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StartseiteCampus & KarriereProfessuren bleiben eine Männerdomäne11.10.2016

Frauen im Wissenschaftsbetrieb Professuren bleiben eine Männerdomäne

Kurz nach der Promotion endet für viele Frauen die Karriere im wissenschaftlichen Betrieb. Die meisten Professuren sind männlich besetzt, besonders in naturwissenschaftlichen Bereichen, wie jetzt noch mal eine Studie der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz belegt hat. Eine Initiative des Bundesbildungsministeriums will das ändern.

Von Azadê Peşmen

(picture-alliance / dpa / Jens Kalaene)
Im Studium und der Promotion halten sich Männer und Frauen die Waage. Mit Habilitation und Professur klafft dann die Schere auseinander. (picture-alliance / dpa / Jens Kalaene)
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"Wenn ich solche Studien lese, dann denke ich immer: schockierend, aber nicht wirklich überraschend. Weil eigentlich wissen das alle, aber da reden wir nicht drüber oder aber come on, dann ist es halt so, dann sind halt die Männer besser qualifiziert oder haben eine höhere Motivation und so weiter", sagt die Professorin Dr. María do Mar Castro Varela. Sie lehrt an der Berliner Alice Salomon Hochschule Allgemeine Pädagogik und Soziale Arbeit. Dem Durchschnitt entspricht sie nicht, wie die aktuellen Zahlen der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz zu "Frauen in Hochschulen und außerhochschulischen Forschungseinrichtungen" belegen.

Die Gesamtzahl der Frauen, die an Hochschulen immatrikuliert sind, liegt mit den männlichen Studierenden gleichauf. Auch bei den Studienabschlüssen haben Studentinnen aufgeholt. Je höher aber die Besoldungsgruppen der Professuren sind, desto geringer ist der Anteil an Professorinnen. Aktuell liegt er bei rund 18 Prozent. Das diese Zahl so niedrig ist, liege auch an den hierarchischen Strukturen der Universitäten, meint Castro Varela: "Dazu kommt, dass ich nach wie vor finde, dass die Reproduktion der akademischen Elite in Deutschland sowieso nach wie vor noch sehr stark feudalen Prinzipien folgt, weil wenn man dann irgendwie einen Mentor hat, der wird auch dafür sorgen, dass man dann eine Stelle bekommt."

Förderung hilft nur bestimmten Frauen

Nicht alle verfügen über Netzwerke, die es ihnen erleichtern, einen Platz im Elfenbeinturm zu finden. Entsprechend groß sei der Konkurrenzdruck im akademischen Mittelbau. Dort gebe es verhältnismäßig viele Frauen. Allerdings werden diese Stellen schlecht bezahlt und sind meist befristet. Damit mehr Wissenschaftlerinnen eine Professorenstelle besetzen können, hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung das Professorinnenprogramm ins Leben gerufen. Hochschulen aus ganz Deutschland können sich mit Gleichstellungskonzepten bewerben, um die Berufung von Frauen zu fördern. Mechthild Koreuber, Vorstandsmitglied von der Bundeskonferenz der Frauenbeauftragten und Gleichstellungsbeauftragten an Hochschulen, findet dieses Programm wichtig: "In dieser Verknüpfung von einerseits Berufung von Frauen und andererseits Verwendung von Gleichstellungsmaßnahmen ist eine Idee umgesetzt worden, dass es nicht nur um eine Individualförderung, um die Förderung einzelner Frauen gehen kann, sondern dass es immer auch darum geht, strukturelle Maßnahmen zu entwickeln."

Dass diese strukturellen Maßnahmen nötig sind, zeigen die aktuellen Zahlen der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz. Das Professorinnenprogramm sieht María do Mar Castro Varela trotzdem kritisch, denn es komme nur bestimmten Frauen zu Gute: "Ich meine, ich sitze jetzt auch an einer Hochschule mit dem Schwerpunkt soziale Arbeit, das heißt, wir gucken eigentlich immer an den sogenannten Rändern und überlegen uns, warum solche Sachen sich immer wieder reproduzieren und es ist natürlich eine bestimmte und da würde ich mal sagen Frauen, die aus einer immer noch sehr bürgerlichen Gruppe kommt und weiß und deutsch sind, sich dann auch schnell durchsetzen können und die profitieren von diesem Programm. Das ist das einzige, das mich daran stört."

Die Bewerbung einer Universität für das Professorinnenprogramm ist nicht verpflichtend, sondern hängt von der Eigeninitiative ab, die meist von der jeweiligen Frauenbeauftragten einer Hochschule ausgeht. Mechthild Koreuber bleibt optimistisch, dass sich das Programm – und damit auch die Gleichstellung der Frauen im wissenschaftlichen Betrieb - auch in der Zukunft durchsetzen wird: "Man kann sich dem eigentlich gar nicht mehr entziehen. Eine Hochschule, die ignoriert, dass es dieses Programm gibt, die ist einfach nicht mehr auf dem Stand der Diskussion und das bedeutet auch ein Stück Reputationsverlust. Sich nicht daran zu beteiligen oder ein schlechtes Gleichstellungskonzept einzureichen. Und neben - das muss man ganz klar sagen - neben der harten Währung, nämlich Geld für Projekte und so weiter, ist Reputation ein ganz wichtiger Faktor innerhalb der Wissenschaft und innerhalb der Hochschulen."

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