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StartseiteWirtschaft und GesellschaftArbeitslosigkeit im April auf Rekordtief30.04.2019

FrühjahrsaufschwungArbeitslosigkeit im April auf Rekordtief

Die Zahl der Arbeitslosen ist auf den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung gesunken. Im April waren nur noch 4,9 Prozent der Erwerbsbevölkerung ohne Arbeit. Trotz der etwas schwächeren Konjunktur suchen viele Betriebe nach neuen Mitarbeitern.

Von Stanislaus Kossakowski

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Ein Mann steht hinter einer Stellwand für Stellenangebote (dpa/Sebastian Gollnow)
Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist weiter hoch (dpa/Sebastian Gollnow)
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Es ist ein saisonüblicher Aufschwung am Arbeitsmarkt. Das wärmer werdende Frühjahrswetter sorgte für mehr Neueinstellungen in der Baubranche, der Gastronomie und anderen Außenberufen. Der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, zeigt sich zufrieden.

"Mit der anhaltenden Frühjahrbelebung sind Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung im April erneut gesunken. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nimmt weiter zu und die Nachfrage der Betriebe nach neuen Mitarbeitern bewegt sich auf einem sehr hohen Niveau. Die deutsche Wirtschaft verliert an Schwung. Der Arbeitsmarkt zeigt sich gegenüber diesen konjunkturellen Schwächephasen jedoch robust.

Unterbeschäftigung sinkt

Die Unterbeschäftigung, die auch Personen in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen und in kurzfristiger Arbeitsunfähigkeit mitzählt, lag im April bei knapp 3,2 Millionen Menschen. Gegenüber März ist das ein Anstieg um 5.000. Im Vergleich zum Vorjahr aber ein Rückgang um über 150.000 Personen.

"Mithin sank die Unterbeschäftigung wieder stärker als die Arbeitslosigkeit. Das verzeichnen wir nun schon seit Monaten." 

Erneut angestiegen ist die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Rechnet man die saisonbedingten Effekte heraus, ergibt sich ein Zuwachs um 33.000 Stellen. Die Automobilindustrie und ihre Zulieferbetriebe sind in dieser Statistik nicht nennenswert verzeichnet. Dass die Branche wegen der Neuorientierung auf alternative Antriebe nun etwas schwächelt, sei bei den Arbeitsagenturen noch nicht zu spüren, sagt Behördenchef Scheele. Sein Blick fällt auf etwaige Anträge der Firmen auf Kurzarbeiterausgleichsgeld.

"Wir beobachten as ziemlich genau und ich kann auch sagen, dass wir unsere operativen Services darauf einstellen, im Zweifel bewilligungsfähig zu sein. Also: Wir prüfen das, ob wir auch sofort aktionsfähig sind. Das sind wir. Aber wir haben zur Zeit keine Antragssituation." 

Mehr Schwerbehinderte beschäftigt

Die Bundesagentur bilanziert im April auch die Lage von schwerbehinderten Menschen. Nach den jüngsten vorliegenden Zahlen waren im Jahr 2017 1,07 Millionen Menschen mit Handycap sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das sind rund ein Drittel mehr beschäftigte Menschen mit Behinderung als noch vor zehn Jahren, beschreibt Bundesagentur-Chef Scheele die Entwicklung:

"Zwischen 2007 und 2017 stieg die Zahl der beschäftigten schwerbehinderten Menschen um 267.000 auf 1,07 Millionen. Erfreulich ist, dass die Zahl der Schwerbehinderten-Beschäftigung stärker gestiegen ist als die Gesamtzahl der Menschen mit Schwerbehinderung im erwerbsfähigen Alter. Das zeigt: Das Beschäftigungswachstum ist nicht nur Folge der demographischen Entwicklung, sondern resultiert tatsächlich aus eine besseren Beschäftigungssituation."  

Die Arbeitgeber erfüllen jedoch die verpflichtende Beschäftigungsquote von 5,0 Prozent nicht, kritisiert die Bundesagentur. Vorstandsmitglied Valerie Holsboer fordert dazu auf, Betriebe und Behörden sollen Schwerbehinderte künftig stärker schon bei Neueinstellungen berücksichtigen – und nicht erst, wenn ein bislang unbeeinträchtigter Arbeitnehmer – z.B. nach Unfall oder Krankheit - eine Behinderung bekommt.

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