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StartseiteCampus & Karriere„Man hat das Gefühl, Dinge bewegen zu können“01.10.2019

Friedemann Görl, Verantwortlicher für Fußverkehr„Man hat das Gefühl, Dinge bewegen zu können“

Seit Januar 2018 arbeitet Friedemann Görl als Fußverkehrsverantwortlicher für die Stadt Leipzig. In „Campus & Karriere“ erzählt der 29-Jährige, warum ihm sein Engagement in der studentischen Selbstverwaltung beim Berufseinstieg geholfen hat.

Von Claudia Euen

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Friedemann Görl (Deutschlandradio / Claudia Euen)
Friedemann Görl ist Fußverkehrsverantwortlicher in Leipzig (Deutschlandradio / Claudia Euen)
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Wie viel verdienen Sie?

"Ich arbeite hier in der Stadt Vollzeit, in einer unbefristeten Stelle und verdiene derzeit 3.600 Euro Brutto. Mit einem städtischen Gehalt kommt man sehr gut über die Runden. Ich selbst wohne auch noch in einer WG, sodass die Kosten, die man für eine Miete ausgibt, relativ gering sind. Aber man sieht natürlich auch, dass sich das in der letzten Zeit verändert, dass man immer mehr Geld für Wohnraum ausgeben muss."

Jemand geht eine Treppe hinauf und wirft Schatten (imago images / alimidi)In der Reihe "Karrierestart" erzählen junge Menschen, wie sie den Start in den Beruf erlebt haben (imago images / alimidi)

Was war beim Berufseinstieg anders als erwartet?

"Es ist immer anders als in der Beschreibung, weil in der Beschreibung ist es meistens bloß drei, vier, fünf Zeilen. Und dann stellt man fest, dass es noch viel, viel mehr ist und es gar nicht auf einen A4-Zettel passt, was alles dazu gehört. Ich habe in Leipzig meinen Bachelor gemacht und in Halle meinen Master. In der Geografie hat man mit sehr vielen Dingen zu tun: Klimawandel bis Bodenprofile graben, aber auch Stadt- und Raumplanung. Diese ganze Mischung befähigt einen, ein bisschen derjenige zu sein, der die Fäden von allen möglichen Seiten zusammenziehen kann. Und das ist sozusagen auch das, was ich aus dem Studium mitgenommen habe, das ist auch sehr praktisch hier auf Arbeit."

Was an Ihrem Job macht Spaß?

"Am meisten Spaß macht, dass man das Gefühl hat, Dinge bewegen zu können. Manchmal sind es auch kleine Dinge, wie etwa dass baulich etwas umgesetzt worden ist, wo sich vorher bei mir eine Seniorin gemeldet hat, dass sie auf dem Weg zum Bäcker die Bordsteine abgesenkt braucht, ansonsten kommt sie nicht mehr zum Bäcker. Und wenn man dann sieht, dass das umgesetzt wird, das macht einem Spaß, weil man dann auch positives Feedback bekommt."

Friedemann Görl in seinem Büro (Deutschlandradio / Claudio Euen)Friedemann Görl in seinem Büro (Deutschlandradio / Claudio Euen)

Was an Ihrem Job nervt manchmal?

"Ganz klar, in der öffentlichen Verwaltung ist die Bürokratie ein sehr großer Faktor. Das nervt auch manchmal, weil man sehr vieles schriftlich, mit Unterschrift, doppelt und Ämterumlauf und et cetera, das kann sehr viel Zeit fressen und das nervt natürlich manchmal auch."

Wurden Sie für den Joballtag gut ausgebildet?

"Während des Studiums habe ich mich in der studentischen Selbstverwaltung sehr aktiv eingebracht. Wo ich bei vielen Themen auch mit unterschiedlichen Meinungen konfrontiert war, bestimmte Dinge aushalten musste, verhandeln musste, das sind sozusagen auch Softskills, die man auch hier braucht, wenn es darum geht, mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen, Sachen zu erklären, auch Hinweise aufzunehmen, sozusagen der Mediator, der Moderator zu sein."

Und sonst so?

"Also hehres Ziel von der Stelle des Fußverkehrsverantwortlichen ist es eigentlich, dass man mich irgendwann nicht mehr braucht, weil integriert, geplant und gedacht wird, dass alle Verkehrsarten gleichberechtigt in die Planung einfließen. Wenn das Ziel erreicht ist, braucht man mich gar nicht mehr, dann kann ich mir einen neuen Job suchen und mich obsolet machen."

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