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Fragen und AntwortenWas man bisher zu Reinfektionen und Immunität gegen das Coronavirus weiß

03.07.2020, Baden-Württemberg, Reutlingen: Blutabnahmeröhrchen stehen in einem Testzentrum des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung für eine bundesweite Corona-Antikörper-Studie in einem Rack. Das Institut hat eine Studie mit bundesweit rund 60 000 Probanden begonnen. In einer ersten Runde ist demnach vorgesehen, bis zu 3000 erwachsene Einwohner des Landkreises Reutlingen zu testen. Foto: Marijan Murat/dpa | Verwendung weltweit (picture alliance/Marijan Murat/dpa)
Blutproben können auf Antikörper gegen das neue Coronavirus untersucht werden. (picture alliance/Marijan Murat/dpa)

In den vergangenen Tagen wurde mehrfach über einzelne Personen berichtet, die sich zum zweiten Mal mit dem neuen Coronavirus infiziert haben. Was sagt das über Immunität und die Impfstoffsuche aus?

Was ist über Reinfektionen mit dem Coronavirus bekannt?

Seit das neue Coronavirus in der Welt kursiert, wird darüber gerätselt, ob und wann jemand nach einer Coronainfektion erneut an Covid-19 erkranken kann - eine wichtige Frage auch mit Blick auf die Anforderungen an Impfstoffe. Schon im Frühjahr wurden einige Fälle bekannt, bei denen das Coronavirus nach einem negativen Test einige Wochen später erneut nachgewiesen werden konnte. Forschende gehen in diesen Fällen von verschiedenen Szenarien aus: Das Virus könnte im Körper geblieben und die Erkrankung später neu aufgeflammt sein - oder aber die Tests waren irreführend, da totes Virenmaterial nachgewiesen worden sein könnte.

Nun gab es Meldungen von einigen Patienten - etwa in Belgien, den Niederlanden, den USA, Ecuador und Hongkong -, die sich Wochen bis Monate nach einer Infektion mit Sars-CoV-2 erneut mit dem Virus angesteckt haben. Dabei handelt es sich recht sicher um Reinfektionen: Denn wie etwa die Virologin und Beraterin der niederländischen Regierung, Marion Koopmans, mitteilte, unterscheidet sich bei der niederländischen Patientin der genetische Code - eine Art Fingerabdruck des Virus - bei der zweiten Infektion deutlich von der ersten. Das spreche gegen ein Wiederaufflammen der ersten Infektion, sagte sie im niederländischen Radio.

Auch bei der neu erkrankten Patientin aus Belgien wurde ein anderer genetischer Fingerabdruck gefunden. Sie war drei Monate nach der ersten Infektion erneut erkrankt. Kurz zuvor berichtete die University of Hong Kong über einen Mann, der sich nach viereinhalb Monaten erneut infiziert hatte - auch bei ihm wurden andere Virussequenzen gefunden als bei der Erstinfektion. Ebenso war es bei einem Mann im US-Bundesstaat Nevada und einem Ecuadorianer, wie Forschende aus beiden Ländern mitteilten.

Wie verläuft eine Reinfektion?

Dazu gibt es bisher keine Forschungsergebnisse, da erst diese drei Fälle von Reinfektionen sicher dokumentiert sind. Im Fall des Mannes aus Hongkong ist bekannt, dass er nach Angaben der Universität bei der zweiten Infektion keine Symptome gezeigt hat. Im Fall der Patientin in Belgien spricht der Virologe Marc Van Ranst von milden Symptomen. In den Niederlanden geht es um einen älteren Patienten mit einem schwachen Immunsystem, Einzelheiten zu seinem Krankheitsverlauf sind nicht bekannt. Es könne sein, dass der Verlauf bei einer zweiten Infektion zumindest leichter ist - oder dass man nicht mehr ansteckend ist, vermutet etwa Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie.

Dagegen sprechen derzeit die Einzelfälle aus den USA und Ecuador. Der 25-Jährige US-Amerikaner war zunächst Mitte April nach milderen Erkältungssymptomen und Durchfall positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden. Ende Mai wurde er dann erneut positiv getestet - dieses Mal mit Fieber, Kopfweh und Husten, auch musste er zeitweise beatmet werden. Der Mann aus Ecuador hatte bei seiner ersten Infektion im Mai nur milde Symptome, im August zeigte die Erkrankung einen mittelschweren Verlauf.

Wie lange ist man nach einer Coronainfektion immun?

Diese Frage ist weitgehend ungeklärt. Forschende gehen zumindest davon aus, dass wie bei ähnlichen viralen Infektionen in den meisten Fällen zumindest eine einige Monate währende Immunität besteht. Möglich ist auch, dass sich die Dauer der Immunität von Mensch zu Mensch unterscheidet, wie es vom Robert Koch-Institut heißt. Angesichts Millionen Infizierter weltweit geht die Weltgesundheitsorganisation derzeit davon aus, dass es sich bei den Reinfektionen nach wenigen Monaten eher um Einzelfälle handelt.

Bei dem neuen Coronavirus haben verschiedene Messungen bisher gezeigt: Die Menge der Antikörper im Blut sinkt meist nach zwei bis drei Monaten nach einer Infektion wieder ab. Ob damit auch die Immunität geringer wird, ist jedoch unklar. Bei einigen nachweislich Infizierten werden zudem gar keine Antikörper gefunden, wie aktuell wieder eine Studie des Universitätsklinikums Jena zeigt: Im ehemaligen Corona-Quarantäneort Neustadt am Rennsteig ließen sich demnach bei rund der Hälfte der Infizierten keine Antikörper gegen den Erreger nachweisen. Auch eine Studie des Lübecker Gesundheitsamts war zu dem Schluss gekommen, dass nur 70 Prozent der Infizierten Antikörper gebildet hatten, 30 Prozent hingegen nicht. Die Forschenden in Neustadt hatten bei 49 Infizierten mit sechs verschiedenen Tests nach Antikörpern gesucht. Nun soll bei den Studienteilnehmern, die trotz Infektion keine Antikörper gebildet haben, noch nach anderen Abwehrzellen im Organismus gesucht werden.

Denn: Wenige oder keine Antikörper im Blut bedeuten nicht zwangsläufig, dass jemand keine Abwehr mehr gegen das Coronavirus hat. Denn neben den Antikörpern, die eine Infektion akut bekämpfen, gibt es weitere Immunreaktionen. So erinnern sich sogenannte T-Gedächtniszellen oft auch noch Jahre später an eine bestimmte Infektion und können die Immunreaktion gegen den bereits bekannten Erreger schnell wieder ankurbeln, wie unsere Forschungsredaktion erklärt. Im Gegensatz zu den spezifischen Antikörpern nimmt die Menge dieser T-Gedächtniszellen demnach über Jahre kaum ab.

Test auf diese Immunzellen sind allerdings deutlich aufwendiger als Antikörpertests, wie Gerard Krause vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung im Deutschlandfunk sagte. Forscher des Karolinska Instituts in Stockholm haben in einer kleinen Studie die Blutproben von 2.000 Menschen in der schwedischen Hauptstadt auch nach Hinweisen auf eine T-Zell Immunität gegen Sars-Cov-2 getestet. Dabei haben sie gesehen, dass manche Personen zwar keine Antikörper hatten, aber dennoch eine T-Zell-Immunität aufwiesen - vor allem Menschen, die nur sehr milde oder kaum nachweisbare Symptome gezeigt hatten. Der tatsächliche Prozentsatz an Personen, die bereits eine Coronainfektion durchgemacht haben und wohl vorerst immun sind, könnte also höher liegen, als Antikörper-Studien nahelegen. Das wurde bei entsprechenden Studien zuletzt auch kommuniziert.

Was bedeutet das für die Impfstoffentwicklung?

Wenn bei Impfstudien von einer Immunreaktion die Rede ist, bezieht sich das laut unserer Forschungsredaktion auf die Antikörperproduktion. Unklar ist, ab welcher Menge eine Immunität erreicht ist und wie lange diese anhält. Zudem ist bisher nur bei dem Impfstoffkandidaten der Universität Oxford klar, dass durch die Impfung auch passende T-Gedächtniszellen gebildet werden - das wäre aber für eine langfristige Immunität durchaus relevant. Informationen zum Stand der Impfstoffforschung hat die DLF-Redaktion Forschung Aktuell hier zusammengestellt.

Was bringt eine Plasmabehandlung mit Antikörpern?

In den USA wurde nun die Behandlung von Covid-19-Erkankten mit Plasma von bereits genesenen Patienten per Notfallgenehmigung erlaubt. In dem Blutplasma finden sich Antikörper, die Erkrankten helfen sollen - ein Verfahren, dass schon seit über einem Jahrhundert praktiziert wird. Bisher gibt es in Bezug auf Covid-19 Hinweise, dass schwer kranke Patienten durch die Gabe von Plasma mit Antikörpern etwas häufiger überleben als ohne. Eindeutig sind die Ergebnisse nicht, denn die Patienten bekamen neben dem Plasma meist auch andere Medikamente. Auch eine offizielle Zulassung der Behandlung steht in den USA deshalb noch aus. Kritiker werfen US-Präsident Trump vor, die Notfallgenehmigung vor allem wegen des Präsidentschaftswahlkampfes auf den Weg gebracht zu haben.

Weitere Informationen zur Immunität gegen das neue Coronavirus hat DLF-Wissenschaftskorrespondent Volkart Wildermuth hier zusammengestellt.

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