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StartseiteMusikjournalRatzke: Vielen Musikern droht Altersarmut25.06.2018

Freie EnsemblesRatzke: Vielen Musikern droht Altersarmut

Viele freiberufliche Musiker hätten durch ihr oft geringes Einkommen zu wenig Geld im Alter, sagte Tanja Ratzke vom neu gegründeten Verein FREO im Dlf. FREO vertritt die Interessen von freien Ensembles und Orchestern in Deutschland. Künstler seien mit dem immer komplexeren Management häufig überfordert.

Tanja Ratzke im Gespräch mit Jochen Hubmacher

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Der Geigenhändler Jost Thöne hält am 28.11.2016 in Bedburg (Nordrhein-Westfalen) eine Geige in der Hand.  (picture-alliance / dpa / Oliver Berg)
Freie Musiker verdienen oft wenig - ihnen droht die Altersarmut, so Tanja Ratzke im Dlf (picture-alliance / dpa / Oliver Berg)
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Etwa 30 Jahre gebe es die wachsende Szene der freien Ensembles. Einige Mitglieder seien von Anfang an dabei "und haben somit so einen gesamten Lebenszyklus so eines Ensembles altersmäßig fast durchlaufen", so Tanja Ratzke, kaufmännische Geschäftsführerin des Freiburger Ensembles Recherche. Sie gingen also in Rente - und manche von ihnen "nicht so hoffnungsfroh wie vielleicht andere in Rente gehen, denn bekanntermaßen ist das Leben als freiberuflicher Musiker nun nicht gerade ein ausschweifendes und man hatte unter Umständen auch nicht so viele Möglichkeiten, für die Altersrücklage zu sorgen."

Sie fürchte, vielen Musikern drohe die Altersarmut, denn die Einkommen freier Musiker seien sehr gering. Manche von ihnen hätten vermutlich noch andere Einkünfte, "aber es bleibt doch schwierig, als Freiberufler für sich selber zu sorgen und in die Sozialkassen einzuzahlen."

Lösungen mit Kulturpolitik finden

Im Musikbetrieb der freien Ensembles gebe es sowohl gemeinnützige GmbHs und Vereine, aber auch Gesellschaften bürgerlichen Rechts - die typisch deutsch seien. "Deswegen gibt es wenige Modelle, wie man diese Einzel-Selbstständigen, die sich wiederum zu Gesellschaften zusammentun, ausreichend versorgen kann. Da sind wir auch wirklich drauf angewiesen, zusammen mit der Kulturpolitik und mit der Sozialpolitik Lösungen zu finden."

Die freien Ensembles würden immer internationaler, so Ratzke weiter. "Das empfinden alle immer als große Bereicherung." Daraus ergäben sich allerdings steuer- und sozialrechtliche Probleme. Die Auflagen ließen sich bürokratisch bei einer Gruppe von Freiberuflern gar nicht verwalten.

Strukturen bei Geldgebern noch nicht angekommen

Mit dem komplexen Management seien Musiker oft überfordert, meint Tanja Ratzke. "Tatsächlich ist es so, dass in vielen, gerade kleinen Ensembles Management-Aufgaben und musikalische Aufgaben zeitweise in Personalunion stattfinden, was aber sehr schnell zu einer Überforderung führt." Wer könne, leiste sich ein Management, was aber auch finanziert werden müsse. Diese ständigen Strukturen seien im Bewusstsein der Förderer und öffentlichen Institutionen und Geldgeber noch gar nicht angekommen.

Zwischen festen und freien Ensembles gebe es viel Solidarität, "aber die Verteilungskämpfe gibt's natürlich immer." Die Tarifvereinbarungen bei den tarifvertraglichen Kulturorchestern sorgten regelmäßig für Lohnsteigerungen. Das führe in den Landeshaushalten aber dazu, dass die Projektmittel zusammenschrumpften. "Das Projektgeld wird weniger und damit auch die Förderung für die Freien."

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