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StartseiteCorso"Man muss hart arbeiten, bis man zur Sache kommt"10.06.2016

Fotograf Juergen Teller"Man muss hart arbeiten, bis man zur Sache kommt"

Juergen Teller war 1991 zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Damals war er der Hoffotograf der damals unbekannten Band Nirvana und Teller zog mit ihr von Konzert zu Konzert in Deutschland. Sowohl Nirvana als auch Teller starteten danach durch. Die Bundeskunsthalle in Bonn präsentiert Teller nun mit einer neuen Serie. "Enjoy Your Life!" heißt die Ausstellung.

Von Sabine Oelze

dpatopbilder Der Fotograf Juergen Teller steht am 09.06.2016 in Bonn (Nordrhein-Westfalen) in der Bundeskunsthalle vor einem seiner Werke. Die Ausstellung "Enjoy Your Life" des Fotografen Juergen Teller ist vom 10.6.-25.9.2016 in der Bundeskunsthalle zu sehen. Foto: Oliver Berg/dpa | Verwendung weltweit (dpa)
Der Fotograf Jürgen Teller steht vor einem seiner Werke in der Bundeskunsthalle Bonn (dpa)

Juergen Teller sitzt in einem Corbusier-Sessel im Direktorenzimmer der Bundeskunsthalle: neon-orange-farbene Sporthose, T-Shirt, Turnschuhe. Ein Outfit, das so etwas wie seine Uniform ist. So kennt man ihn, den weltberühmten Fotografen, jedenfalls auch von zahlreichen Selbstporträts. Die sind aus seiner neuesten Reihe zwar verschwunden  – trotzdem ist der Künstler in seinen Bildern vertreten. Als Teller. Ein weißer Porzellanteller ersetzt den echten Juergen Teller. Die Idee kam ihm, als er eingeladen wurde, in Bonn auszustellen.

"Ich brauch doch jetzt nicht dauernd immer selber auf den Fotos sein, da kann man doch auch einen Teller benutzen. So ging das dann immer weiter. Und dann plötzlich habe ich rausgefunden, dass es eine super Requisite ist. Und jeder hält den Teller anders und inszeniert den irgendwie anders. Irgendwie ist das ein gutes Objekt."

Von Lars Eidinger bis Eva Herzigova

Tellers neuer Teller-Serie haftet eine Mischung aus Banalem und Surrealem an. Es gibt Aufnahmen von Bandmitgliedern, die einen Teller in der Hand halten, von nackten Models, die mit einem Teller ihre Scham bedecken. Der Schauspieler Lars Eidinger räkelt sich lasziv im Sand, nackt, nur mit einer hautfarbenen Seidenstrumpfhose bekleidet, sein Kopf ruht auf einem weißen Teller.

"Ich wollte ihn unbedingt in der Plate/Teller-Serie dabei haben und habe ihn rüber geflogen nach London, war ganz stolz auf mein neues Studio, und dann habe ich gefragt: 'Was macht Du jetzt so in Deinem Beruf? Bring das doch mal mit.' Ich will ja ihn fotografieren, wie er ist, und da kommt er dann an mit Koffern an, mit Requisiten. Wir arbeiten damit und ich: 'Logisch, das ist die Strumpfhose.' Dann sagt er: 'Habe ich mir schon gedacht.' "

Manche dieser Teller-Bilder wirken albern oder dekorativ, manche wiederum scheinen den Starkult in der Mode- oder Filmszene zu kommentieren. Ein Teller in der Hand statt eine Handtasche am Arm – da sieht selbst das tschechische Topmodel Eva Herzigova aus, als hätte sie sich in einen Kaufhausprospekt verirrt. Das Foto der nackten Vivian Westwood wurde sogar auf einen Teller gedruckt.

"Ich war immer begeistert von ihrer weißen Haut, den orangen Haaren und dazu so eine unheimlich jungendhafte, politisch engagierte, unheimlich interessante Frau, da hab ich gedacht: Das würde ich mir gerne anschauen, wie so ein Foto aussieht, wenn die nackt ist. Das habe ich noch nie gesehen. Und genauso ist das mit den Tellern auch."

Gängige Klischees von Schönheit widersprechen

Juergen Teller ist bekannt für seine intime Art der Inszenierung. Auf seinen Modefotos zieht er lieber das Supermodel nackt aus, als es in ihrer glamourösen Garderobe zu zeigen. Reality-Star Kim Kardashian und ihr Musiker-Gatte Kanye West suhlen sich für ihn im Dreck oder strecken ihren Hintern in die Kamera, was nicht immer ein schöner Anblick ist. Umso mehr kommt die Frage auf: Warum tun sie das? Juergen Teller glaubt, weil er ehrlich und offen mit ihnen umgeht.

"Sie sehen mich ja jetzt auch wie ich bin, wie ich mit Ihnen rede. So ist das. Ich sage denen auch meine Schwäche.  Ich weiß jetzt nicht, wie ich das machen soll. Ich weiß nicht, wie ich das fotografieren soll. Man muss halt hart arbeiten, bis man dann zu der Sache kommt, dass es stimmt."

Zur Sache kommen, heißt: Fotos machen, die den gängigen Klischees von Schönheit widersprechen und die bis ins kleinste Detail komponiert sind, aber nicht so aussehen. Für Rein Wolfs, Direktor der Bundeskunsthalle, ist genau das das Besondere an Juergen Tellers Kunst:

"Er hat eine wunderbare Art und Weise, um die Menschen, die Protagonisten, die er fotografiert, so zu platzieren, dass sie einfach so dastehen, als ob sie immer schon so dagestanden sind. Und als ob das denen eigen ist."

Die Ausstellung "Enjoy Your Life!" präsentiert Bilder aus den unterschiedlichen Werkserien von Juergen Teller. Es gibt Selbstporträts und Aufnahmen seiner Mutter, seiner Kinder und von gealterten Models. Manchmal ist ein Porzellanteller mit drauf, manchmal nicht. Der Fotograf schenkt allen seinen Motiven die gleiche Aufmerksamkeit. Das wirkt manchmal selbstverliebt, zeugt aber auch von einem großen Einfühlungsvermögen und von einer guten Portion Humor.

Juergen Teller, geboren 1964 in einem süddeutschen Dorf und lebt in London und ist einer der international gefragtesten Fotografen der Gegenwart. Seine Arbeiten, oft umfangreiche Serien für Modelabel, Promischauspielern oder Models werden in Zeitschriften und Magazinen veröffentlicht.

 

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