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StartseiteKalenderblattFrüher Einsatz für die deutsche Einheit06.12.2007

Früher Einsatz für die deutsche Einheit

Vor 60 Jahren begann der "Erste deutsche Volkskongress für Einheit und gerechten Frieden"

Ende 1947 hatte die Ära des Kalten Krieges begonnen. Dass von "einig Vaterland" nicht mehr die Rede sein konnte, zeigte sich immer deutlicher. Da rief die SED die Volkskongressbewegung ins Leben. Getragen von den Parteien des Antifaschistischen Blocks, hatte sich die Bewegung die Wiederherstellung der deutschen Einheit auf die Fahnen geschrieben.

Von Sylvia Conradt

Rosen stecken in einem Mauerschlitz an der Mauer-Gedenkstätte in der Bernauer Straße in Berlin. (AP)
Rosen stecken in einem Mauerschlitz an der Mauer-Gedenkstätte in der Bernauer Straße in Berlin. (AP)

"Wir melden uns aus dem Admiralspalast in Berlin, wo wir auf der rechten Seite hinter der Bühne stehen. Soeben begann der von der SED veranstaltete Kongress, der von seinen Initiatoren den Namen Volkskongress erhalten hat. "

berichtete der RIAS, der Rundfunk im amerikanischen Sektor, am 6. Dezember 1947.

Dem Aufruf der SED zum "Ersten Deutschen Volkskongress für Einheit und gerechten Frieden" waren rund 2000 Vertreter von Parteien, Verbänden und Massenorganisationen gefolgt. Die Mehrzahl der Delegierten kam aus der Sowjetischen Besatzungszone, aber auch aus den Westzonen waren Privatpersonen und Mitglieder der KPD angereist, um an dem zweitägigen "gesamtdeutschen" Kongress im Admiralspalast in der Friedrichstraße teilzunehmen. Als gleichsam vorparlamentarisches Gremium sollten die im Ostsektor tagenden Delegierten den Willen der Deutschen zur Einheit demonstrieren.

" Einige Hörer werden sich erinnern, dass vor ungefähr einer Woche die SED zu einem Kongress aufrief, der eine gesamtdeutsche Bekundung an die Londoner Außenministerkonferenz senden soll. "

Seit Ende November konferierten in London die Außenminister der alliierten Siegermächte wieder einmal über die Zukunft des besiegten Deutschland. Tatsächlich waren die Gegensätze zwischen den Westmächten und der Sowjetunion mittlerweile unüberbrückbar geworden. Eine Einigung über die so genannte deutsche Frage war ausgeschlossen. Immer deutlicher zeichnete sich ab, dass die USA, Großbritannien und Frankreich deshalb eine Teillösung des Deutschlandproblems anstrebten - die Gründung eines westdeutschen Staates.
Als Reaktion auf die "ausländischen Spaltungspläne" initiierte die SED die Volkskongressbewegung und war bemüht, sich als treibende Kraft der deutschen Einheit zu profilieren.

" Deutschland mangelt es nicht an Zonengrenzen, an Zonenabmachungen, an Ausschüssen und Reden, sondern Deutschland mangelt es an seiner wirtschaftlichen und politischen Einheit und an einer zentralen Regierung. (Beifall)"

Otto Grotewohl, gemeinsam mit Wilhelm Pieck Vorsitzender der SED.

" Das wahre Interesse Deutschlands besteht in seinem Kern in zwei Dingen: In seiner demokratischen Neugeburt und in ihrer Voraussetzung, nämlich einem gerechten Frieden. Dieses deutsche Interesse steht niemals und in keinem Punkte im Widerspruch mit den Interessen anderer Völker.
Wir rufen auch denen, die in dieser großen Volksbewegung noch nicht mitmarschieren, zu: Lasst durch den Deutschen Volkskongress für Einheit und gerechten Frieden Ulrich von Huttens Wort zur Tat werden: Der deutschen Zwietracht mitten ins Herz! (Bravo, Beifall).

(Reporter) Der Ausschließlichkeitsanspruch der SED, von sich aus allein im Namen Gesamtdeutschlands zu sprechen und Forderungen vorzutragen, stieß sofort auf den Widerspruch der anderen Parteien. "

So sahen etwa die Vorsitzenden und Mitbegründer der Ost-CDU, Jakob Kaiser und Ernst Lemmer, in dem "Volkskongress für Einheit und gerechten Frieden" nicht mehr als ein Propagandamanöver. Wenig später wurden sie auf Druck der Sowjetischen Militärregierung ihrer Posten enthoben, weil sie sich geweigert hatten, an der zweitägigen Veranstaltung teilzunehmen.

Die vom Volkskongress verabschiedete Resolution zur Wiederherstellung der deutschen Einheit konnte den in London tagenden Außenministern nicht überbracht werden, weil die Delegationsmitglieder keine Einreiseerlaubnis erhielten.

Im Frühjahr 1948 trat der "Zweite Deutsche Volkskongress" zusammen: Er wählte einen Deutschen Volksrat zur Ausarbeitung einer Verfassung, protestierte gegen die sich abzeichnende Gründung der späteren Bundesrepublik und forderte ein Volksbegehren für die deutsche Einheit in allen vier Besatzungszonen, das aber in den Westzonen verboten wurde. Der im Mai 1949, im Gründungsmonat der Bundesrepublik, einberufene "Dritte Deutsche Volkskongress" billigte die Verfassung und wählte den Zweiten Deutschen Volksrat, der sich am 7. Oktober 1949 als Provisorische Volkskammer der Deutschen Demokratischen Republik konstituierte.

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