Mittwoch, 25.11.2020
 
Seit 03:30 Uhr Forschung aktuell
StartseiteForschung aktuellGalileis Teleskope18.02.2009

Galileis Teleskope

Italienische Forscher rekonstruieren die Instrumente des großen Astronomen

Geschichte. - Galileo Galilei war eines der größten Genies seiner Zeit und hat als Astronom bedeutende Entdeckungen gemacht. Sein wichtigstes Werkzeug waren dabei Teleskope, die der Forscher gleich selber entwickelte. Nur zwei Originale von Galilei sind erhalten. Wissenschaftshistoriker haben die kostbaren Instrumente nun in Florenz auseinandergenommen und nachgebaut.

Von Thomas Migge

Galileo Galilei, Gründervater der neuzeitlichen Wissenschaft (AP Archiv)
Galileo Galilei, Gründervater der neuzeitlichen Wissenschaft (AP Archiv)

"Wir können mit Bestimmtheit sagen, dass dieses Teleskop Galilei gehörte, denn er war der erste Astronom überhaupt, der konkave Okulare nutzte. Zwischen 1610 und 1640 konstruierte er eine Vielzahl von Teleskopen mit solchen Okularen. Galileis Erfindung wurde 1611 von dem Prinzen Federico Cesi, dem Begründer, der ältesten europäischen Wissenschaftsakademie Accademia dei Lincei, 'telescopio' genannt, vom griechischen 'tele', weit, und 'scopeo', sehen."

Es ist anderthalb Meter lang und nicht breiter als fünf Zentimeter. Es ist, erstaunlich für die Zeit des Verzierungen liebenden Barock, vollkommen schmucklos. An seinem Ende ist es ein wenig breiter. Das erklärt sich durch die etwas breiteren Gläser, die dort eingesetzt worden sind - von Galileo Galilei. Eines von zwei Teleskopen des berühmten Astronomen, die noch erhalten geblieben sind und heute im Nationalen Wissenschaftsmuseum in Florenz aufbewahrt werden. Vor genau 400 Jahren, im Jahr 1608, begann Galilei mit seiner wissenschaftlichen Beobachtung des Alls. Aber was sah Galilei mit seinen selbstgebauten Teleskopen? Und wie verbesserte er die technischen Möglichkeiten der Himmelsbeobachtung? Antworten auf diese Fragen kommen nun aus Florenz vom Wissenschaftshistoriker Giorgio Strano. Er hat am Nationalen Wissenschaftsmuseum in Florenz die Teleskope Galileos untersucht:

"Wir können nur verstehen, was er mit diesen Teleskopen sehen konnte, wenn wir wissen, wie sie aufgebaut sind. Wir haben uns deshalb entschlossen, die beiden einzigen noch erhaltenen Teleskope auseinanderzunehmen und die einzelnen Teile zu untersuchen. Das ist bisher noch nie geschehen. Wir wollten also hinter die Kulissen von Galileis Forschungsgeräten schauen."

Das erste der beiden galileischen Teleskope besteht aus einem Holzrohr, das außen mit Papier verkleidet ist. Galilei nutzte für seine Teleskope Zerstreuungslinsen. Das Objektiv hat einen Durchmesser von 5,1 Zentimetern. In der Mitte ist es 2,1 mm dick und auf beiden Seiten unterschiedlich gekrümmt. Unklar ist, ob Galilei das so beabsichtigt hat oder ob die damaligen Herstellungsmöglichkeiten keinen exakt gleichen Krümmungsradius zuließen. Die Brennweite beträgt 1330 Millimeter und die Dicke des Objektivs liegt in seinem Zentrum bei 2,5 Millimeter. Das Okular dieses Teleskops ist leicht muldenförmig und hat die Größe eines 5-Mark-Stücks. Mit diesen durch das vorsichtige Auseinanderbauen des Teleskops ermittelten Werten wird deutlich, dass der Astronom die Himmelskörper nur 14fach vergrößert studieren konnte.

Das zweite erhaltene Teleskop Galileis, so die Ergebnisse der Forscher, misst nur 98 Zentimeter, doch die Objekte erscheinen 21fach größer. Giorgio Strano:

"Als wir die Originalinstrumente studiert hatten, bauten wir sie nach, denn mit den Jahrhunderten waren die Linsen trübe geworden. Mit den originalgetreu nachgebauten Teleskopen ist es uns möglich herauszufinden, was das Renaissancegenie am Himmel überhaupt zu sehen bekam"

Dabei wurde deutlich, dass er mit Hilfe dieser uns heute simpel erscheinenden Geräte die Oberflächenstrukturen des Mondes analysieren, die Milchstraße als Ansammlung zahlloser Sterne entlarven und feststellen konnte, dass der Jupiter von vier Satellitensternen umkreist wird. Mit so einfachen Geräten versetzte er jenem damals offiziell gültigen Weltbild des Todesstoß, wonach die Erde eine Platte Scheibe sei.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk