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StartseiteKommentare und Themen der WocheEin Papst ist ein Papst ist ein Papst10.10.2018

Franziskus prangert Abtreibungen anEin Papst ist ein Papst ist ein Papst

Bei seiner Generalaudienz in Rom hat Papst Franziskus Abtreibung mit Auftragsmord verglichen. Damit hat er umgehend für Aufregung gesorgt. Dabei sei daran inhaltlich nichts neu, kommentiert Andreas Main, lediglich die Wortwahl.

Von Andreas Main

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Papst Franziskus am 10.10.2018 auf dem Weg zur Generalaudienz über den Petersplatz in Rom  (dpa / Fabio Frustaci)
Kein Papst dieser Welt werde jemals sagen: 'Frau, Dein Bauch gehört Dir', kommentiert Andreas Main (dpa / Fabio Frustaci)
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Das also ist der neueste Aufreger, die Schlagzeile, die die Welt aus den Angeln hebt: Ein Papst vergleicht Abtreibungen mit Mord. Okay, Papst Franziskus geht einen Schritt weiter. Er vergleicht Abtreibung mit Auftragsmord. Und das erzürnt einige. Aber warum? Wen wundert das? Franziskus' Sprache ist vielleicht etwas zu blumig. Er weicht auch mal vom Redetext ab, so wie jetzt bei der Generalaudienz, wo er wörtlich gesagt haben soll: "Das kann man nicht machen, es ist nicht gerecht, einen Menschen umzubringen, auch wenn er klein ist. Es ist, wie einen Auftragsmörder zu mieten, um ein Problem zu lösen." Das ist katholische Lehre. Schon immer. Und es wird auch katholische Lehre bleiben. Kein Papst dieser Welt wird jemals sagen: Frau, Dein Bauch gehört Dir. Ein Papst ist ein Papst ist ein Papst.

Franziskus-Fans haben den Papst überschätzt

Klar, ein Intellektuellen-Papst wie Benedikt XVI. hätte niemals von Babies kalt machen und Killern gesprochen, so wie es nun von Franziskus berichtet wird. Aber genau dieses Drastische gefiel doch lange all den Franziskus-Fans. Sie liebten es, dass er im Flugzeug seine ach so fortschrittlichen Spontanpressekonferenzen gab. Sie hofften, dass er wortgewaltig den Kapitalismus, die Waffen und die Globalisierung in einem Rutsch abschaffen würde. Damals durfte er drastisch sein. Wobei er in all diesen Fragen auf derselben Linie unterwegs war und ist wie all seine Vorgänger. Gut, er hat dem Affen damals noch mehr Zucker gegeben. Jetzt auch den Abtreibungsgegnern. Wer von diesem Papst erwartet, dass er katholische Positionen opfert, hat sich selbst zum Opfer eigener Projektionen gemacht. Hat diesen Papst hochgejubelt, um sich nun die Augen zu reiben. Hat diesen Papst überschätzt.

Was den Auftragsmördervergleich dennoch bemerkenswert macht: Es ist noch gar nicht so lange her, dass Papst Franziskus sinngemäß dazu aufrief, weniger in katholischen Betten rumzuschnüffeln. Auch das heiße Eisen Abtreibung hat er deutlich seltener angefasst als etwa sein Vorvorgänger.

Der Chef steht unter Druck

Mit Lampedusa und Asyl, mit Klimawandel und Schöpfung schaffen es Päpste leichter auf die Titelseiten der weltweit wichtigsten Magazine. Und darum geht es diesem Papst auch. Das soll sich nicht zynisch anhören. Denn Barmherzigkeit, Gerechtigkeit und Frieden gehören zur Stellenbeschreibung. Diese Anliegen rücken zurzeit aber etwas in den Hintergrund, dafür Abtreibung und Sex wieder in den Vordergrund. Etwa wenn der Vatikan dem bisherigen Rektor der Jesuitenhochschule Sankt Georgen, Ansgar Wucherpfennig, jetzt die Lehrerlaubnis verweigert, weil er homosexuelle Paare gesegnet hat. Er habe sich, sagt Wucherpfennig, auf vergleichsweise liberale Äußerungen seines obersten Dienstherrn verlassen. Aber der steht offenbar selbst unter Druck. Obwohl er der Chef ist - ein Papst muss die machtpolitische Balance halten. Jetzt gibt er anderen Affen Zucker - und zwar jenen, denen seine Reformankündigungen zu weit gingen. Im Übrigen gingen sie den Reformfreunden nicht weit genug. Und so könnte dieses Pontifikat verpuffen - zerrieben zwischen großem Aufschlag und enttäuschten Erwartungen. Denn umgesetzt ist wenig.

Andreas Main (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Andreas Main (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Andreas Main ist Redakteur der Redaktion Religion und Gesellschaft des Deutschlandfunks. Er studierte Katholische Theologie und Geschichte in Münster. Nach dem Volontariat bei der Katholischen Nachrichten-Agentur arbeitete er als Redakteur beim Lokalfunk, danach als freier Journalist für den Deutschlandfunk und die Deutsche Welle.  

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