Donnerstag, 25.02.2021
 
Seit 15:05 Uhr Corso - Kunst & Pop
StartseiteCampus & KarriereFür mehr sozialen Mix26.04.2007

Für mehr sozialen Mix

In Großbritannien soll es mehr höhere Bildungsabschlüsse geben

Education, Education, Education - eine der wichtigsten Parolen der britischen Labourparty, als sie vor knapp 10 Jahren an die Macht kam. Labour versprach, die Hälfte der 18-30 jährigen an Universitäten zu bringen und den Zugang für sozial benachteiligte Schichten zu erweitern. Leichter gesagt als getan. Der Anteil der Studenten liegt bei 41 Prozent. Die Mittelschicht ist nach wie vor überproportional vertreten. Und Neuzugänge aus weniger privilegierten Familien sind sogar rückläufig.

Von Ruth Rach

Großbritannien will mehr Studierende auch aus niedrigeren Schichten.  (Stock.XCHNG / Viajero Viajero)
Großbritannien will mehr Studierende auch aus niedrigeren Schichten. (Stock.XCHNG / Viajero Viajero)

Die Briten haben dasselbe Problem wie die USA, glaubt Paul Auerbach, amerikanischer Wirtschaftsdozent an einer englischen Universität.

"Die Kluft zwischen Reich und Arm hat sich weiter vertieft. Es wird immer schwieriger, Studienplätze aus mit diesen idealen Arbeiterkindern zu besetzen, die eine höhere Bildung verdienen. "

Abschlussnoten und ein persönliches Statement - diese Faktoren entscheiden normalerweise darüber, ob ein Student von einer britischen Universität angenommen wird. Eliteuniversitäten verlangen zudem einen Zulassungstest und ein persönliches Gespräch. Vor kurzem dachte sich die britische Zulassungsbehörde UCAS zwei neue Fragen aus - die übrigens nur für britische Studenten gelten: haben Ihre Eltern eine akademische Ausbildung genossen? Und: Wurden Sie jemals von der Sozialfürsorge betreut? Es folgte ein Sturm der Entrüstung. Die Mittelschicht befürchtet, diskriminiert zu werden.

Ruth Deech, Bildungsexpterin und Mitglied des Oberhauses fühlt sich gar an Machenschaften faschistische Staaten erinnert

Wir brauchen Universitäten, die von der Regierung unabhängig sind. Fragen nach dem sozialen Hintergrund sind nicht relevant, erklärte sie während einer BBC Diskussion unter dem Beifall des Publikums.

"Ich möchte doch annehmen, dass die Zulassung fair verläuft und dass ich nur aufgrund meiner Leistungen angenommen werde, "

betont diese Schülerin. Sie spricht für viele.

Ein Sturm in einer Teetasse, findet hingegen der zuständige Labourminister Bill Rammell. Die Entscheidung sei von der Zulassungbehorde getroffen worden, nicht von der Regierung, die Medien hätten die Sache gründlich missverstanden.

"Dies ist eine vernünftige Initiative, um die soziale Beteiligung zu erweitern. Davon kann das ganze Land profitieren. "

Bill Rammell.

Inzwischen hat sich die erste Aufregung gelegt. Auch die alten Anmeldeformulare enthalten bereits Fragen nach der ethnischen Herkunft der Bewerber und dem Beruf der Eltern. Die Antworten sind - wie auch die zwei neuen Fragen - freiwillig. Befürworter erklären , solche ZusatzInformation dienten lediglich dazu, das Gesamtbild des Bewerbers abzurunden. Außerdem könnten Universitäten sehen, ob sie die von Labour angestrebte Beteiligungsquote erreicht hätten. Die Universität Oxford kündigte hingegen bereits an: sie wolle Informationen über den sozialen Hintergrund ignorieren und sie den Colleges erst nach dem Auswahlprozess mitteilen.

Universitäten werden nur moralisch unter Druck gesetzt, die Beteiligungsquoten einzuhalten, erklärt Drummond Bone, Vorsitzender der britischen Rektorenkonferenz. Allerdings winke ihnen unter Umständen eine finanzielle Belohnung. Universitäten mit geringer Beteiligung drohe keine Strafe - aber sie würden- nun ja - öffentlich blossgestellt.

Was wird aber nun konkret getan, um den sozialen Mix zu erweitern?
Manche Universitäten bieten bereits Sommerschulen und Zusatzkurse an, um Schüler aus sozial schwächeren Schichten zu fördern. Aber das reicht nicht aus, sagt Drummond Bone.

"Universitäten verstehen allmählich, dass sie viel früher ansetzen müssen, bei neun, zehnjährige Schülern - und ihren Eltern. Dass sie die Familien an Universitäten holen müssen, zu Konzerten oder Picknicks, um sie physisch mit dem Terrain vertraut zu machen. Zudem schicken wir Studenten und Dozenten an Schulen, um die Mauer im Kopf abzubauen und zu zeigen, dass Universitäten nicht auf einem anderen Planeten sind."

In Fachkreisen hat der Begriff 'Erweiterung' unterdessen eine 'weitere' Dimension angenommen: laut einem offiziellen Bericht sollen künftig sogar 40 Prozent der gesamten Arbeitskräfte zwischen 18 und 64 Jahren in Großbritannien einen höheren Bildungsabschluss haben.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk