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StartseiteKalenderblattFrankreichs Kolonien am Mekong18.02.2009

Frankreichs Kolonien am Mekong

Vor 150 Jahren eroberten die Franzosen Saigon

Die Expansionsgelüste Napoleons III., der 1852 Kaiser Frankreichs geworden war, führten ihn auch nach Vietnam. 1858 griffen die französischen Truppen die vietnamesische Kaiserstadt Hue an und eroberten am 18. Februar 1859 Saigon im Süden des Landes. Damit begann die Kolonisierung Indochinas durch die Franzosen.

Von Barbara Geschwinde

Die Halong-Bucht in Vietnam. (AP Archiv)
Die Halong-Bucht in Vietnam. (AP Archiv)

1852 wurde Napoleon III. zum französischen Kaiser gekrönt. Um von politischen und sozialen Unruhen im Inneren des Landes abzulenken, musste er außenpolitische Erfolge vorweisen, etwa die Gewinnung neuer Kolonien. So kam das französische Militär nach Vietnam und eroberte am 18. Februar 1859 die Hauptstadt Saigon. Das war der Beginn der französischen Kolonialherrschaft in Südostasien.

"Die Französische Besetzung von Saigon war eigentlich so etwas wie ein Zufallsprodukt, wo die Franzosen in erster Linie eine Strafaktion im Auge hatten gegen die Behandlung der katholischen Missionare in dem Land. Es hatte sich seit einigen Jahren aufgebaut ein Konflikt zwischen der katholischen Kirche, die hier sehr aktiv war, in den 1850-er Jahren insbesondere im östlichen Asien, die konfuzianischen Gesellschaften zu bekehren, und das hatte natürlich Gegenreaktionen hervorgerufen."

Jakob Vogel, Experte für europäische Kolonialgeschichte. Hinter der Eroberung verbargen sich auch Handelsinteressen und politische Motive. Seit 1856 führte Großbritannien den zweiten Opiumkrieg gegen China, der vor allem darauf abzielte, die Einflusssphäre in China zu erweitern. Die Franzosen schlossen sich an, weil auch sie vom vermeintlichen Reichtum Chinas profitieren wollten. Gleichzeitig wollte Napoleon III. als Akteur auf der Bühne der Weltpolitik wieder ernst genommen werden. Die Eroberung Indochinas war also ein Umweg auf dem Weg nach China.

"Nach der Besetzung Saigons waren die Franzosen erst mal während zwei Jahre etwas in einer unglücklichen Situation. Das eigentliche Kriegsgeschehen, auch die Auseinandersetzung mit China, spielte sich woanders ab und erst in dem Moment, als dann 1860 auch der Frieden in China geschlossen wurde, hatten die Franzosen genügend eigene Truppen wieder zur Verfügung, um die Expansion im südlichen Vietnam fortzusetzen."

Die Spuren der französischen Vorherrschaft in Indochina sind bis heute sichtbar. Saigon, das heute Ho-Chi-Minh-Stadt heißt, verdankt sein Erscheinungsbild den französischen Kolonialisten. Zahlreiche Bauwerke, vor allem die Verwaltungsgebäude, sind beeindruckende Beispiele europäischer Architektur. Das Schulsystem wurde dem französischen angepasst. Darum haben sich bis heute die französische Sprache und Kultur im südlichen Vietnam gehalten.

Umgekehrt hat auch Vietnam bis heute Einfluss auf das Leben in Frankreich. Die französische Rockband "Indochine" besingt in ihren Songs immer wieder die Kolonialgeschichte in Südostasien. Auch die Schriftstellerin Marguerite Duras beschäftigte sich in ihren Romanen, etwa in "Der Liebhaber", mit ihrer Kindheit und Jugend in Vietnam.

Ich gehe zur Reling. Ich betrachte den Fluss. Meine Mutter sagt mir manches Mal, nie mehr in meinem Leben würde ich so schöne Flüsse sehen wie diese hier, so groß, so wild, wie den Mekong und seine Nebenarme, die den Ozeanen zuströmen, diesen Wasserflächen, die in den Höhlungen der Ozeane langsam verschwinden. In diesem unabsehbaren Flachland strömen die Flüsse rasch, sie schießen dahin, als wäre die Erde abschüssig.

"Der große Eindruck, nicht nur Kleidung, Ausstattung, die am Hof üblich waren, Musik und anderes wurde doch von den Europäern wahrgenommen, nicht anders als das auch in China der Fall war, als Ausdruck einer hochstehenden Kultur und Feingeistigkeit in diesen Regionen. Dieser Hochkultur war es sicherlich zu verdanken, dass Indochina in der Kolonialpropaganda Frankreichs immer eine besondere Rolle spielte. Dies wurde dann sehr deutlich bei den verschiedenen kolonialen Ausstellungen, die in Frankreich, insbesondere dann in den 30-er Jahren inszeniert wurden und deren Überreste man heute noch in Paris sehen kann."

Noch heute unterhält Frankreich enge politische und wirtschaftliche Beziehungen zu Vietnam und ist der wichtigste Ansprechpartner des südostasiatischen Landes in Europa.

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