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StartseiteUmwelt und Verbraucher"Wir brauchen auch die Dachanlagen"16.09.2019

Fotovoltaik"Wir brauchen auch die Dachanlagen"

Eine weitere Förderung auch von kleineren Fotovoltaikanlagen auf Dächern und an Fassaden sei unbedingt nötig, sagte der Leiter des Freiburger Frauenhofer Instituts, Andreas Bett, im Dlf. Nur auf Großanlagen zu setzen, hält Bett für den falschen Weg.

Andreas Bett im Gespräch mit Georg Ehring

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Sonnenkollektoren, auch Solarkollektoren genannt, auf einem Dach eines Privathauses (dpa/Wolfram Steinberg)
Dach eines Privathauses in Mecklenburg-Vorpommern (dpa/Wolfram Steinberg)
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Georg Ehring: Fast die Hälfte der Stromerzeugung in Deutschland kommt inzwischen aus erneuerbaren Quellen, und nach der Windkraft hat die Solarenergie den zweitgrößten Anteil daran. Der Ausbau der Windenergie an Land ist fast zum Erliegen gekommen; darüber haben wir schon berichtet. Doch auch über der Solarenergie brauen sich dunkle Wolken zusammen. Die Förderung soll enden, wenn die installierten Kapazitäten auf 52 Gigawatt gestiegen sind. So hat es die Bundesregierung vor einiger Zeit beschlossen. Ein Gigawatt entspricht der Leistung ungefähr eines großen Atomkraftwerks oder Kohlekraftwerks.

Dr. Andreas Bett ist Leiter des Fraunhofer-Instituts für solare Energiesysteme in Freiburg, und ihn begrüße ich jetzt am Telefon. Guten Tag, Herr Dr. Bett!

Andreas Bett: Ja, guten Tag.

Ehring: Herr Dr. Bett, beim derzeitigen Ausbautempo der Solarenergie, wann wäre es denn so weit, dass die 52 Gigawatt erreicht werden?

Bett: Wir erwarten eigentlich, dass die 52 Gigawatt – das betrifft ja vor allen Dingen die Dachflächen-Anlagen – letztlich Ende 2020 tatsächlich erreicht sind.

Ehring: Und dann würde die Förderung komplett enden, nach derzeitigen Plänen?

Bett: Genau. Dann würde die Förderung für Dachanlagen komplett enden, und das betrifft dann im Wesentlichen die kleinen Anlagen, die Prosumer, die teilweise den Strom selber nutzen. Nach der EEG-Umlage sind Sie ja verpflichtet, einen Teil selber zu nutzen. Das heißt, dann würde der Ausbau von PV massiv stocken, und damit würden wir die Klimaziele natürlich auch praktisch nicht erreichen können.

"Das geht aber nur bei richtig großen Anlagen und Freiflächenanlagen"

Ehring: Und gefördert würden dann weiter große Anlagen?

Bett: Genau. Wir haben die zweite Förderschiene, Großanlagen, wo es Ausschreibemechanismen gibt. Da kann man schon sagen, die sind in der Zwischenzeit so günstig, dass wir sagen können, die Fotovoltaik bietet den günstigsten Strom, aber für große Freiflächenanlagen. Da gibt es beispielsweise auch erste Ausschreibungen, die gar nicht mehr auf EEG gefördert werden, sondern die sind tatsächlich kompetitiv. Wir hatten die Ankündigung von ENBW, dass sie eine 88-Megawatt-Anlage langfristig bauen wollen in Brandenburg ohne EEG-Förderung. Das geht aber nur bei richtig großen Anlagen und Freiflächenanlagen. Wir sind aber überzeugt, dass wir auch die Dachflächen brauchen, alle Flächen eigentlich in der bebauten Umgebung, um letztlich unseren Energiehunger hier in Deutschland zu stillen.

Ehring: Wie weit sind die denn jetzt schon wettbewerbsfähig? Die Preise sind ja immer weiter gesunken.

Bett: Genau. Auch die sind durchaus sehr wettbewerbsfähig. Aber hier brauchen wir eine verlässliche Abnahme einerseits vom Strom, die erzeugt wird. Gleichzeitig sind es ja kleinere Investoren, oft Privatleute, die eine gewisse Sicherheit für ihr Investment brauchen. Es bleibt immer noch das Risiko, dass irgendwas zwischendurch mal schiefgehen kann oder weniger Ertrag da sein kann, aber letztendlich ist die Zuverlässigkeit der PV absolut nachgewiesen. Und wir haben im Prinzip über die EEG-Förderung für die kleinen Dachanlagen - pro Gigawatt sind das nur noch 0,01 Cent pro Kilowattstunden. Als das in den Jahren 2012 der Fall war, waren wir noch über zehn Cent pro Kilowattstunde.

"Den Investoren Sicherheit bieten"

Ehring: Wieviel müsste denn etwa ausgebaut werden? Über welche Lücke sprechen wir da?

Bett: Wir machen ja Szenarien hier am Fraunhofer-Institut, um auf 100 Prozent Erneuerbare zu wechseln bis 2050, und da müssen wir in Deutschland im Bereich je nach Szenario dann zwischen 500 und 700 Gigawatt Fotovoltaik installieren. Das können wir jetzt einerseits auf Freiflächenanlagen machen. Da befürchten wir aber, dass es dann durchaus auch zu Akzeptanzproblemen kommen kann, und wir sollten daher unbedingt die bebaute Umgebung, die Dachflächen, die Fassadenflächen nutzen, dass nicht nur allein die Stromerzeugung, sondern andere Funktionalitäten auch mitgenutzt werden wie zum Beispiel bei einer schönen Fassade. Dazu brauchen wir aber das EEG und auch wieder die EEG-Umlage, um eine Sicherheit zu bieten für Investoren.

Ehring: Wie stellen Sie sich die Förderung vor? Das heißt, das EEG müsste aus Ihrer Sicht einfach verlängert werden mit sinkenden Einspeisevergütungen, je nachdem wann die Anlagen gebaut werden?

Bett: Genau. Das ist ja heute schon im EEG realisiert, der sogenannte atmende Deckel. Das ist eine Erfahrung aus der Vergangenheit, wo die EEG-Vergütung zu hoch war. Dann wurde zu viel investiert und damit die Belastung für den Bürger zu hoch. Dann hat man den atmenden Deckel eingeführt mit dem Ergebnis, dass deutlich zu wenig PV installiert wurde und wir deswegen auch die Klimaziele 2020 nicht erreichen können. Deswegen hat man den atmenden Deckel eingeführt und ich denke, das ist ein hervorragender Mechanismus, um zu kontrollieren, dass auf der einen Seite der Investor nicht zu viel Geld verdient und auf der anderen Seite aber den PV-Zubau erlaubt, den wir benötigen, um letztendlich die Klimaziele zu erreichen.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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