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StartseiteKommentare und Themen der WocheEs könnte klappen mit dem Warenhaus der Zukunft11.09.2018

Fusion Karstadt und KaufhofEs könnte klappen mit dem Warenhaus der Zukunft

Die Ausgangslage könnte schlechter nicht sein für die Fusion von Kaufhof und Karstadt, kommentiert Ursula Mense. Kaufhof sei heruntergewirtschaftet worden und der Onlinehandel sitze den Warenhäusern im Nacken. Und doch habe die Fusion eine Chance verdient.

Von Ursula Mense

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Die Warenhäuser Karstadt und Kaufhof stehen in Trier nebeneinander. (dpa/Harald Tittel)
In Trier stehen die Warenhäuser Karstadt und Kaufhof nebeneinander (dpa/Harald Tittel)
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Er hat es endlich geschafft: René Benko übernimmt Kaufhof. Denn nichts anderes ist diese angebliche Fusion unter Gleichen. Nachdem ihm die kanadische Hudson's Bay Company vor Jahren den Fang vor der Nase weggeschnappt hat, ist Benko nun am Ziel und kann seinen Traum verwirklichen: Eine Deutsche Warenhaus AG. Ein Mega-Kaufhaus für Europa. Noch dazu eines, das ein Anbieter für alles werden will!

Herr Benko, sind Sie irre? möchte man ihm zurufen. In Zeiten von langsam verödenden Innenstädten und immer stärker werdendem Onlinehandel kauft er ein in kürzester Zeit komplett heruntergewirtschaftetes Unternehmen. Eines, das zwar trotz seines verschnarchten Images immer noch viele Kunden hat; die aber kaum Geld da lassen.

Die Beschäftigen haben Angst - zurecht

Wie kann das gutgehen? Von den 32.000 Mitarbeitern jedenfalls hat kaum einer den Retter bejubelt. Sie haben Angst um ihre Jobs. Wahrscheinlich zu Recht. Aber genau weiß das zur Stunde niemand. Und vielleicht sollte man dem Österreicher mit dem zugegeben leicht zwielichtigen Image eine Chance geben. Denn schlimmer als mit der so heftig verehrten Truppe aus Kanada, die sich als ähnlich enttäuschend entpuppte wie der smarte Herr Berggruen im Fall Karstadt, kann es kaum kommen. Eher besser, denn René Benko hat offensichtlich einen Plan, wie er ein Kaufhaus der Zukunft etablieren will. Und einen begabten Sanierer, Stephan Fanderl heißt er, dem er jetzt zutraut, neben Karstadt auch Kaufhof wieder auf die Beine zu stellen. Auch der dann neue Kaufhof Chef Fanderl glaubt fest daran, dass ein Zusammengehen beider Häuser der einzig mögliche Weg ist, das Unternehmen Warenhaus als erfolgreiche Alternative zum Onlinehandel wieder attraktiv zu machen.

Es geht um das Warenhaus der Zukunft

Und die Chancen dafür sind gar nicht so schlecht. Offenbar gibt es sogar unter jungen Leuten einen Umkehrtrend zurück in die Läden und Kaufhäuser. Auf die Dauer ist es doch nicht so attraktiv, ausschließlich einsam zu Hause vor dem PC zu hocken oder auf dem Smartphone seine Bestellungen abzugeben. In einem Warenhaus der Zukunft wäre Vieles denkbar: Shop-in-Shop-Konzepte mit mehr und sehr viel unterschiedlicherer Auswahl, eine Kombination aus Online-Order und Direkt-Einkauf: abends bestellen und am nächsten Tag gleich abholen oder anprobieren. Oder einfach der Treffpunkt in der Innenstadt zu werden mit Unterhaltung oder Erlebnis-Gastronomie. Ideen gibt es reichlich.

Vielleicht hat die Warenhauslandschaft nur darauf gewartet, dass einer wie Benko kommt und sie nun umsetzt. Dass ausgerechnet der Immobilienmilliardär aus Österreich es nicht bloß auf die Kaufhof-Filetstücke abgesehen hat, könnte der besondere Clou der Geschichte werden.

Ursula Mense (privat)Ursula Mense (privat)Ursula Mense, Jahrgang 1953, hat in Münster, Marburg und London Germanistik und Anglistik studiert. Nach einem längeren USA-Aufenthalt hat sie für verschiedene öffentlich-rechtliche Radio- und TV-Sender mit den Schwerpunkten Umwelt-, Agrar- und Sozialpolitik gearbeitet und Magazine unterschiedlichen Formats moderiert. Seit 2014 gehört sie zum Team der Dlf-Redaktion "Wirtschaft und Gesellschaft".

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