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StartseiteUmwelt und VerbraucherFracking-Gegner: Erfahrungsaustausch vom Bodensee bis ins Emsland06.05.2013

Fracking-Gegner: Erfahrungsaustausch vom Bodensee bis ins Emsland

Bürgerinitiativen trafen sich auf Kongress

Bei einem bundesweiten Treffen von Bürgerinitiativen im nordhessischen Korbach machten Fracking-Gegner deutlich: Sie wollen ein flächendeckendes Verbot der umstrittenen Gasfördermethode. Die hessische Initiative konnte schon erste Erfolge verzeichnen.

Von Anke Petermann

Ausruhen will sich die größte deutsche Anti-Fracking-Initiative nicht auf dem potenziellen Erfolg, das Misstrauen bleibt.  (picture alliance / dpa - Uwe Zucchi)
Ausruhen will sich die größte deutsche Anti-Fracking-Initiative nicht auf dem potenziellen Erfolg, das Misstrauen bleibt. (picture alliance / dpa - Uwe Zucchi)
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Die Beben und das Gas
Das Ende des Fracking-Booms

Der Reinhardswald, Hessens größtes zusammenhängendes Waldgebiet. Bad Arolsen, ein Kurort mit Heilquelle, darunter ein riesiges Trinkwasser-Reservoire. Und noch darunter, eingeschlossen in Schiefer, wohl ein üppiges Erdgasvorkommen. Das mithilfe eines Wasser-Chemikalien-Gemischs zutage zu fördern, hat eine kanadische Firma schon beantragt. Damit sind Laubwald und Heilbad Teil eines 5200 Quadratkilometer großen "Aufsuchungsgebiets" für die Förderindustrie. Dass sie hier giftige Chemikalien in den Boden pressen darf, will die Initiative Fracking freies Hessen aber verhindern. Mit über 10.000 Mitgliedern ist sie bundesweit die größte ihrer Art. Aktiv sind nur die wenigsten, gibt Sprecher Tim Steindamm zu, aber alle lehnen die neue Fördermethode klar ab. Sie würde das nordhessische Bergland industrialisieren und für den sanften Tourismus unattraktiv machen, …

"… weil es nicht damit getan ist, irgendwo einen Förderturm aufzustellen, sondern es geht um eine Vielzahl von dicht beieinanderstehenden, vielleicht in Zwei-Kilometer-Abständen, beieinanderstehenden Bohrtürmen. Und das verändert das Landschaftsbild komplett."

Steindamm, Mitte 30, ist einer der jüngsten von 50 teils ergrauten Frontleuten aus rund 30 Bürgerinitiativen zwischen Bodensee und Emsland. Unter denen, die im nordhessischen Korbach ein Wochenende lang Widerstandsstrategien gegen das Gasbohren ausbrüteten auch Bürgerbewegte, die zuvor schon Atomkraft oder Müllverbrennung bekämpft haben.

In Hessen verzeichnen die Fracking-Gegner einen ersten Erfolg. Aus einem geologischen Gutachten schließt das Umweltministerium, dass in 80 Prozent des nordhessischen Erkundungsgebiets Trinkwasser- und Naturschutz, Verkehrs- und Siedlungsflächen das Gasbohren unmöglich machen. Lucia Puttrich, Ressortchefin von der CDU, wies das zuständige Regierungspräsidium Darmstadt an, den Kanadiern die Genehmigung zu versagen.

"Aber es gibt keine Rechtssicherheit, und die fordern wir. Dieser Antrag konkret wäre dann vom Tisch, aber was sonst noch in Nordhessen passiert, das ist aus meiner Sicht noch nicht ganz klar. Es können ja auch immer noch neue Anträge gestellt werden."

Ausruhen will sich die größte deutsche Anti-Fracking-Initiative nicht auf dem potenziellen Erfolg, das Misstrauen bleibt. Außerdem werden die Vorkämpfer gebraucht von den anderen, vor allem in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, wo Exxon oder die zur BASF-Gruppe gehörende Wintershall schon in den Startlöchern stehen. Gabriele Obschernicat spricht für Hamminkeln gegen Gasbohren:

"Selbst wenn Hessen ein großes Stück Arbeit schon geschafft hat, dann sind wir alle hier, um von Hessen zu lernen, von Hessen Informationen abzugreifen, und die tragen wir jetzt alle in unsere Stadt. Vor der Tatsache, dass es möglich ist, kann man anders arbeiten."

Ein Verdienst der hessischen Aktivisten? Oder einfach nur deren Glück, auf einem riesigen Trinkwasserreservoir zu sitzen, das die neue Gesetzgebung ohnehin vom Fracking ausnehmen will? "Wir kommen vom Niederrhein", sagt Obschernicat, die beim Korbacher Treffen vorn bei den Organisatoren sitzt:

"Wir sitzen auch auf einem riesigen Trinkwasserspeicher, der das ganze Ruhrgebiet versorgt. Was Hessen in diese glückliche Lage gebracht hat, war, dass sie bevor die Anträge gestellt waren, schon aktiv waren. In NRW sind die Aufsuchungserlaubnisse ja schon 2007/2008 erteilt worden – an uns allen vorbei. Wir haben von der Tatsache erfahren, als sie geschaffen war, also – wir haben jetzt ein bisschen zu arbeiten."

Heißt auch: In persönlichen Briefen an Bundestagsabgeordnete Aufklärung über Fracking-Risiken anbieten. Immerhin 80 Abgeordnete von CDU und CSU aus betroffenen Wahlkreisen hatte das schon schwer verunsichert, das ermutigt die Gegner des Gasbohrens.

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