das heißt, Vorstellungen von Zukunft enthalten immer auch Vorstellungen von Vergangenheit, immer etwas, von dem man wegwill, aber vielleicht auch, was man wieder herstellen möchte."

In welchen konkreten Zusammenhängen kommt es zur Ausprägung welcher Vorstellungen des Kommenden? Wie hatten sich Menschen in Afrika eigentlich selbst ihre Zukunft vorgestellt, unabhängig von Zukunftsmodellen, die andere aus welchen Gründen auch immer für sie entwickelt haben? Und was kann man heute aus diesen Konzepten lernen? Kupakwashe Mtata:

"Ich sehe mir die Ideen von Natur an. Der Idee, einen Nationalpark zu errichten, liegt ja eine Idee von Natur zugrunde. Bevor die rhodesischen Siedler ankamen, gab es dort ja schon Landwirtschaft, und die rhodesischen Siedler bezeichneten diese dann als primitiv und unzivilisiert.

Als nach der Unabhängigkeit die Afrikaner wieder die Kontrolle über Zimbabwe übernahmen, "adoptierten" sie diese moderne Art von Landwirtschaft der Siedler. Die vormalige Art, der Natur einen Raum zu geben, mit ihr umzugehen, hatte also niemals wirklich eine Chance sich durchzusetzen. Sie wurde niemals genauer geprüft und als Alternative in Betracht gezogen.

Ich sehe mir also alle Arten von Naturbegriffen an, und versuche, sie sinnvoll miteinander zu verknüpfen in einer Art Parlament der Ideen."

Kann man in einem Nationalpark wirklich "Natur" erhalten? Ist es nicht eher eine Art Zoo, ein Kulturland, in dem einige Wenige die europäische Vorstellung von Afrika konservieren ohne Rücksicht auf die Interessen und Kompetenzen der Landbevölkerung?

"Dabei gäbe es vieles, was die Bevölkerung einbringen und von dem sie profitieren könnte. Aber nicht nur sie könnte profitieren, sie hätten der Welt auch etwas zu geben. Da gibt es kulturelle Aspekte, die sehr interessant sind, in den Matobo Hills, die für die Welt von Bedeutung sein könnten. Nicht nur, wie man mit dem Land umgeht, auch die Architektur, die traditionelle Art, beispielsweise Kleidung herzustellen, Musik zu machen, das könnte interessant sein auch mal nach außen zu kommunizieren.

Und etwas, was ich sehe, ist, dass es trotz aller Konflikte Möglichkeiten gibt, zusammenzuarbeiten und friedlich zu kooperieren."

Mitten in Bayreuth, unmittelbar neben dem barocken Markgräflichen Opernhaus, steht das Iwalewa-Haus. Der Name kommt aus dem nigerianischen Yurba:

"Und steht für: Charakter ist Schönheit."

Der Name ist Programm. Das Iwalewa-Haus ist nicht nur ein Museum mit einer inzwischen bedeutenden eigenen Sammlung afrikanischer, zeitgenössischer Kunst, hier werden auch öffentliche Vorträge gehalten, Konferenzen durchgeführt.

"Und gleichzeitig haben wir irre tolle Partys zum Beispiel."

Im Iwalewa-Haus kann die Bayreuther Bevölkerung Afrika begegnen. Und an das Iwalewa-Haus lädt die Universität Bayreuth Künstler als Artists in Residence, die wiederum den Austausch mit den Wissenschaftlern vor Ort schätzen.

Gemeinsam erstellten Künstler und Forschung im Jahr 2015 die Ausstellung "Visions in time", in der jeweils ein Tandem aus Kunst und Wissenschaft eine eigene Zukunftsvorstellung entwickelte und optisch umsetzte.

Zur Zeit läuft hier die Ausstellung "Times fall apart," an den Wänden und in den Räumen sind die Werke afrikanischer Künstler zu sehen, die sich mit sozialistischen Revolutionen in Afrika und deren Folgen für die Bevölkerung auseinandersetzen. Im ersten Stock treffe ich den heutigen Leiter Ulf Vierke und frage ihn:

"Hier im ersten Raum sieht man zum Beispiel drei Fotos, ein Triptychon, ein Wrack von einem Schiff, Karl Marx, Luanda, steht darauf . Was hat es damit auf sich?"

Vierke: "Das ist eine Arbeit von Kiluantsch Kiahenda, einem jungen angolanischen Fotographen, der aus dieser Generation kommt, die wirklich komplett im Krieg aufgewachsen sind, Angola hatte ja dreißig Jahre Krieg."

"Die 'Karl Marx' ist an einem afrikanischen Strand gestrandet."

Vierke: "Das ist sehr sinnbildlich für die Situation in Angola, Angola ist ja sehr eng verbandelt gewesen mit der Sowjetunion, und die jetzige Regierung ist die Regierung, die MPA, die sich im Unabhängigkeitskrieg und nachher im Bürgerkrieg dann durchgesetzt hat, und das ist ein sehr starkes Symbol für ganz viele Utopien, die einmal da waren, die auf Sand gesetzt sind und jetzt wie die Karl Marx, dieses rostige Schiffwrack, in der Gegenwart noch sichtbar sind, aber nicht wirklich das Leben bestimmen."

Ulf Vierke ist ebenfalls Akademiemitglied und forscht im Teilbereich mit dem Namen "Revolution 3.0." In Umbruchzeiten , so die These dieses Bereichs, verdichten sich Zukunftsvorstellungen. Akademieleiter Achim von Oppen:

"Modelle von Zukunft wie zum Beispiel Modelle von Vorstellungen eines zukünftigen unabhängigen States müssen immer auch als 'wandernde' Modelle gesehen werden. Also weniger im Kontext der ehemaligen Kolonialmächte- die haben zum Teil auch eine Rolle gespielt, aber daneben gab es eben den Kalten Krieg und die Konkurrenz der Systeme und so sind dann amerikanische und sowjetische Modelle im munteren Wechselspiel und zum Teil in wiederum verblüffenden Kombinationen übertragen worden auf Gesellschaft, Staat, Wirtschaft."

Im Teilbereich Revolution 3.0. stehen das Bild und seine Ästhetik stehen im Mittelpunkt. Und so wurde an der Bayreuth Academy das Icon lab eingerichtet, ein Raum, in dem Bilder sprechen lernen. Kulturwissenschaftlerin Katharina Fink:

"Wir bitten Leute, mit denen wir arbeiten, fünf Bilder mitzubringen, die von Revolution sprechen, das ist bewusst offen formuliert, um eine Offenheit für die Partner und Partnerinnen zu erhalten und kein vorbestimmtes Bild zugeben, was wir unter afrikanischer Revolution verstehen. Dann bringen die Leute diese Bilder mit und was wir tun, ist nur anhand dieser Bilder mit denen arbeiten. Wir haben nur diese Bilder vor uns, und stellen Fragen an diese Bilder und an die Beziehung zu diesem Bild, was ist das Revolutionäre an diesem Bild? Wie lange leben sie schon mit diesem Bild?"

Welche Bilder die Menschen, die das Icon Lab im Bayreuther Akademiegebäude unterhalb des Festspielhügels betreten, mitbringen, steht ihnen völlig frei.

"Zum Beispiel erinnere ich in meinem Bildgedächtnis eine Session mit einer Bildenden Künstlerin, die die Abbildung eines Kunstwerkes mitbrachte, das mit Blut gemalt war, mit Menstruationsblut, eine Arbeit von Zanele Muholi, und sie sagte, das ist ein Bild, das ist für sie revolutionär, weil das sehr, sehr viele Dinge zusammenpackt, die mit Befreiung zu tun haben, mit Gewalt gegen Frauen, Selbstbestimmung über Schwangerschaft, Familienplanung, mit der Akzeptanz von gleichgeschlechtlicher Liebe, also das war für sie alles in diesem Bild verpackt und drin."

Jim Chuchu, Mitglied der kenianischen Band Just a Band brachte fünf Abbildungen von Icons aus der Internet Kultur mit zum Gespräch,

"Farbige Icons auf einem schwarzen Hintergrund, das waren YouTube, Fruity Loops und ähnliche Software-Icons, die für ihn die Revolution und die Befreiung der Kunst darstellten, weil man somit als Künstler die Produktionsmittel besitzt, und den eigenen Zugang auf einen Weltmarkt schaffen konnte, der vorher nicht möglich war."

Das Icon Lab gibt es nicht nur konkret und räumlich in Bayreuth, es ist zeitgleich auch ein Raum im Internet, hier soll zukünftig eine eigenes Bildarchiv aufgebaut werden. Denn die digitale Welt ist ein Ort, in dem Länder-, und Kontinentalgrenzen und Zeitbegriffe verschmelzen.

"Ganz deutlich ist es, dass Bildung absolut zentral ist," sagt Erdmute Alber, Professorin für Sozialanthropologie und stellvertretende Akademieleiterin.

"Mittelschichten sind gebildet und haben vor allem hohe Bildungserwartungen zum Teil in sich selbst, aber vor allem in ihre Kinder."

Mit der Entwicklung des afrikanischen Mittelstandes, die in den letzten Jahren rasant an Fahrt zugenommen hat, beschäftigt sich ein weiterer Teilforschungsbereich.

"Menschen, die während der Kolonialzeit die frühen formalen Eliten waren, indem sie eben auf die frühen kolonialen Grundschulen gegangen sind, dann in den Mutterländern der Kolonien Weiterbildung erlangt haben, auf Universitäten gegangen sind, die waren die Träger der Unabhängigkeitsbewegungen, und die waren auch die frühen Eliten der unabhängig gewordenen Staaten."

Neu ist das Phänomen des höheren Lebensstandards Einzelner nicht, neu ist, dass mittlerweile nicht mehr von einzelnen Eliten, sondern von einer Schicht gesprochen wird. Laut einer Veröffentlichung der African Development Bank von 2011 betrifft das 30 Prozent der Gesamtbevölkerung, sie haben ein Einkommen von circa zwei bis 20 Dollar pro Tag zur Verfügung und werden damit für die Wirtschaft interessant.

"Wir setzen uns mit dieser Definition und dieser Vorstellung von Mittelschicht kritisch auseinander. Erstens sagen wir, dass man Mittelschicht nicht nur über Einkommen definieren kann. Wir würden sagen, dass es nicht nur auf Einkommen und Konsum ankommt, sondern auch auf das, was manche Leute aspirations nennen, also die Zukunftsvisionen und die Vorstellung über Lebensstil."

Ein der vorschnellen, euro-zentristischen Vorstellungen geschuldeter Irrtum wäre nun allerdings zu glauben, diese Mittelschicht würde ein eigenes Klassenbewusstsein entwickeln und eine solchermaßen bürgerliche Kaste würde dann politischen Einfluss nehmen, möglichst in Richtung stabile Demokratie nach westlichem Vorbild.

"Und wir stellen eigentlich fest, dass es kein Mittelschichtsbewusstsein generell gibt, sondern dass die Mittelschichten inzwischen enorm differenziert sind. Und dass ist diese einfache Formel: Mittelschicht gleich Träger von Demokratisierungsbewegungen so nicht stimmt."

"Die Idee war eben, dass mit der Industrialisierung und der Urbanisierung auch diese formalen und administrativen Systeme wachsen und sich damit auch der männliche Arbeitnehmer frei machen kann von diesen ganzen familiären Verpflichtungen."

Auf die Suche nach den Zukunftsvorstellungen der neuen Mittelschicht machte sich Post-Doktorantin Lena Kroeker in Kisumu, der drittgrößten kenianischen Stadt, am Viktoria-See gelegen. Sie fragte danach, ob das größere, regelmäßigere, verlässlichere Einkommen das Sozialverhalten der Einzelnen verändere, ob die Menschen beispielsweise weniger Geld in den Unterhalt ihrer Familie investieren würden, dafür aber mehr in staatliche Renten- und Versorgungssysteme.

"Das stimmt in dem Kontext, den ich erforscht habe, gar nicht: Man kann sich nicht frei machen von diesen Verpflichtungen. Und es ist auch gar nicht der Wunsch, sich frei zumachen, sondern es ist das, was als 'African responsibility', sagten mir die Leute im Interview, wahrgenommen wird, als Verpflichtung wahrgenommen wird und nicht so sehr als Bürde, sondern tatsächlich als Fürsorge für die Familienmitglieder. Wer eben den Aufstieg geschafft hat, der muss trotzdem das, was er hat, teilen, und das ist auch ein Ziel, was kleinen Kindern sofort antrainiert wird, das 'caring is sharing'."

Ein Großteil dessen, was ein Arbeitnehmer oder eine Arbeitnehmerin verdient, landet nicht in Krankenkassen, Sozialversicherungen oder auf dem eigenen Konto oder wird zur Steigerung des eigenen Lebensstandards verwendet . Trotzdem- eine sinnvolle Investition in die Zukunft, denn auf Netzwerke, auf familiäre und nachbarschaftliche Beziehungen, ist Verlass.

"Von denjenigen Leuten, die ich in der Mittelschicht interviewt habe, bezahlen auch weiterhin sehr sehr viel an ihre armen Verwandten in der Hinsicht, dass auch diese Sicherheit, die sie momentan haben als Mittelschichtler, dass die nicht unendlich ist, das kann auch ganz leicht wieder zerbrechen, also man kann auch sehr leicht wieder in eine Armut abrutschen."

Doch das geschieht nicht nur aus pragmatischen Überlegungen, es ist vielmehr ein durchaus selbstbewusstes Selbstverständnis der eigenen Art, miteinander umzugehen.

""We are modern the african way", also es geht gar nicht darum, so ein westliches Modell auch zu kopieren, sondern tatsächlich etwas Eigenes zu entwickeln, oder die eigenen Charakteristika auch mitzunehmen und auch mitzutragen, auch wenn man vielleicht westlichere Kleidung trägt.

"Afrika ist ein sehr dynamischer Kontinent, in dem viele Entwicklungen schneller und dynamischer ablaufen als anderswo, und ich fürchte so ein bisschen, dass es einerseits weiter viele Konflikte geben wird, andererseits sehr viele Menschen, die den Absprung aus der Armut schaffen, und zugleich aber an Werten und an Lebensweisen festhalten, und dabei zu neuen Mischungen kommen und das finde ich eigentlich das Interessante in Afrika."

Dass Afrika ein vitaler Kontinent ist, in dem man weder die Probleme noch die positiven Entwicklungen verallgemeinern oder über einen Kamm scheren darf, ist eine Erkenntnis, die alle Wissenschaftler der Bayreuth Academy, betonen. Und auch: Dass die Grenzen von Zeit und Raum fließend sind, und dass auch Menschen, die aus welchem historischen Zusammenhängen auch immer ihren Kontinent verlassen haben, die Zukunft Afrikas mitbestimmt und geprägt haben und das bis heute tun. Die African Diaspora ist eine lebendige, kreative Gemeinschaft , der Zukunftsort, an dem sie sich grade neu verbindet, ist der digitale Raum.

"Das sind mehr als Webseiten", sagt die Germanistin und Literaturwissenschaftler Peggy Piesche. "Sie werden oft als Webseiten wahrgenommen, ach so, hier haben wir wieder einen Auftritt und da haben wir einen Auftritt. Aber es sind eigentlich Netzwerkräume, in denen ganz viele andere Sachen stattfinden. Also Ideen reichen da von digitalen Museen aufzubauen, bis hin zu Galerien, beziehungsweise hin zu Kulturräumen, in denen Dokumentationen oder Kurzfilme gezeigt werden können. In diesen Räumen formieren sich neue kollektive Identitäten, die unheimlich spannend sind, die auch alte kollektive Identitäten herausfordern, und sie auch in Frage stellen, hier spreche ich von einer 'digital diaspora', die grade am Entstehen ist."

Sich mit der Zukunft Afrikas zu beschäftigen heißt, den eigenen europäisch oder westlich geprägten Blickwinkel zu verändern, vielleicht auch mit mehr Gelassenheit auf Veränderungen zu schauen:

"Was einige Ergebnisse meiner Arbeit sind, ist, dass wir gut beraten wären, diese künstlerisch kreativen Produktionen uns anzuschauen, die uns dabei helfen, die Herausforderungen nicht nur der Zukunft in einer positiveren Art anzugehen.

Denn genau diese Konzepte von Migration, von nationalen Identitäten, das ist im Prinzip ein Konzept von gestern. Wir wissen es nur noch nicht. Wir haben hier neue Generationen, die das bereits ganz anders leben."

 

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk