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StartseiteForschung aktuellFrei verfügbare Navigation12.08.2008

Frei verfügbare Navigation

Konkurrenz zu Google Maps als Graswurzelbewegung

Technik. - Es ist fast ein Naturgesetz: Kommerzielle Internetgiganten rufen eine Graswurzel-Gegenbewegung hervor. So geht es derzeit Google, dessen Kartenprodukt das openstreetmap-Projekt ausgelöst hat. Wie die Online-Enzyklopädie Wikipedia setzt das Projekt auf die Mitarbeit von Freiwilligen.

Von Anja Braun

Navigation und Kartendienste sind nicht nur die Domäne von kommerziellen Anbietern. (AP)
Navigation und Kartendienste sind nicht nur die Domäne von kommerziellen Anbietern. (AP)

Für sein Hobby braucht der 27-jährige Frederik Ramm nur ein GPS-Gerät und einen kleinen Notizblock in der Tasche seiner Jeans. Das Navigationsgerät hat die Größe eines Handys und auf dem Display ist zu sehen, wo wir gerade stehen.

"Wollen wir mal schauen ob wir vielleicht eine Strasse finden, die bei openstreetmap noch fehlt, Ich schalte das GPS jetzt mal ein, dann fängt es sofort an Satelliten zu suchen und es wird dann auch gleich anfangen – weil wir es so eingestellt haben - den track aufzuzeichnen. Das heißt einmal pro Sekunde zeichnet es unsere Position auf. Wenn ich das später in den Editor lade, dann sehe ich so eine kleine Linie, die halt da verläuft, wo ich langgegangen bin. Und wenn ich an bestimmten Positionen vorbeikomme wie z.B. Briefkasten oder Hauskreuzung oder so was, dann drücke ich hier den waypoint-Knopf an dem GPS und dann markiert es die Position."

Frederik Ramm ist ein Mapper - so nennen sich die Hobbykartographen im Internet. Davon gibt es allein in Deutschland rund 6000, die täglich mit ihrem GPS-Gerät unterwegs sind. Ramm:

"So jetzt kommen wir hier an so eine kleine Treppe, da geht es also hoch zur Bank. Wir geben uns immer sehr viel Mühe, um so etwas wie Treppen, Stufen, Rampen und so weiter auch korrekt einzutragen, um nachher auch so Leuten wie Rollstuhlfahrern oder Leuten, die mit Kinderwagen unterwegs sind, ein ordentliches Kartenbild zu geben."

In Frederik Ramms Büro sind die Wände voll mit Kartenausdrucken aus open street map. Am Fenster steht sein Rechner, hier lädt der Wirtschaftsingenieur die GPS-Daten zunächst auf den zentralen Server der open street map. In einem weiteren Schritt ergänzt er sie dann –das heißt, er ordnet den einzelnen Linien, mit denen das Navigationsgerät seine Route aufgezeichnet hat, Eigenschaften zu als Straßen, Flüsse, Parkplätze oder Waldgebiete. In der Feinbearbeitung kann er schliesslich im Editor noch Dinge wie Spielplätze, Briefkästen oder Treppenstufen eingeben. Ist alles hochgeladen, so steht der neue Kartenteil für alle Nutzer zur Verfügung. 40.000 Mapper helfen weltweit mit, die Vision einer freien Weltkarte zu erfüllen. Bis zur Vollständigkeit ist es jedoch noch weit. Ramm:

"Wir haben zum Beispiel in China fast keine Daten, weil in China GPS Geräte verboten sind. Das macht natürlich die Arbeit unserer Leute dort relativ schwierig. Die dürfen sich nicht erwischen lassen."

Und nicht nur auf anderen Kontinenten finden sich weiße Flecken, auch der ländliche Raum Deutschlands weist noch leere Stellen auf. Da enden Strassen und Wege einfach im Nichts. Deshalb wirbt die openstreetmap-Community weiter um Mitmacher. Ähnlich wie bei der Internet-Enzyklopädie Wikipedia kann jeder eintragen, was er für wichtig hält. Strassen, Fußwege, Brücken aber auch Briefkästen, Spielplätze, Parkbänke oder Skilifte. open street map gehört niemandem oder allen - und ist unverkäuflich - versichert Frederik Ramm. Jeder Nutzer habe quasi das Recht an der von ihm eingetragenen Strasse, stelle dies aber umsonst und unwiderruflich der Welt zur Verfügung. Zu den Hobbykartographen im Internet gehört auch der Karlsruher Programmierer Jochen Topf. Der 30jährige hat sich vor zwei Jahren an der Idee einer freien Weltkarte angesteckt und geht kaum noch ohne GPS-Gerät aus dem Haus. Den größten Vorteil im Vergleich zu Google maps sieht Jochen Topf darin,

"dass wir nicht nur Karten haben, sondern wir haben die Rohdaten- wir haben die Daten, aus denen dann die Karten gemacht werden und aus denen man aber auch viele andere Sachen machen kann. Und das ist etwas, was google maps nicht bietet. Google hat den Ansatz, - man bekommt die Karte, aber nur so, wie die sich vorstellen, dass die Karte aussehen soll. Und wenn ich die rohen Daten habe, kann ich damit machen, was ich möchte. Das heißt, ich kann eigene Karten zeichnen, aber ich kann auch statistische Auswertungen machen, die Karte dann mit anderen Daten verschneiden, wenn man statistische Informationen hat."

So kann man einen Stadtplan für Rollstuhlfahrer erstellen- indem man sich auf der Karte Hindernisse wie Treppen und die Qualität der Strassen und Wege angeben lässt. Städte und Kommunen können aus dem freien Kartenmaterial spezielle Stadtpläne – zum Beispiel für Eltern mit Kleinkindern basteln, da viele mapper auch Spielplätze verzeichnen. Und natürlich hoffen die open-street-mapper darauf, dass in Zukunft auch eine Anwendung im Navigationssystem von Autos möglich sein wird. Heute jedoch hat die freie Weltkarte dafür noch zu viele weiße Flecken.

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