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StartseiteKommentare und Themen der WocheKein sauberer Deal13.06.2018

Fußball-WM 2026Kein sauberer Deal

Mit der Entscheidung für die USA, Kanada und Mexiko seien die stromlinienförmigen Fußballfunktionäre wieder den gemütlichen Weg des geringsten Widerstands und des maximalen Profits gegangen, kommentiert Bastian Rudde.

Von Bastian Rudde

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 Bekanntgabe des Austragungsortes der WM 2026: USA, Kanada und Mexiko (Alexander Vilf / Sputnik / dpa)
Bekanntgabe des Austragungsortes der WM 2026: USA, Kanada und Mexiko (Alexander Vilf / Sputnik / dpa)
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Auch wenn es um Sport geht, wählt US-Präsident Donald Trump gerne mal drastische Worte. Footballspieler, die bei der Nationalhymne niederknien und gegen rassistische Polizeigewalt protestieren, hat er "sons of bitches" genannt - Hurensöhne! Und: Länder, deren Fußballverbände bei der Vergabe der Weltmeisterschaft gegen die USA und für Marokko stimmen würden, nannte Trump vorab indirekt eine "Schande" - und drohte mit politischen Konsequenzen. 

Billig, aber offensichtlich wirksam. Die National Football League hat es unter Strafe gestellt, bei der Hymne niederzuknien. Und: Die Fußball-WM 2026 wird in den USA stattfinden - und ein bisschen auch in Kanada und Mexiko, wo allerdings nur 20 der 80 Spiele steigen sollen. 

America first also, auch im Fußball. Die nationalen Verbände hätten Trumps großspurige Einmischung in die WM-Vergabe zum Anlass nehmen können, erst Recht Marokko zu wählen. Doch im Gegenteil: Etwa zwei Drittel stimmten für die US-Bewerbung - teilweise wohl auch unter dem Druck eingeschüchterter Regierungen. Fest steht: Die selbsternannte Weltregierung des Fußballs, also die FIFA, hätte sich Trumps Einflussnahme verbitten und sanktionieren müssen. Aber: Was sind schon die eigenen Regeln, wenn das große Geld winkt?

Die Organisatoren der USA-Kanada-Mexiko-WM rechnen mit doppelt so viel Umsatz wie Marokko - und sie versprechen, dass ein Großteil der gut 14 Milliarden Dollar an die FIFA fließen wird. Geld, das der gierige Weltverband gerne nimmt. Denn es hilft Präsident Gianni Infantino, nach den Skandalen der letzten Jahre die Kassen wieder zu füllen und so ein Argument für seine Wiederwahl zu haben. Deal - aber kein sauberer!

Ständige Aufblähung von Wettbewerben 

Auch der Deutsche Fußball-Bund hat für die nordamerikanische Bewerbung gestimmt - mit der Begründung, dass in den USA, Mexiko und Kanada deutlich weniger neu gebaut werden müsste als in Marokko, wo neun Stadien noch gefehlt hätten. Dieses Argument der Nachhaltigkeit ist zwar nachvollziehbar, richtig und wichtig. Aber: Es zeigt auch, dass Fußballverbände mit ihrer ständigen Aufblähung von Wettbewerben auf dem falschen Weg sind.

Bei der WM 2026 werden anstatt der bisher 32 Mannschaften 48 dabei sein. Ein gigantisches Infrastruktur-Projekt. Für Länder wie Deutschland kaum ein Problem - für Länder wie Marokko aber nahezu unmöglich, ohne dass Milliardenkosten entstehen und überdimensionierte Stadien nach dem Turnier verwaisen.

Daher ist es also auch eigennützig, wenn ein Verband wie der DFB mit Nachhaltigkeit argumentiert. Denn im Grunde heißt das: Große Turniere bitte nur noch bei uns! Und das rein zufällig in einer Zeit, in der sich der DFB um die Europameisterschaft 2024 bewirbt. Weitsichtiger wäre es, wenn der Fußball von seinem Trip des angeblich unaufhaltsamen Wachstums runterkommen und anerkennen würde, dass es dabei auch viele Verlierer gibt.

Der Gewinner heißt jetzt: Donald Trump. Kurz nach seinem Treffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat er den nächsten großen Erfolg verbucht, weil die oft stromlinienförmigen Fußballfunktionäre mal wieder den gemütlichen Weg des geringsten Widerstands und des maximalen Profits gegangen sind.

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