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StartseiteInformationen am AbendHoffnung auf ein zweites Sommermärchen27.09.2018

Fußball-EM 2024 in DeutschlandHoffnung auf ein zweites Sommermärchen

Deutschland ist Gastgeber der Fußball-Europameisterschaft 2024. Das nicht aufgearbeitete Sommermärchen, die Steuererleichterungen für die UEFA und das versprochene Demonstrationsverbot werfen jedoch Fragen auf, meint Klaas Reese aus der Dlf-Sportredaktion.

Klaas Reese im Gespräch mit Sarah Zerback

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DFB-Präsident Reinhard Grindel von der deutschen Delegation hält einen Zettel mit "Germany" neben dem EM-Pokal während der Bekanntgabe-Zeremonie zur Ausrichtung der Fußball-Europameisterschaft 2024.  (dpa)
Die Vergabe der EM 2024 nach Deutschland hat DFB-Präsident Reinhard Grindel vorerst das Amt gerettet. (dpa)
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Sarah Zerback: Deutschland war ja der Favorit. Was hat den Ausschlag gegeben?

Klaas Reese: Was genau den Ausschlag gab ist nicht bekannt, denn die Abstimmung, die bei der UEFA durchgeführt wurde, fand hinter verschlossenen Türen statt. Wir kennen nur das Ergebnis: Zwölf zu vier hieß es am Ende, und das ist dann aus Sicht vieler Beobachter sicher deutlicher als man das vorher erwartet hatte. Denn Deutschland ging zwar als Favorit in die Abstimmung, doch die Versprechen der türkischen Bewerbung waren groß.

Legt man die Bewerbungen der Türkei und Deutschlands aber nebeneinander - und das hat die UEFA vor der Abstimmung schon gemacht und diese Ergebnisse veröffentlicht - dann hat die deutsche Bewerbung überzeugt. Hierbei stellte der europäische Dachverband der deutschen Kandidatur in mehreren Kategorien ein besseres Zeugnis aus als der Konkurrenz aus der Türkei.

Zwar wurde auch die Bewerbung der Türkei überwiegend positiv bewertet, allerdings sei dagegen vor allem "das Fehlen eines Aktionsplanes in Sachen Menschenrechten problematisch". Zudem bergen "die jüngsten wirtschaftlichen Entwicklungen" im Land Risiken und Gefahren.

DFB und deutsche Politik in der Pflicht

Zerback: Und die Reaktionen - nach den Erfahrungen mit der WM 2006 - durchweg Applaus oder auch Kritik? 

Reese: Natürlich hoffen viele auf eine Wiederholung des sogenannten Sommermärchens, allerdings ist genau dieses Sommermärchen ein Punkt, der auch von Kritikern angeführt wird. Denn der DFB hat bis heute nicht die sogenannte Sommermärchen Affäre aufgeklärt. Kritisch wird auch durchaus gesehen, dass sich Deutschland verpflichtet Demonstrationen im Umfeld von Stadien zu verbieten, obwohl das Demonstrationsrecht ein hohes Gut ist.

Und die UEFA bekommt für die Durchführung der EM Steuererleichterungen. Wie hoch die ausfallen, ist nicht bekannt. Dazu geben weder die Bundesregierung noch der DFB Angaben ab, aber der DFB-Präsident sagte, dass diese Staatsgarantien so hoch seien wie noch nie zuvor. Das lässt aufhorchen, weil es hier ja schließlich um Steuergeld geht und der DFB hatte in der Bewerbungsphase mehrfach Transparenz und Compliance als Stichwörter genannt. Doch diese Wörter müssen jetzt auch mit Leben gefüllt werden.

So hat die Antikorruptionsorganisation Transparency International Deutschland betont, der DFB und die deutsche Politik müssten "jetzt zeigen, wie ein solches Turnier in Bezug auf die vielfältigen Themen Anti-Korruption, Transparenz, Menschenrechte, Diversität, Anti-Doping und manipulationsfreien Sport vorbildlich ausgetragen werden kann".

Türkei geht zum vierten Mal leer aus

Zerback: Und die Türkei nimmt es sportlich?

Reese: Die türkischen Vertreter zeigten sich enttäuscht. Sportminister Mehmet Kasapoglu sagte etwa: "Dass die UEFA trotz all unserer Stärken die Europameisterschaft nicht an unser Land vergeben hat, ist eine traurige Situation. In dieser geographischen Lage wäre die Organisation dieses Turniers eine Win-Win-Situation gewesen." Es ist schließlich schon das vierte Mal, dass die türkische Bewerbung nicht gewonnen hat. Was der türkische Präsident Erdogan zur Niederlage sagt, ist bislang nicht bekannt. Man weiß nur, dass er sich die Entscheidung bei seinem Staatsbesuch in Deutschland am Fernseher angeschaut hat.

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