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Passauer Lokal-TV Redakteurin schreibt sich für acht Wochen zum Filmkurs in Hollywood ein

Ein Beitrag von Yves Didier

Dass in den Straßen von Hollywood auch an diesem eher kühlen Wintertag ein Film gedreht wird, ist absolut nichts außergewöhnliches. Zumindest nicht für die vielen Autofahrer, die gelangweilt am Set vorbeifahren. Für Tanja Wilking sieht die Sache allerdings ganz anders aus: Denn für die 32-jährige, die in Deutschland als Redakteurin beim Passauer Lokalfernsehen arbeitet, ist dieser Dreh ihr erster Abstecher in die Welt des internationalen Filmgeschäfts. Bei einem zwei Monate langen Intensiv-Lehrgang auf dem Gelände der Universal Studios lernt sie, wie in Los Angeles Filme gemacht werden. Und obwohl es ähnliche Kurse auch in Europa gibt, war für die Deutsche klar: Entweder in Hollywood oder gar nicht:

Der Grund ist meine Vorliebe zu Hitchcock. Ich bedauere es sehr, dass ich nie die Möglichkeit hatte, als Hitchcock gelebt hat, mich fürs Filmemachen zu interessieren.

Vorher der Hollywood-Reise musste Tanja Wilking allerdings tief in die Tasche greifen: Die angebotenen Kurse kosten je nach Länge zwischen 2000 und 20.000 Dollar. Kein Problem natürlich für Promi-Schüler wie Steven Spielbergs Sohn Max oder Pierce Brosnans Sohn Chris - aber sehr wohl für viele andere Menschen. Besonders wenn noch Kosten für Flug, Unterbringung und Mietwagen dazu kommen.

Unterrichtet werden die Teilnehmer von etablierten Hollywood-Profis, die auch bei der Produktion der Kurzfilme, die jeder Student abdrehen muss, mit Rat und Tat zur Seite stehen. Alle Teilnehmer müssen in diesen Wochen abwechselnd Drehbücher schreiben, Regie führen, filmen und das Material anschließend selbst schneiden. Und manchmal, wie Tanja Wilking erleben musste, auch spontan schauspielern.

Ein normaler Schultag dauert bis zu zwölf Stunden, und geackert wird an sechs Tagen pro Woche. Motto: "Learning by doing" - von Anfang an steht die Praxis im Vordergrund. Und da längst nicht alle Studenten vorher schon mal Erfahrungen als Filmemacher gesammelt haben, zeigt sich das natürlich auch an den ersten Ergebnissen:

Der erste Film war ziemlich unterbelichtet bei allen, aber jeder hat so seinen Weg, wie er seine Filme macht, und da sind ganz tolle Talente dabei, was man gar nicht glauben würde am Anfang. Der eine ist Chiropraktiker, der andere Schuldirektor, also alles ganz unterschiedliche Leute.

So unterschiedlich wie die Studenten sind übrigens auch deren Erwartungen an den zweimonatigen Kurs. Alan Fiterman unterrichtet seit einem Jahr Kameraführung und Beleuchtung in LA, und der Brasilianer bemerkt immer wieder, dass manche Teilnehmer überzogene Hoffnungen haben:

Einige der Leute, die den sechs Wochen oder acht Wochen-Lehrgang buchen, denken, dass sie anschließend perfekte Filmemacher sind. Das ist natürlich unrealistisch. Wir erweitern ihren Horizont, und ich weiß, dass sie am Ende Erfolg haben werden - aber sie müssen natürlich noch viel mehr dazulernen. Sechs Wochen reichen einfach nicht. Das empfindet Tanja Wilking inzwischen ganz ähnlich - sie denkt nicht gerne an den nahenden Abschied. Aber von Bedauern trotzdem keine Spur - zumindest nicht mit Blick auf die zurückliegenden Wochen:

Ich hab die letzten zehn Jahre noch nie so etwas gemacht, was so herausfordernd ist. Der Tagesablauf ist immer noch pretty tight, aber alles was ich beigebracht bekommen habe in die letzten Wochen, das kann ich so viel umsetzen. Ich kann also wirklich Filme machen mit ein bisschen mehr Wissen und Engagement, was so der Hintergrund ist. Also...ganz toll.

Kontakt:

New York Film Academy 100 East 17th St. New York, NY 10003 Tel.: 212.674.4300

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