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StartseiteSportgespräch"Aus organisatorischer Sicht eine gelungene Generalprobe"10.07.2021

Fußball-Europameisterschaft"Aus organisatorischer Sicht eine gelungene Generalprobe"

Philipp Lahm, EM-Botschafter der Stadt München, hat im Dlf ein positives Fazit zur EM gezogen. Bei der deutschen Mannschaft fehlten ihm vor allem Mut und Leidenschaft. Der Chef des Organisationskomitees für die EURO 2024 in Deutschland sagte, man wolle bei der nächsten EM zeigen, wofür Europa stehe.

Philipp Lahm im Gespräch mit Matthias Friebe

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Der ehemalige Fußball-Nationalspieler Philipp Lahm lächelt in die Kamera, im Hintergrund das Logo der EURO 2024 (picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Sebastian Willnow)
Philipp Lahm, Geschäftsführer der DFB EURO GmbH, beim Fototermin. (picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Sebastian Willnow)
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Philipp Lahm, Weltmeister von 2014, EM-Botschafter bei dieser EM für München und Chef des Organisationskomitees für die EURO 2024, blickte im Deutschlandfunk zufrieden auf die EM zurück. Vor allem in München sei die EURO aus organisatorischer Sicht eine gelungene Generalprobe für das kommende Turnier in Deutschland in drei Jahren gewesen, sagte Lahm. Man habe auch wegen der besonderen Pandemielage einige Anpassungen vornehmen müssen. Aus Pandemiesicht stünden die Spiele in München aber nicht mit Coronafällen in Verbindung.

Die Idee, ein paneuropäisches Turnier durchzuführen, hält Lahm ebenfalls für eine gute: "Das wurde zum 60-jährigen Jubiläum der Europameisterschaft eingeführt. Ich finde, man darf nicht immer nur aus der deutschen Brille, sondern muss europaweit schauen. Und dann ist es doch schön, wenn wenn anderen kleineren Nationen auch die Möglichkeit bekommen, Spiele auszutragen." 

Zwei weibliche Fußballfans kommen mit Regenbogenfahnen zum Stadion in München. (picture alliance / dpa / Matthias Balk) (picture alliance / dpa / Matthias Balk)Veranstaltungsleiter des Münchner EM-Stadions: "Nie das Gefühl, dass da etwas entgleitet"
Ein Gleitschirmflieger auf dem Spielfeld, die Debatte um die Beleuchtung in Regenbogenfarben, ein rechter ungarischer Fanblock: Bei den Vorrundenspielen im Münchner Stadion ist auch abseits des Spiels einiges passiert. 

Zudem hätten viele Themen außerhalb des Fußballs eine große Rolle gespielt: die Aktion von Greanpeace, die Debatte um die Regenbogen-Beleuchtung des Stadions, das Knien der Spieler, um die Black-Lives-Matter-Bewegung zu unterstützen und gegen Rassismus einzustehen. "Ich finde, hier zeigt der Fußball, er hat eben eine Verantwortung und eine gesellschaftliche Verantwortung. Wir stehen hier in in Deutschland eben für Vielfalt, und das hat mir das Turnier gezeigt, dass es möglich ist, solche wichtigen gesellschaftliche Themen öffentlich zu machen und zu diskutieren in der Öffentlichkeit." Auch im Fall des dänischen Spielers Christian Eriksen, der mit Herzstillstand zusammengebrochen war, habe man europaweit eine Solidarität erlebt, die sich im Fußball gebündelt habe.

Italien ist Lahms Favorit auf den EM-Sieg

Aus sportlicher Sicht hat Philipp Lahm vor allem Italien begeistert. Das Spiel gegen Belgien in München hatte er sich im Stadion angesehen. "Italien macht einen sehr, sehr guten Eindruck. Ich finde, da sieht man wirklich eine Mannschaft auf dem Platz. Ich finde, da sind die Rollen und die Positionen auch klar definiert . Es schaut sehr, sehr gut aus und Italien ist für mich der Favorit", sagte Philipp Lahm im Dlf-Sportgespräch.

Finalgegner England lobte Lahm als "athletische und sehr kopfballstarke Mannschaft, die auch ausgenutzt hat, dass sie so viele Spiele zu Hause hatte." Insgesamt hätten sowieso - außer den Finalisten - auch die anderen Mannschaften profitiert, die Heimspiele hatten. "Wenn ich an Ungarn denke, zum Beispiel, die zwei hervorragende Spiele gespielt haben, in Budapest gegen Frankreich und gegen Portugal. Das hat ihnen schon Auftrieb gegeben."

Fasziniert zeigte sich Lahm von der Leistung der vemeintlich kleineren Nationen, die "mit viel Leidenschaft, mit Begeisterung Fußball spielen und somit den einen oder anderen der Mitfavoriten sozusagen aus dem Turnier gekegelt haben. Das war toll, wenn ich da eben an an die Schweiz zum Beispiel denke, an Dänemark und Tschechien, auch Österreich."

Joachim Löw nach dem Spiel der deutschen Fußballnationalmannschaft der Männer gegen England (IMAGO/ULMER Pressebildagentur) (IMAGO/ULMER Pressebildagentur)Kommentar: Joachim Löw ist nicht gescheitert
An Häme mangelt es nicht am Ende der 15 Jahre mit Bundestrainer Joachim Löw. Das hat er nicht verdient. An seinem Führungsstil und seinen Entscheidungen kann man, muss man Kritik üben, aber solche Häme geht zu weit, kommentiert Matthias Friebe.

Deutschland sei zu früh aus dem Turnier ausgeschieden, es habe der Mut und die Begeisterung gefehlt, sowie die Balance zwischen Offensive und Defensive. "Vielleicht haben sie es ein bisschen zu locker genommen, das Ganze. Wenn ich da an die Spiele gegen Ungarn zum Beispiel denke oder auch ans Ausscheiden. Es waren Spiele, wo ich sage, die dürften sie eigentlich nie Unentschieden spielen oder auch nicht verlieren. Und so scheiden dann auch die Favoriten mal aus."

Coronainfektionen nach Stadionbesuch: "Kein positives Bild für den Fußball"

Die vollen Stadien in Wembley und die Tatasche, dass mehr als 2.500 Coronafälle in Zusammenhang mit der Europameisterschaft stehen, sieht Lahm kritisch. "Das ist natürlich kein positives Bild für den Fußball." Dennoch wies er auf die positiven Erfahrungen in München hin - und die damit einhergehende Vorreiterrolle des Fußballs für andere gesellschaftliche Bereiche. "Wenn man gute Konzepte hat, wenn sich die Leute daran halten, dass eben wieder mehr Öffnungen möglich sind. Wenn ich an Konzerte oder so denke, dass da eben auch wieder Zuschauer oder mehr Zuschauer reingehen dürfen. Das würde mich sehr freuen."

München habe maximal 14.500 Zuschauer erlaubt und sei verantwortungsvoll mit der Pandemie umgegangen. Er freue sich, wenn er wieder Menschen im Trikot und im Biergarten erlebe, sagte Philipp Lahm. "Es kehrt wieder ein bisschen Normalität ein. Der Fußball zieht immer noch. Aber er muss an bestimmten Dingen schon noch arbeiten, um wieder ein besseres und positiveres Image zu bekommen." 

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