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StartseiteKommentare und Themen der WocheLängst überfälliges Vorhaben20.01.2020

GanztagsbetreuungLängst überfälliges Vorhaben

Ab 2025 soll es einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung geben - dieser dürfe aber nicht nur auf dem Papier existieren, kommentiert Katharina Hamberger. Damit Kinder und Eltern davon profitieren, müsse er finanziell auch entsprechend unterfüttert sein.

Von Katharina Hamberger

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Schülerin einer 7. Klasse in Aachen beim Deutschunterricht. (picture alliance / Joker / Gudrun Petersen)
"Wichtig ist dieser Schritt zu einem besseren Betreuungsangebot auch für die finanzielle Unabhängigkeit vieler Frauen – und zwar nicht nur jetzt, sondern auch im Alter", meint Katharina Hamberger (picture alliance / Joker / Gudrun Petersen)
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Noch rund fünf Jahre, dann soll es einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Kinder geben, die noch in der Grundschule sind. Ein wichtiges und auch richtiges Vorhaben der großen Koalition. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat nun ein Gutachten vorgelegt, dass dieses Vorhaben sich auch noch so gut wie von selbst finanzieren könnte, weil dadurch wieder mehr Frauen erwerbstätig werden und die Steuereinnahmen steigen, ebenso werden mehr Sozialabgaben gezahlt und gleichzeitig weniger Sozialleistungen ausgezahlt. Das ist an sich eine gute Nachricht für die Bundesregierung, die aber gleichzeitig auch zeigt, dass dieses Vorhaben, im Sinne einer gleichberechtigten Gesellschaft schon längst überfällig ist.

Längst überfälliges Vorhaben

Denn durch das Gutachten des DIW wird ziemlich deutlich, dass Deutschland noch weit weg ist von Gleichberechtigung, was die Betreuung der Kinder betrifft. In diesem Gutachten ist ausschließlich die Rede davon, dass die Ganztagsbetreuung dazu beitragen wird, dass vor allem Mütter überhaupt wieder arbeiten bzw. ihre Teilzeitarbeit auf mehr Stunden aufstocken. Es sind also offenbar nach wie vor die Frauen, die auch über das Kleinkindalter ihres Nachwuchses hinaus die Betreuung übernehmen und die Männer sind überwiegend die Hauptverdiener.

Die Möglichkeit aufgrund eines Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung wieder voll oder zumindest mehr arbeiten zu können, wenn frau das möchte, ist damit ein wichtiger Schritt in Richtung Gleichberechtigung, wenn auch nur einer von vielen, schaut man zum Beispiel auf die Bereitschaft von Vätern mehr als nur zwei bis drei Monate in Elternzeit zu gehen. Da ist gelinde gesagt noch Luft nach oben.

Wichtig ist dieser Schritt zu einem besseren Betreuungsangebot auch für die finanzielle Unabhängigkeit vieler Frauen – und zwar nicht nur jetzt, sondern auch im Alter.

Erfolgreich sein kann dieser Schritt aber auch nur, wenn auch die entsprechende Qualität der Betreuung gegeben ist. Es braucht also entsprechende Gebäude, aber auch eine ausreichende Anzahl an Fachkräften – und daran mangelt es schon bei den Kitas und Kindergärten. Viele haben es selbst erlebt oder kennen befreundete Eltern, die verzweifelt monatelang nach einem Kita-Platz gesucht haben – trotz Rechtsanspruch, die die Kinder dann plötzlich früher aus der Kita oder dem Kindergarten abholen müssen, als geplant oder gar selbst dort mithelfen müssen, weil mal wieder Erzieher und Erzieherinnen fehlen. Manchmal fallen sie krankheitsbedingt aus, manchmal wechseln sie die Einrichtung – einen Ersatz finden die Kitas und Kindergärten oft nicht so schnell, es fehlt grundsätzlich an Personal.

Aus vergangenen Fehlern lernen

Es gibt zwar, dank dem Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz mehr Erzieher und Erzieherinnen, aber insgesamt immer noch zu wenige. Die Lehren daraus müssen sein: Der Rechtsanspruch auf eine Ganztagesbetreuung darf also nicht nur auf dem  Papier existieren, sondern muss entsprechend finanziell unterfüttert sein, damit Kinder und Eltern davon profitieren. Es ist damit nur zu begrüßen, wenn die Familienministerin sagt, es sei ihr jeden Euro wert, egal ob er sich nun volkswirtschaftlich rechne oder nicht.

 

Katharina Hamberger, Hauptstadtstudio (Deutschlandradio - Bettina Straub)Katharina Hamberger, Hauptstadtstudio (Deutschlandradio - Bettina Straub)Katharina Hamberger, Jahrgang 1985, hat Medienwissenschaft, Politikwissenschaft und Journalismus in Regensburg und Hamburg studiert. Während des Studiums arbeitete sie als freie Journalistin unter anderem für die "taz" und die "Passauer Neue Presse". Journalistische Erfahrung sammelte sie außerdem beim Bayerischen Rundfunk, der Talksendung "Anne Will" und dem "Hamburger Abendblatt". Seit Ende ihres Deutschlandradio-Volontariats 2012 arbeitet sie als freie Korrespondentin im Hauptstadtstudio von Deutschlandradio.

 

 

 

 

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