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StartseiteKommentare und Themen der WocheDer Papst macht Ernst als "Global Player der Moral"03.08.2018

Franziskus schafft Todesstrafe ab Der Papst macht Ernst als "Global Player der Moral"

Dass Papst Franziskus die Todesstrafe aus der Glaubenslehre der katholischen Kirche gestrichen habe, sei nur konsequent, kommentiert Theo Dierkes. Er habe schon bei seinem USA-Besuch entschieden gegen die Todesstrafe Stellung bezogen. Nun habe der Papst klare Worte gewählt, mit denen er seinem Amt alle Ehre mache.

Von Theo Dierkes

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Papst Franziskus hält eine Rede vor dem US-Kongress, im Hintergrund sind Vizepräsident Joe Biden und John Boehner, der Sprecher des Repräsentantenhauses, zu sehen. (AFP / Jim Watson)
Papst Franziskus lässt seinen Worten Taten folgen und hat die Todesstrafe aus der Glaubenslehre der katholischen Kirche gestrichen (AFP / Jim Watson)
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Rede im US-Kongress Franziskus kritisiert Todesstrafe und Waffenlieferungen

Religion und Politik

Meine Überraschung war groß, als ich von der Neuerung hörte. Was? Da gibt es noch irgendwo eine kirchliche Zustimmung zur Todesstrafe? Wie ist das möglich, wo doch alle Päpste zumindest der letzten 50 Jahre sich als entschiedene Gegner der Todesstrafe gezeigt haben. Paul VI. schaffte 1969 die Todesstrafe im Vatikanstaat ab. Die stand bis dahin auf Papstmord. Und wurde nie vollzogen. Paul VI. setzte sich 1975 auch beim spanischen Diktator Franco für fünf zum Tode verurteilte spanische Terroristen ein - leider vergeblich.

Johannes Paul II. schaute eher in die USA. 1999 erklärte er in einer Predigt vor 100.000 Leuten bei seiner USA-Reise in St. Louis: "Die Verhängung der Todesstrafe muss enden, da sie nur unnötig und grausam ist." Und auch Benedikt XVI. war gegen die Todesstrafe. Der Autor des gegenwärtigen Katechismus sah sich aber in seiner kurzen Amtszeit nicht verpflichtet, das auch in der katholischen Glaubenslehre ausdrücken zu müssen.

Papst Franziskus zeigt jetzt, dass er nicht nur gut schimpfen und predigen kann, sondern dass er auch Konsequenzen zieht. Vor einem Jahr hat er bei einer Feierstunde deutliche Worte gefunden. "Ganz gleich, wie schwer ein begangenes Vergehen ist: Die Todesstrafe dafür ist unzulässig." Seine Begründung: Auch ein Verbrecher behält seine Menschenwürde. Und diese Rede zum 25. Jahrestag des Katechismus hat offenbar die Maschinerie der Kurie angeworfen. Zuvor schon hatte auch Franziskus in den USA entschieden gegen die Todesstrafe Stellung bezogen, nämlich bei seiner Rede vor dem amerikanischen Kongress. Mit einer unklaren Formulierung in der eigenen Glaubenslehre konnte er es da nicht auf sich beruhen lassen. Entscheidend ist nun das Zeichen in die Welt: Wir sind dagegen.

Bisher hieß es im Katechismus: "Die Kirche erkennt das Recht des Staates an, (…) der Schwere des Verbrechens angemessene Strafen zu verhängen, ohne in schwerwiegendsten Fällen die Todesstrafe auszuschließen." Jetzt ist die Formulierung dagegen wunderbar klar: "Die Todesstrafe ist unzulässig, weil sie gegen die Würde der Person verstößt." Und: "Die Kirche setzt sich mit Entschiedenheit für deren Abschaffung in der ganzen Welt ein."  

Das sind klare Worte. Wer, wenn nicht der Papst, das Oberhaupt von 1,3 Milliarden katholischen Christen kann damit kommen? Der Papst macht damit seinem Amt alle Ehre – als "Global Player der Moral".

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