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StartseiteNachrichten vertieftStreitbarer Unruhestifter26.02.2015

Fritz J. Raddatz gestorbenStreitbarer Unruhestifter

Der Literaturkritiker Fritz J. Raddatz ist tot. Er galt als einer der streitbarsten und eloquentesten Literaturkritiker Deutschlands. Im September vergangenen Jahres hatte er sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. In seiner Laufbahn führte Raddatz zahlreiche Interviews unter anderem mit Philosophen und Nobelpreisträgern.

Der Literaturkritiker Fritz J. Raddatz wurde 83 Jahre alt (imago stock&people)
Der Literaturkritiker Fritz J. Raddatz wurde 83 Jahre alt (imago stock&people)

Der langjährige Feuilletonchef der Wochenzeitung "Die Zeit" sei am Donnerstag im Alter von 83 Jahren gestorben, teilte der Rowohlt-Verlag in Hamburg mit. Raddatz sei ein Vollblutjournalist mit "überschäumendem Temperament" gewesen, der sich viele Feinde gemacht hat, sagte der Literaturkritiker Helmut Böttiger im Deutschlandradio Kultur. Zugleich war Raddatz "ein Typus von Feuilletonist, wie es ihn heute überhaupt nicht mehr gibt".

Raddatz schrieb mit spitzer Feder und ohne Weichzeichner, konnte verletzend und bösartig sein. Erst im vergangenen Jahr hatte er seinen Abschied vom Journalismus erklärt. "Ich habe mich überlebt", schrieb er in einem Artikel für "Die Welt". Raddatz veröffentlichte mehr als 25 Bücher - von Porträts und Biografien bis hin zu literarischen Reiseführern.

Einfluss und Anerkennung - aber auch Spott und Häme

Raddatz, geboren 1931 in Berlin,wuchs ohne Mutter auf. Seine Kindheit war überschattet von der brutalen Erziehung durch den Vater, einem preußischen Offizier. Nach der Schule studierte er unter anderem Germanistik, Geschichte und Theaterwissenschaften an der Humboldt-Universität in Ostberlin. Auf die Promotion 1954 folgte ein Cheflektorat im Ost-Berliner Verlag "Volk und Welt". Später siedelte er in den Westen über, war stellvertretender Leiter des Rowohlt-Verlags. 1977 löste er als Feuilletonchef der Zeit Dieter E. Zimmer ab. 

Mit seiner eitlen und mitunter gnadenlosen Art galt der "Unruhestifter" - so der Titel seiner Autobiografie - als streitbar und umstritten. In seinen Tagebüchern ging er mit Künstlern, Politikern und Kollegen hart ins Gericht. Der Schriftsteller Botho Strauß ist bei ihm eine "eisenharte Mimose" und ein überschätztes "Sensibelchen", Altkanzler Helmut Schmidt pflege "grässliches Oberlehrergequatsche" und Suhrkamp-Verleger Siegfried Unseld sei ein "Kotzbrocken".

Raddatz erntete während seiner Laufbahn Einfluss und Anerkennung, aber auch Spott und Häme. Etwa als ihn Ungenauigkeiten 1985 den Chefposten beim Feuilleton der "Zeit" kosteten - damals saß der Oberkritiker einem falschen Goethe-Zitat auf. Er selbst bezeichnete die Entlassung als "beruflichen Herzinfarkt", "hinausgeworfen wie ein Hund".

(nch/ach)

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