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StartseiteForschung aktuellYilingia - Vorfahre unserer Ahnen?05.09.2019

FossilienfundYilingia - Vorfahre unserer Ahnen?

Es lebte vor 550 Millionen Jahren, war segmentiert und konnte sich fortbewegen - damit ist Yilingia das älteste bekannte Tier, dass diese zwei Eigenschaften vereinte. Der Fossilienfund aus Südchina könnte der Ururahne der heutigen Tierwelt sein.

Von Dagmar Röhrlich

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Künstlerische Rekonstruktion des Yilingia spiciformis worm (AFP PHOTO/ VIRGINIA TECH/ SHUHAI XIAO/ ZHE CHEN)
Rekonstruktion des Yilingia spiciformis (AFP PHOTO/ VIRGINIA TECH/ SHUHAI XIAO/ ZHE CHEN)
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Vor mehr als einer halben Milliarde Jahre krochen dort, wo heute Südchina ist, wurmartige Kreaturen über den Meeresboden. Sie haben zahllose Spuren hinterlassen - und eine dieser Spuren ist eine ganz besondere: Denn an ihrem Ende starb das Tier, das sie gezogen hatte - und wurde zum Fossil, erzählt Shuhai Xiao von der Virginia Tech University:

"Das Tier war spiegelsymmetrisch aufgebaut. Es hatte einen Kopf und einen Schwanz, eine linke und rechte Seite und einen Bauch und einen Rücken. Sein Körper besteht aus einer Reihe sich wiederholender Elemente, aus Segmenten, die alle in die gleiche Richtung zeigen." 

Yilingia - Zwischenform zum Urahn der modernen Tiere 

Nun scheint ein Tier, das auf den ersten Blick einer Weizenähre gleicht, nichts Besonderes zu sein. Doch es lebte zwölf Millionen Jahre bevor mit der Kambrischen Explosion die Urahnen der modernen Tiere scheinbar wie aus dem Nichts auf der Erde erschienen. Yilingia zeigt nun, dass von einem abrupten Auftauchen wirklich keine Rede sein kann:

"Dieses Tier ist zwar nicht das älteste segmentierte Tier, das wir kennen, und es ist auch nicht das erste, das sich fortbewegen konnte. Wir kennen etwas ältere Tiere, die sich bewegen konnten. Und dann sind da ja noch die vielen Spurenfossilien aus dieser Zeit, die wir Ediacarium nennen. Doch Yilingia ist das älteste bekannte Tier, das beides kombiniert: Es konnte sich fortbewegen und war segmentiert."

Und die Spur, die Yilingia gezogen hat, ist lang: Das wurmartige Tier konnte sich also schon so ausdauernd bewegen wie die Tiere, die mit der kambrischen Revolution erscheinen sollten:

"Allerdings ist seine Segmentierung im Gegensatz zu den späteren Tieren wie Trilobiten oder auch den modernen Krebsen noch recht einfach. Bei dem 550 Millionen Jahre alten Kriechtier Yilingia gibt es noch keine deutlichen Unterschiede zwischen Kopf, Thorax und Schwanz, es ist in gewisser Weise eine Zwischenform."

Enge Verwandtschaft mit unseren Vorfahren

Zu seiner Zeit war Yilingia kein seltenes Tier: Bislang konnten die Forscher in der Felsformation neben zahllosen Spuren auch ein paar Dutzend ähnlicher Fossilien finden. Das größte Exemplar war 27 Zentimeter lang:

"Meiner Meinung nach ist Yilingia enger mit unserem gemeinsamen Vorfahren verwandt als mit den Lebewesen ihrer Zeit, der sogenannten Ediacara-Biota. Diese Ediacara-Lebewesen sind seltsam, die meisten scheinen nichts mit uns zu tun zu haben. Ihre Körper sind beispielsweise nicht spiegelsymmetrisch und oft weiß man nicht, ob es Tiere waren, Pflanzen oder Algen. Yilingia zeigt, dass es in der Ediacara-Zeit definitiv Tiere gab, spiegelsymmetrische Tiere – so wie unsere Ahnen und wir."

Wohin im Stammbaum Yilingia gehört, ist offen. Sie könnte mit Krustentieren verwandt sein, oder mit Würmern oder sie ist ein gemeinsamer Vorfahr von Krustentier und Wurm. Das werden hoffentlich die weiteren Untersuchungen zeigen, erklärt Shuhai Xiao.

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