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StartseiteKalenderblattFriedenstöne vor dem Weltkrieg26.01.2009

Friedenstöne vor dem Weltkrieg

Vor 75 Jahren unterzeichnen Deutschland und Polen einen Nichtangriffspakt

Mit dem deutschen Überfall auf Polen begann der Zweite Weltkrieg. Das Verhältnis zu Polen war schon zu Zeiten der Weimarer Republik angespannt, eine Folge des Versailler Vertrages: Seine Grenzziehung empörte deutsche Politiker aller Parteien. Umso überraschender war es, dass Hitler, ein Jahr nach der Machtübernahme, mit Polen einen Nichtangriffspakt schloss - am 26. Januar 1934.

Von Georg Gruber

"Ich glaube an einen langen Frieden", beteuert Hitler noch kurz vor Kriegsbeginn. (AP-Archiv)
"Ich glaube an einen langen Frieden", beteuert Hitler noch kurz vor Kriegsbeginn. (AP-Archiv)

"Die deutsche Regierung und die polnische Regierung halten den Zeitpunkt für gekommen, um durch unmittelbare Verständigung von Staat zu Staat eine neue Phase in den politischen Beziehungen zwischen Deutschland und Polen einzuleiten."

"Unter keinen Umständen", so heißt es im deutsch-polnischen Nichtangriffspakt vom
26. Januar 1934 weiter, werde man bei Streitfragen "zur Anwendung von Gewalt schreiten". Der Pakt war auf zehn Jahre befristet.

"Deutsche und Polen werden sich mit der Tatsache ihrer Existenz gegenseitig abfinden müssen."

Adolf Hitler am 30. Januar 1934.

"Mögen in der Zukunft die Differenzen zwischen den beiden Ländern sein wie sie wollen, der Versuch, sie durch kriegerische Aktionen zu beheben, würde in seinen katastrophalen Auswirkungen in keinem Verhältnis stehen zu dem irgendwie möglichen Gewinn."

Adolf Hitler vollzog damit, ein Jahr nach der Machtübernahme, eine überraschende außenpolitische Kehrtwende. Eine solche Vereinbarung wäre zu Zeiten der Weimarer Republik undenkbar gewesen. Polen war erst nach dem Ersten Weltkrieg als selbstständiger Staat wieder auferstanden, nach Jahrzehnten der Teilung. Dafür hatte Deutschland, so war es im Versailler Vertrag festgelegt, Gebiete abtreten müssen: Posen und den größten Teil Westpreußens, nach eine Volksabstimmung auch halb Oberschlesien. Danzig war "Freie Stadt" geworden. Der Streit um die Grenzziehung sowie um die Rechte deutscher Minderheiten hatte die deutsch-polnischen Beziehungen schwer belastet.

Adolf Hitler konnte sich, propagandistisch, mit dem Nichtangriffspakt als friedliebender Staatsmann geben - nachdem Deutschland im Herbst 1933 demonstrativ den Völkerbund verlassen hatte. Polen, das von Marschall Pilsudski autoritär geführt wurde, fühlte sich von der Sowjetunion und von Deutschland bedroht. Das Abkommen, ein Schritt in Richtung Sicherung der Grenzen, wurde in Polen dennoch skeptisch aufgenommen, so schrieb der "Kurjer Poznanski":

"Wir halten es für unsere Pflicht, im Volke die Überzeugung aufrechtzuerhalten, dass Deutschland die Bestimmungen nur so lange achten wird, solange sie ihm nützlich sein werden. In dem Augenblick aber, in dem Deutschland der innere Zustand und die außenpolitische Situation reif erscheinen für ein entschiedenes Auftreten im Osten, wird es sich durch keine Rücksichten mehr gebunden betrachten."

Zeitweilig wurde Polen von Hitler sogar die Rolle eines Juniorpartners zugedacht, als Bundesgenosse gegen die Sowjetunion. Im Herbst 1938, nach dem Anschluss Österreichs und der Annexion des Sudetenlandes, sah Hitler dann die Zeit gekommen, Polen unter Druck zu setzen: Danzig solle wieder deutsch werden und über eine Reichsautobahn sowie eine mehrgleisige Eisenbahnlinie mit dem Deutschen Reich verbunden werden. Polen sah seine Unabhängigkeit gefährdet und lehnte ab. Damit war die fragile deutsch-polnische Freundschaft zu Ende, trotz gegenteiliger Reden:

"Ich aber glaube an einen langen Frieden."

Adolf Hitler am 30. Januar 1939.

"In diesen Tagen jährt sich zum fünften Mal der Abschluss unseres Nichtangriffspaktes mit Polen. Über den Wert dieser Vereinbarung gibt es heute unter allen wirklichen Friedensfreunden wohl kaum eine Meinungsverschiedenheit. Man brauchte sich nur die Frage vorlegen, wohin vielleicht Europa gekommen sein würde, wenn diese wahrhaft erlösende Abmachung vor fünf Jahren unterblieben wäre."

Als die deutsch-polnischen Spannungen offenkundig wurden, reagierte der britische Premierminister Chamberlain mit einer Garantieerklärung für Polen. Adolf Hitler warf daraufhin der Regierung in Warschau den Bruch des Nichtangriffspaktes vor. In einer geheimen Besprechung mit den obersten Befehlshabern der Wehrmacht erklärte er im Mai 1939:

"Nach sechs Jahren ist die heutige Lagen folgende: Nationalpolitische Einigung der Deutschen ist erfolgt außer kleinen Ausnahmen. Weitere Erfolge können ohne Blutvergießen nicht mehr erzwungen werden. Danzig ist nicht das Objekt um das es geht. Es handelt sich für uns um die Erweiterung des Lebensraumes im Osten. Es entfällt also die Frage, Polen zu schonen, und bleibt der Entschluss, bei erster passender Gelegenheit Polen anzugreifen."

Nach dem Hitler-Stalin-Pakt vom 24. August 1939 war schließlich der Zeitpunkt gekommen für den deutschen Überfall auf Polen.

"Seit 5 Uhr 45 wird jetzt zurück geschossen."

1. September 1939, an diesem Tag begann der Zweite Weltkrieg.

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