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StartseiteMusikjournalBezaubernde Opernrarität13.02.2017

Francesco Cileas "Gina" in VenedigBezaubernde Opernrarität

Mit der Oper "Adriana Lecouvreur" gelang Francesco Cilea 1902 ein Welterfolg, der seine anderen Bühnenwerke in den Schatten stellte. Fast völlig in Vergessenheit geriet seine erste Oper "Gina". Am Teatro La Fenice in Venedig hat man sie jetzt wieder ausgegraben und in der zweiten Spielstätte des Hauses, dem Teatro Malibran, herausgebracht.

Von Dieter David Scholz

Blick in das voll besetzte Opernhaus Malibran in Venedig, nach aufwendigen Sanierungsarbeiten wurde es 2001 wiedereröffnet (picture alliance / dpa / epa ansa Andrea Merola)
Bühne für Außergewöhnliches: das Teatro Malibran in Venedig (picture alliance / dpa / epa ansa Andrea Merola)

Musik: Cilea, Gina

Das Teatro Malibran geht zurück auf das ehemalige Teatro San Giovanni Grisostomo aus dem 17. Jahrhundert, damals die größte Bühne Venedigs und Schauplatz aufwändiger Opern­spek­takel. Scarlatti und Händel komponierten für das Haus. Später wurde es zur Bühne des Komö­dien­dichters Goldoni. Dann begann sein allmählicher Niedergang. Die berühmte spa­nische Mezzosopranistin Maria Malibran nahm sich des Theaters an. 1837 erhielt es ihren Namen zu Ehren seiner Mäzenin. Nach wechselhafter Geschichte und mehreren Umbauten wurde es zu­letzt nach dem Brand des Teatro La Fenice 1996 restauriert und erwei­tert. Seither wird es vom Fenice vor allem für Alte und Neue Musik, sowie Experimentelles und Außer­gewöhn­liches genutzt.

Erfrischender Opernerstling

Außergewöhnlich darf man Cileas Bühnen­erstling, das drei­aktige "melo­dram­ma idillico" "Gina" wohl nennen. Der junge römische Dirigent Francesco Lanzillotta, der das Orchester des Teatro La Fenice engagiert dirigiert, über die Musik dieses Werks:  

"Sie ist ganz anders als die Musik in Adriana Lecouvreur oder L´Arlesiana. Es handelt sich bei dem kurzen Stück um eine komi­sche, eine ironische Oper voller erfrischender Musik. Ihr Stil ist leicht, nicht dramatisch. Das Stück hat etwas von einer Operette. Aber man hört noch Bellini durch. Es gibt herrliche  Ge­sangsmelodien. Die Dramaturgie ist wie die musikalische Struktur sehr einfach, ganz klar."

Musik: Cilea, Gina

Auch die Handlung der Oper, frei nach einer französischen Komödie mit dem Titel "Cathé­rine ou La Croix d´or", die am Teatro Nuovo in Neapel Erfolge feierte, ist recht einfach. Ein Fünfpersonenstück, das zur Zeit Napoleons in einer kleinen französi­schen Stadt spielt. Im Zen­trum der an allerhand Zufällen und Turbulenzen reichen komi­schen Oper steht ein ver­lobtes Liebespaar, das getrennt wird, weil der junge Mann in den Krieg ziehen muss. Am En­de kehrt er unversehrt zurück. Einer glücklichen Heirat steht nichts mehr im Wege. 

Musik: Cilea, Gina

Zwischen italienischer und französischer Musik

Die Oper "Gina" ist zwar noch weit entfernt von den harmonischen und klanglichen Raf­finessen der späteren Werke Cileas. Die an tänzerischen und militärischen Rhyth­men, an gefühligen Arien, schmissigen Ensembles und effektvollen Chören reiche Musik des Stücks, in der der junge Cilea italienische Operntradition weiterführt, aber auch und unüberhörbar auf die französische Musik schielt, offenbaren einen erstaunlich souveränen Komponisten. Fortunato Ortombina, der künstlerische Direktor des Teatro La Fenice:

"Man kennt Cilea natürlich wegen seiner Adriana Lecouvreur. Es ist ein musika­lisch wie dramatur­gisch großartiges Meisterwerk. Mit Gina hören wir das erste Stück, das Cilea im Alter von 22 Jahren komponiert hat. Es war die Abschlussarbeit seines Studiums am renommierten Con­ser­vatorio di San Pietro a Majella, der berühmtesten und wichtigsten Hochschule der Musik in Italien."  

Musik: Cilea, Gina

Fortunato Ortombina ist erfreulich wagemutig. Er setzt eben nicht nur auf Kassenknüller wie "Traviata”, "Tristan” oder "Lucia di Lammermoor”, sondern riskiert immer auch Neues und macht sich stark für Ausgrabungen, wie jetzt die Oper "Gina":

"Man nennt so ein Stück im Italienischen "mezzo carattere”, das meint einen leichten, sentimentalen Opernstil zwischen Oper und Operette. Davon gibt es viele. Anhand dieses Stücks bekom­men wir eine Ahnung davon, was für Juwelen in der Bibliothek dieses Konservatoriums noch zu entdecken sind."  

Augenzwinkernde Inszenierung

Regisseur Bepi Morassi, erfahren in Sachen Opera Buffa, inszeniert "Gina" mit leichter Hand und augenzwinkernd parodistischer Attitüde in schlichter, launiger Ausstattung, die Studen­ten entworfen haben. Behängte Wäscheleinen – man könnte auch sagen Brechtgardinen – ge­ben Durchblicke frei oder verhindern Durchsicht. Das ermöglich gut getimte Auf- und Abtrit­te. Französische Flaggen werden beim Trommelwirbel gehisst. Marschieren­de Soldaten lassen an Offenbachiaden denken.

Musik: Cilea, Gina

Fünf tadellose Gesangssolisten und der zuverlässige Chor des Teatro La Fenice dürfen in bieder­meierlichen Kostümen ungeniert Komödie spielen und auch schon mal revuehaft das Tanzbein schwingen. Kein großes Werk, gewiss nicht, auch keine sensationelle Aufführung, aber sie hat ihre Berechtigung. Fortunato Ortombina:

"Wir haben dieses Stück ausgesucht, weil es in eine spezielle Projekt-Reihe im Teatro Malibran gut hinein passt, die wir vor drei Jahren begonnen haben. Wir wollen Stücke junger Komponisten gemeinsam mit Studenten der venezianischen Akademie der Schönen Künste aufführen. Junge Komponisten für junge, heutige Künstler."  

Musik: Cilea, Gina

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