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StartseiteUmwelt und VerbraucherFrisch vom Markt04.02.2005

Frisch vom Markt

Linsen

<strong>Frischgemüse wird teurer, doch es gibt auch Gemüse in getrockneter Form. Zum Beispiel Linsen, die Linsensuppe ist bei uns ein typisches Wintergericht. Früher wurden Linsen auch in Deutschland in großem Maßstab angebaut. Heute kommen sie meist aus Spanien oder Russland, aus Amerika oder Vorderasien. Den Grund dafür und weitere Informationen rund um die Linse erfahren Sie jetzt in unserer Reihe "Frisch vom Markt".</strong>

Von Carolin Hoffrogge

Weiße und rote Linsen (AP Archiv)
Weiße und rote Linsen (AP Archiv)

Das ist jetzt eine sehr feine Linse hier, ich höre es jetzt selbst schon beim Klöttern, das klingt nach mildem Regen. Die Farben, gibt`s alles, von babypoporosa bis schwarz, fast Grüne dazwischen, Gesprenkelte.


Seit drei Jahren beschäftigt sich der Landwirt Bernd Horneburg an der Universität Göttingen mit Linsen in all ihrer Vielfalt. Und die findet man nicht nur in Horneburgs Forschungslabor und Saatgutlager, sondern auch erntefrisch im Regal des kleinen Naturkostladens in der Göttinger Innenstadt. Verkäuferin Katrin Bogislaw steht vor dem bunten Linsenreigen.

Wir haben hier rote Linsen, die ganz normalen braunen Linsen, die man so zu diesem normalen Linseneintopf nimmt, wir haben Beluga Linsen, die werden auch Kaviarlinsen genannt, die kann man ganz wunderbar als Beilage nehmen, die haben eine ganz schwarze Färbung, deswegen auch der Name Kaviarlinsen. Wunderbar, zum Beispiel zu Gemüse oder Kartoffeln.

Grüne Linsen, rote Linsen, braune Linsen, schwarze Linsen. Die Pui- und Champagner Linsen kommen aus Frankreich, die Kaviar- Linsen sind aus Kanada eingeflogen, die roten Linsen per Schiff aus der Turkei nach Deutschland gekommen. Leider sind alle Linsen in dem Göttinger Naturkostladen importiert, bedauert Bernd Horneburg. Damit auch hierzulande heimische Bauern wieder die Linse anbauen, forscht Horneburg am Institut für Pflanzenbau der Universität Göttingen zu Anbaumethoden.

Vor hundert Jahren hatten wir 40.000 Hektar Linsenanbau in Deutschland, in dem damaligen deutschen Reich. Und jetzt ist der Anbau vielleicht ein 1000stel davon, 40 Hektar. Ganz überwiegend im Biobereich.

Die Linse ist sehr anspruchslos, sie lässt sich gut auf mageren, kalkhaltigen Böden anbauen. Bernd Horneburg:

Viel Thüringen, viel schwäbische Alp. Flachgründig, schlechte Wasserversorgung. Da wurden die Linsen angebaut. Im wesentlichen, weil da keine anderen Früchte wuchsen, Linsen sind sehr anpassungsfähig, können extreme Bodenbedingungen und Witterungsbedigungen aushalten, das ist ihre große Stärke. Das sind aber auch die Gebiete, wo man nicht einfach mit dem Mährdrescher fahren kann.

Vor 100 Jahren hatten viele Menschen noch die Linse in ihrem Gemüsegarten stehen. Heute ist das aus der Mode gekommen, so Agraringenieur Horneburg. So anspruchslos, wie die Linse im Wuchs ist, so anspruchsvoll ist sie bei der Ernte:

Damals wurden die Linsen mit extrem viel Arbeitskraft, sicher auch Kinderarbeit angebaut, wurden gerauft, weil die wuchsen zu kurz als das man mit der Sense hätte schneiden können, was die angesagte Technik hätte sein können. Wurden dann im Winter gedroschen, mit dem Dreschflegel oder mit einem Beutel und wurden dann an den Winterabenden im Kreis der Familie verlesen. Also ein immenser Aufwand. Deswegen war die Linse eine Selbstversorgerfrucht und keine Handelsfrucht, wie zum Beispiel die Erbse, wenn man das vergleichen möchte.

Werden Linsen nur noch im großen Stil angebaut, so geht ihre genetische Vielfalt verloren, vor allem bei den europäischen Arten, wie beispielsweise bei der mährischen Linse mahnt Bernd Horneburg. Mit seinem Linsenprojekt will er nicht nur Biobauern, sondern auch Kleingärtner und Balkonbesitzer animieren, wieder Linsen –zumindest im kleinen Stil - anzubauen.

Die Pflanzen an sich, die werden nur 30 Zentimeter hoch. Linsen haben kleine Ranken, können sich damit aber mehr verharken als das sie wirklich wickeln und machen deswegen eine relativ dichte Matte eng am Boden.(...) Die Linse ist am ehesten mit einer Miniaturerbse zu vergleichen. Linsen sind sehr filigran, wenn man sie anguckt, ganz fein gestaltete schöne Pflanzen. Haben stark gefiederte Blätter.

Die Blüten der Linsenpflanze leuchten in wollweiß, durchzogen von kleinen blauen Äderchen. Das lässt jedes Gärtnerherz höher schlagen. Die Hülsenfrüchte bringen aber auch viel Gesundes auf den Teller, denn sie liefern eine ideale Nährstoffkombination aus pflanzlichem Eiweiß, Kohlenhydraten und geringem Fettgehalt. In Kombination mit Milch, Eiern oder Getreide können Linsen sogar Fleisch ersetzen.. Dabei birgt jede Linseart ihren eigenen Geschmack in sich, schwärmt Katrin Bogislaw.

Wenn man zum Beispiel die roten Linsen hat, die kann man einfach nur kochen mit Butter und Salz, als Beilage servieren, dann sind die ganz fein, intensiver vom Geschmack sind die Kaviarlinsen, die Belugalinsen. Die sind auch als Farbklecks ganz interessant auf dem Teller. Die schmecken so sehr schön nussig, überhaupt nicht deftig. Die sind richtig dunkelschwarz. Während die roten Linsen ihre Farbe verlieren, die werden so leicht orange, wenn man die zum Beispiel mit Curry so ein bisschen versetzten würde, dann hat man auch so was für`s Auge.

Als Brot, als Suppe, als Beilage, als Salat. Mit der Linse - frisch vom Markt – lassen sich jetzt in der Winterzeit viele Speisen zubereiten. Bernd Horneburg hat ein besonderes Leckerli kreiert: eine spezielle Variante der Schwarzwälder Kirschtorte.


Wir haben eben versucht, was Frühlingstorten ähnliches zu machen. Und sind dann darauf gekommen roten Mangold zu verwenden, Quark ist eine weitere Grundlage, Linsen sowieso und als Garnierung sehr kleine Wildtomaten, die es in rot und gelb gibt. Das hat nichts mit Kirschen zu tun, das sind die Kirschtomaten die oben drauf liegen. Sehr aufwendig, sehr lecker.

Damit die mit Quark und Tomaten verzierte Schwarzwälderkirschtorte aus Linsen nicht nur eine Gaumenfreude ist, sondern zudem leicht verdaulich wird, sollten die Bäcker und Köche die Linsen mit Kümmel zusammen kochen. Auch ein Schuss Essig hilft, erst gar keine Blähungen auftreten zu lassen.

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