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StartseiteKalenderblattErneute Weihe vor zehn Jahren 30.10.2015

Frauenkirche in Dresden Erneute Weihe vor zehn Jahren

Am 30. Oktober 2005 war es soweit: 60 Jahre nach ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde die aus Trümmern wieder errichtete Dresdener Frauenkirche erneut geweiht. Seitdem versteht sich das Gotteshaus als Symbol für Frieden und Völkerverständigung weltweit.

Von Regina Kusch

Die Dresdner Frauenkirche (picture alliance / dpa)
Sie wird oft mit dem Petersdom in Rom verglichen und ist für ein evangelisches Gotteshaus ungewöhnlich prachtvoll: die Frauenkirche in Dresden. (picture alliance / dpa)

Spender aus aller Welt hatten über 100 Millionen Euro zusammengetragen. England schenkte den Dresdenern das goldene Turmkreuz auf der Kuppel als Zeichen der Versöhnung. Nach gut zehnjährigem Wiederaufbau wurde die Dresdener Frauenkirche am 30. Oktober 2005 in einem Festakt wieder in den Dienst der evangelischen Kirche gestellt. Der amtierende Bundespräsident Horst Köhler nannte sie ein Signal gegen den Krieg.

"Dieser wunderbare Bau ist mehr als ein Gebäude. Er steht für das Gute, das uns eint. Die Dresdener Frauenkirche kann uns Kraft geben, uns gemeinsam und grenzenlos noch stärker für Frieden und Versöhnung einzusetzen."

Die Frauenkirche hatte schon immer eine hohe symbolische Bedeutung. Sie wird oft verglichen mit dem Petersdom in Rom und ist für ein evangelisches Gotteshaus ungewöhnlich prachtvoll. Sie war ein Protestbau gegen den Katholizismus, erklärt der Berliner Architekturhistoriker Christian Freigang.

"Sachsen verstand sich als das Zentrum des Protestantismus. 1697 ist August der Starke aus rein machtpolitischen Gründen zum Katholizismus übergetreten, denn er ist polnischer König geworden. ... Und nun hat sich die Stadt gleichsam gegen den Hof entschlossen, die alte spätgotische Pfarrkirche, die alte Frauenkirche in dieser überaus ambitionierten Form neu zu errichten."

Gut 200 Jahre prägte die Frauenkirche das barocke Stadtzentrum Dresdens

1722 wurde der Zimmermann George Bähr mit der Planung beauftragt. Er entwarf auf einem kleinen Baugrund, etwa in der Größe eines halben Fußballfeldes, ein achteckiges Gebäude mit einem runden Innenbau, eingerahmt von vier Ecktürmen. Krönung seines Werks war die 67 Meter hohe, glockenförmige steinerne Kuppel, der eine Aussichtsplattform, die sogenannte Laterne aufgesetzt wurde. Gut 200 Jahre prägte die Frauenkirche das barocke Stadtzentrum und die Silhouette Dresdens, bis sie in Folge der angloamerikanischen Bombenangriffe im Februar 1945 zusammenbrach. Während der DDR-Zeit blieb sie als Ruine liegen. Die SED hatte vor, das Terrain zu schleifen und dort Neubauten zu errichten.

"Dagegen standen die Interessen einer einerseits städtischen Öffentlichkeit, soweit das vorhanden war, der evangelischen Kirche und einem geschickt agierenden Denkmalpfleger, Hans Nadler. Er hat die verbliebene Ruine definiert als ein Friedensdenkmal gegen den amerikanischen Imperialismus, für die Politik des Sozialismus. Und insofern konnte dann tatsächlich die zerstörte Kirche als Mahnmal überleben."

An einen Wiederaufbau dachte das DDR-Regime nie. Erst mit der Wende erfüllten sich diese Hoffnungen der Dresdener. 1994 begann eine archäologische Rekonstruktion. Alle brauchbaren alten Steine wurden aussortiert, nummeriert und in den Neubau integriert.

"Ganz bewusst wurde der eigentliche Neubau mit den neuen Steinen in einem helleren Stein gehalten, während das Alte mehr oder weniger dunkelgrau oder schwarz erscheint. Man hat es ganz geschickt eingebunden in eine weitere Erinnerungskultur. So gibt es beispielsweise eine Partnerschaft mit Coventry, und das ist deswegen ganz wichtig, weil Coventry von den Nazis zerstört wurde, und aus der zerstörten Kathedrale englischerseits auch ein Denkmal gegen den Krieg geworden ist."

Als 2005 zum 60. Jahrestag der Zerstörung der Dresdener Altstadt Rechtsextreme Hassparolen gegen USA und England skandierten, öffnete die fast fertiggestellte Frauenkirche ihre Pforten für Friedensdemonstranten. Und der Sprecher der Stiftung Frauenkirche, Eberhard Burger erklärte, sie sei nicht nur mehr ein Symbol gegen Krieg, sondern auch gegen Rechtsextremismus und Intoleranz.

"Damit eine gute Nachricht aus Dresden kommt. Es soll ein Zeichen sein gegen die Brandstifter von heute. Und wenn auf einer Fläche von ungefähr 200 Quadratmetern die abgestellten Kerzen dann den Kirchraum erleuchten, dann ist das glaub ich das Zeichen, dass für 99 Prozent der Dresdener steht, dass wir froh sind, dass wir die Frauenkirche wieder haben und dass wir froh und dankbar sind über unsere Freundschaft zu den Völkern, mit denen wir einst feindlich gegenüber standen."

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