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StartseiteSonntagsspaziergangFür Herrchen, Frauchen und Vierbeiner08.06.2008

Für Herrchen, Frauchen und Vierbeiner

Die traditionsreiche "Country Show" im ostenglischen Peterborough

<strong>Seit über 200 Jahren wird die "East of England Show" im malerischen Kleinstädtchen Peterborough veranstaltet: Stolz präsentieren Landwirte die Produkte ihrer Tierzucht, begeistern sich Zuschauer an halsbrecherischen Stunteinlagen und locken zahlreiche Live-Konzerte von Jazz bis Pop.</strong>

Von Elke Drewes

nächste "East of England Country Show" in Peterborough lockt vor allem Städter auf das Land. (AP)
nächste "East of England Country Show" in Peterborough lockt vor allem Städter auf das Land. (AP)

Ein Besuchermagnet sind die Viehstalle am Rande des Showgeländes. In den Hallen warten Schweine, Schafe und Rinder auf ihren großen Auftritt und werden von ihren Besitzern sorgfältig heraus geputzt. In der Stallgasse steht Caron Guest mit dem Wasserschlauch und spritzt eine kleine schwarze Kuh ab. Die Dexters sind kleine Milchkühe, etwa einen Meter hoch, ihr Fell ist rot oder schwarz. Das Fell der kleinen Kuh glänzt nass in der Sonne. Zum Schluss bearbeitet die Züchterin sogar den Schwanz des Tieres mit einem Schergerät.

"Um ihn sauber zu bekommen, wie den Rest des Körpers. Wir baden sie für die Show."

Neben den kleinen Dexter Kühen muhen große, weiße Rinder. Um den Bauch herum ist ihr Fell braun - daher ihr Name: belted Galloways- gegürtete Galloways. Daneben: riesige Limousin-Bullen. Ihr langes, cremefarbenes Fell glänzt seidig. Sie sind gerade shampooniert und gewaschen worden. Die Limousins sind Fleischrinder und wirken neben den knochigen Milchkühen überaus rund- mit ihren kräftigen, prallen Hinterbacken. Große und kleine Besucher schlendern durch die Stallgassen und staunen mit offenen Mündern.

"Wir kommen sehr gerne und schauen uns die Vielfalt der Tiere an. Und es ist schön, dass die Kinder hier rum laufen können und die Tiere aus der Nähe sehen. Wir sind keine Landwirte, aber es ist uns der Höhepunkt des Jahres, um alles anzuschauen, was im Osten Englands angeboten wird."

"Ich komme aus einer Bauerngemeinde. Alles, was ich hier sehe interessiert mich: All die Pferde, die Jagdpferde, das Vieh und so was."

Im angrenzenden Schafstall beugen sich zwei Kinder über ihre Lämmer und bürsten ihnen das Stroh aus dem Fell. Die Schafe sind Ashfield Texels. Ihr Fell ist weiß, aber die Köpfe und Ohren sind schwarz. Die Geschwister Harry und Emma Pamplin sind sehr stolz auf ihre Lämmer.

"Ich bürste sie, damit sie hübsch und sauber sind. Das ist "Night rider" und das "knock out", 5 Monate alt."

Jennifer Atkinson hat einen weißen Kittel übergezogen und bereitet ihre Schafe auf den Wettbewerb vor. Die Hamshire Downs haben ein kurzes, dichtes, warmes Fell - perfekt für Teppichwolle, sagt Jennifer Atkinson. Aber die Wollpreise sind zur Zeit im Keller, so dass sich der Verkauf nicht lohnt. Sie züchtet die Schafe wegen ihres Fleisches. Vor allem das Lammfleisch ist sehr begehrt.

"Es ist sehr süß, weil sie sehr jung sind, wenn sie geschlachtet werden. Ich hasse den Schlachthaustag, aber sie hatten ein gutes Leben auf unserer Farm, wir wissen, was sie gegessen haben. Und bevor wir nach Hause kommen, sind sie bereits geschlachtet, so dass sie kaum Zeit haben, in Stress zu geraten."

Diese Schafe hier sind ausgewachsen. Ihr dichtes Fell ist gleichmäßig geschoren, die Schwänze sogar in quadratischer Form, damit sie breiter aussehen, damit sie breiter wirken.

"Man muss sie waschen. Sie müssen ausgewogen aussehen; sehr gute Beine, ein sehr hübscher Kopf - das Weibchen, ein sehr hübscher maskuliner Kopf - das Männchen. Diese besondere Rasse muss schwarze Ohren haben, eine schwarze Nase und schwarze Knie. Der Schwanz ist quadratisch geschoren, aber das wechselt von Züchter zu Züchter. Ich mag sie quadratisch, andere mögen sie anders."

Jennifer Atkinson aus Lincolnshire ist eine sehr erfolgreiche Züchterin. Sie hat schon viele Championate gewonnen. Für den Wettbewerb "group of three" - Dreiergruppe- hat sie aus ihrer Herde drei völlig gleich aussehende Schafe ausgewählt. Keine leichte Aufgabe.

"Sie müssen nicht nur ähnlich aussehen, gleich breite Hinterteile und gleich hohe Rücken haben. Sie müssen sich auch ähnlich anfühlen. Man muss sie sehr lange betasten, um drei zu finden, die zusammen passen."

Ob es auch diesmal klappt mit ihrer dreier Gruppe? Draußen im Ring führen zehn Züchter ihre Dreier Gruppen dem Richter vor. Sie haben alle Hände voll zu tun, die Schafe in Reih und Glied aufzustellen und sie vor allem ruhig zu halten. Der Richter prüft die Dreier-Gruppen mit strengem Blick. Seine Hände tasten über die Rücken der Schafe. Sind sie gleich hoch und gleich breit? Nach einer halben Stunde tasten und fühlen steht sein Urteil fest und wird über Lautsprecher verkündet. Die glückliche Gewinnerin strahlt bis über beide Ohren.

"Ich bin ein bisschen aus dem Häuschen und kann nicht aufhören zu lächeln. Sie sahen sehr hübsch aus, und das fand offensichtlich auch der Richter. Er sagte: keine andere Gruppe fühlte sich so gut an."

Auch im Schweinestall ist viel los. Große und kleine, rosa und gefleckte Schweine stehen frisch gewachsen in den Boxen oder liegen im Stroh. Besonders schön glänzt ein großer, völlig schwarzer Eber. Aber Schweine haben einen eigenen Willen. Sie lassen sich nicht am Strick führen. Deshalb werden sie mit dem Stock getrieben, erklärt Kevin Mathiews aus Yorkshire.

"Sie sind sehr stark, stärker als ein Kaltblutpferd. Sie machen, was sie wollen. Man sagt: ein Rind schaut auf dich herab, der Hund schaut zu dir hinauf, aber ein Schwein ist auf Augenhöhe - ein Sprichwort in Yorkshire."

Kevin Mathiews züchtet Sattelschweine mit schwarzen Flecken auf dem Rücken- dort wo bei Reitpferden der Sattel sitzt. Auch der achtjährige Jack aus Liverpool ist mit seiner Familie und einem Lastwagen voller Sattelschweinen zu Show gereist.

"Die meisten sagen: Schweine sind dreckig, aber sie sind sauberer als viele andere Tiere."

Was die Sauberkeit der Tiere anbelangt, da ist die siebenjährige Isabella anderer Meinung.

"Es macht Spaß, Schweine auszustellen: sie sind albern und sie stinken ziemlich. Man muss sie waschen, mit Seife und Wasser."

Auf einer großen Wiese stellen Züchter und Halter ihre Pferde vor: große Kaltblüter neben kleinen Shetland Ponys und schwarz-weiß gefleckten Cobs, das sind mittelhohe Ponys. So unterschiedlich die Pferde aussehen, haben sie doch eines gemein: es sind alles typisch englische Rassen. Der Richter beurteilen ihre Statur, ihren Gang und ihr Aussehen. Ein schwarz-weiß gefleckter Wallach hat den Richter überzeugt. Die Besitzerin freut sich über den ersten Preis und streichelt den Hals ihres Pferdes.

"Es ist ein wirklich gutes Pony. Ein Pferd fürs ganze Leben, sehr freundlich, ein Traumpferd. Und es ist unbezahlbar."

In der Klasse der Hunter Ponys, der Jagd-Ponys, zeigen Kinder-Jokeys die Gangarten ihrer Pferde bis hin zum schnellen Galopp. Der zehnjährige Jack Stalkey gehört zu den besten Jokeys seiner Altersklasse. Gerade ist er wieder für seinen Reitstil ausgezeichnet worden. Pony Halter Tony Joe Jaffis hat den 10 Jährigen für den Showritt engagiert.

"Jack ist ein sehr guter Reiter, ein junger Jockey und sehr klein. Er sieht sehr gut darauf aus. Er ist berühmt und reitet viele gute Ponys. Wir sind stolz, dass er für uns reitet."

Sehr ruhig, in gelben Reithosen und Tweed Jackett sitzt Jack auf seinem Hunter Pony. Seine roten Haare schauen unter der Reitkappe hervor. Er geht noch zur Schule, so wie wohl alle zehnjährigen Jungen. Aber an den Wochenenden ist er oft unterwegs und reitet fremde Pferde in Wettbewerben- so wie dieses Hunter Pony.

"Es ist sehr angenehm zu reiten: sehr ruhig und brillant im Galopp, ein hervorragendes Pony. Man muss früh anfangen, um bekannt zu werden."

Auch das Pony wurde für Show heraus geputzt. In das glänzendes, braune Fell seiner Kruppe ist ein Schachbrettmuster geschoren, erklärt der Besitzer.

"Dekoration, damit es muskulöser aussieht. Für die Show benutzt man Makeup: ein bisschen Schwarz um die Augen herum, Baby Öl, damit es anziehender wirkt."

Nach Jack reitet ein kleines Mädchen mit blonden Zöpfen und roten Schleifen aus dem Wettbewerb. Auch sie strahlt auch über das ganze Gesicht. Ein Glücksbringer also, ihr glänzendes braunes Show-Pony. Auch die Shire Horses beeindrucken die Besucher. Shire Horses sind große englische Kaltblüter mit hellem Fell und weißer Mähne. Die Kaltblüter waren vom Aussterben bedroht, weil sie als Arbeitspferde in der Landwirtschaft nicht mehr gebraucht wurden. Aber inzwischen haben die Shire Horses so viele Liebhaber gefunden, dass es wieder 3000 in Großbritannien gibt, sagt John Wood von der Shire Horse Society und zeigt auf ein besonders schönes Exemplar mit geflochtener Mähne und langem Beinbehang, das gerade vom Schmied beschlagen wird.

"Sie sind die größten und mit ihren weißen Beinen sehr schön anzuschauen. Wir nennen den Beinbehang Federn, wie Vogelfedern."

Neben Pferden und Vieh zeigen auf der Country Show auch Hunde ihr Können. Angefeuert von Frauchen oder Herrchen rasen sie durch einen Hindernisparcous im Dog Agility-Wettbewerb. Ein schwarz-weißer Border Collie balanciert über eine Wippe, windet sich geschickt um Hindernisstäbe und kriecht schnell durch einen Tunnel. Nach dem schnellen Parcours hechelt nicht nur der kleine Collie, auch sein Herrchen ist aus der Puste.

"Phantastisch, sie lief so schnell wie sie konnte. Das war die nationale Qualifizierung für das Springen."

Während Hunde und Pferde kleinere Wettbewerbe meistern, drängen sich in der großen Arena die Besucher auf den Bänken. Gleich beginnt der Auftritt der Royal Artillerie. Die königliche Artillerie erscheint aber nicht zu Pferde. Vielmehr rast sie auf Motocross-Rädern in die Arena. In Sternformationen fahren die Motocross-Fahrer auf einander zu, um dann Haar scharf auszuweichen. Mit Vollgas geht es über Auto-Kühlerhauben und -dächer. Das Publikum tobt vor Begeisterung. Die East of England Country Show hat eine über 200 jährige Tradition. Ursprünglich richtete sie sich an Landwirte und Landbewohner. Inzwischen hat sie sich an ein wachsendes städtisches Publikum angepasst, sagt Andrew Mercer von der East of England Agricultural Society.

"Die Ausstellung gibt es seit 1797. Es begann mit kleinen Gruppen von Landwirten, die ihr Vieh brachten, ihre Schafe, ihre Schweine, ihre Ziegen, um die besten Tiere zu zeigen, die sie hatten. Die Ausstellung ist gewachsen. Früher hatten wir viel Vieh, viele Pferde, viele Landmaschinen. Jetzt gibt es viel mehr: es gibt Blumen, es gibt Essen, es gibt Maschinen und sehr viel zu sehen. Es ist nicht mehr nur eine Landwirtschaftsausstellung. Es ist eine Ausstellung, die Stadtbewohner anzieht, die kommen, um zu sehen, was auf dem Land passiert. Wir wollen, dass Mütter und Väter und auch kleine Kinder die Show besuchen. Weil Familien das essen, was unsere Landwirte anbauen und wir wollen ihnen zeigen, wie unsere Landwirte das machen."

An drei Tagen kommen 100.000 Besucher zur Show. Viele wohnen in der Nähe, in East Anglia, andere kommen von weit her, um z.B. die große Orchideen-Ausstellung anzuschauen. Neben dem Orchideenzelt spielen zahlreiche Bands auf einem großen Rasen. Dort erholt sich das Publikum in Liegestühlen vom Bummeln über das weiträumige Show-Gelände. Viele haben sich im Food Tent - im Zelt- etwas zu essen geholt. Unter einem großen Zeltdach bieten Händler kulinarische Spezialitäten an: zum Beispiel Cheddar Käse mit grünem Pfeffer und Knoblauch oder indisches Curry mit Zitronenlimonade.

"Wir haben ein Curry gegessen: sehr scharf und jetzt trinken wir etwas Kühles."

"Ich kann mich nicht entscheiden zwischen dem roten Teufel und dem grünen Donner. Der Knoblauch schmeckt am intensivsten im Grünen Donner. Scharf, aber gut."

Auch die Auswahl an süßen Desserts ist groß: Bananen in Schokolade gehüllt, frozen Yoghurt - gefrorener Yoghurt aus pürierten Mangos oder Ananas. Und sehr beliebt: Strawberries and Cream - Erdbeeren mit Sahne.

"Erdbeere und Sahne, ein bisschen süß, aber sehr gut. Schokolade-, Kaffee- und Ingwer-Toffee. Sehr schlecht, wenn man auf Diät ist."

John Camp braut Likör und Weine aus Obst, das er in seinem Garten in Suffolk anbaut: Kirschen, Viktoria-Pflaumen und Himbeeren.

"Ein Originalikör, aus Himbeeren und Vodka. Sehr gut nach dem Essen zu Käse und Schokolade. Eine brillante Mischung zusammen mit Wein und Champagner, ein herrliches Sommergetränk."

Die nächste "East of England Country Show" in Peterborough beginnt am Freitag, den 13. Juni und geht bis Sonntag, den 15. Juni.

Bild Pferd Kuh
Die nächste "East of England Country Show" in Peterborough lockt vor allem Städter auf das Land.

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