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StartseiteUmwelt und VerbraucherSo geht man wirksam gegen Fugenunkraut vor02.07.2018

GartenwegeSo geht man wirksam gegen Fugenunkraut vor

Unkraut auf gepflasterten Gartenwegen ist schwer beizukommen, weil die Wurzeln unter den Steinen kaum zu erreichen sind. Gifte, aber auch Hausmittel wie Essigreiniger oder Salzwasser sind auf versiegelten Flächen verboten. Fugenkratzer oder Abflämmgerät sind zwar Optionen - es geht aber auch ganz anders.

Von Susanne Kuhlmann

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Ein Löwenzahn frisst sich durch einen Fahrradweg. (Deutschlandradio / Markus Waldhauser)
Auf versiegelten Flächen sind Vernichtungsmittel und Hausmittel wie Essigreiniger zur Unkraut- und Wildkräuterbekämpfung verboten (Deutschlandradio / Markus Waldhauser)
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Gartenweg, Terrasse, Einfahrt – aus Ritzen und Fugen gepflasterter Flächen drängen nach kurzer Zeit Löwenzahn, Disteln und Co ans Licht. Denen beizukommen ist schwierig, weil die meist kräftigen Wurzeln unter den Steinen stecken und kaum zu erreichen sind. Vermeintlich einfache Lösungen sind verboten: Unkrautvernichtungsmittel natürlich, aber auch Hausmittel wie Essigreiniger oder Salzwasser. Wie lassen sich Wildkräuter in Steinfugen nun loswerden?

"Einmal eine Handarbeit: der Fugenkratzer." 

Ein Winkelmesser mit mehr oder weniger langem Stiel – der klassische Fugenkratzer ist effektiv und preiswert. Einsetzen kann man ihn überall, sagt Michael Becker, Gärtnermeister und Landschaftsbauer aus Bergisch Gladbach:

"Der Fugenkratzer kommt im Bereich der Pflasterflächen zum Einsatz. Im Bereich der Splitflächen kann man ihn auch benutzen. Aber es ist sehr zeitaufwendig."

Wer eine elektrische Fugenbürste nimmt, muss sich weniger bücken und weniger Kraft aufwenden. Das gilt auch für gasbetriebene Abflammgeräte. Und der Effekt?

"Sehen wir nicht als sehr produktiv an, weil die Oberfläche zwar sehr schnell verbrennt, aber der Wurzelbereich der Pflanzen bleibt meistens erhalten."

Teuer: heißes Wasser und Schaum aus Kokos- und Maismehl 

Auf hohe Temperaturen setzt allerdings auch der Profi Michael Becker.

"Wir machen das bei uns in der Firma, auch für Kunden, so, dass wir das Ganze mit einem Infrarotbrenner abbrennen. Das ist ein Wagen, der über eine Flamme Keramikplatten erhitzt. Mit dieser Hitze fährt man in einer langsamen Geschwindigkeit über die Flächen, so dass die Wurzeln und die Samen mit geschädigt werden." 

Für durchschnittliche Privatgärten ist ein solcher Wagen zu teuer. Ebenso wie ein neueres System, mit dem heißes Wasser und ein Schaum aus Kokos- und Maismehl verteilt werden. Der umweltverträgliche Schaum bewirkt, dass die Wärme länger auf den Pflanzen bleibt und auch ihr Wurzelsystem angreift. Wer nur wenige Ritzen und Fugen säubern will und etwas Geduld hat, schafft das auch mit heißem Wasser aus dem Kocher in der Küche. Nach ein bis zwei Tagen ist zu sehen, dass die Blätter gelb werden und absterben.

Sollen Wege oder Terrassen neu gepflastert werden, ist das eine gute Gelegenheit, mit dem Landschaftsbauer über den Eintrag von Wildkräutersamen zu reden.

"Pflaster- und Plattenflächen – da raten wir immer dazu, entweder in die Großformatigkeit der Platten zu gehen. Je großformatiger die Platte wird, desto geringer ist der Fugenanteil. Oder die Platten auf einen gewissen Abstand zu verlegen, so dass ich da mit einer festen Fuge arbeiten kann." 

Fest verfugt werden Steinplatten entweder mit Zement oder mit einem Zwei-Komponenten-Kleber, der mit Quarzsand vermischt wird. Wird wasserdurchlässiger Fugenmörtel eingebracht, kann Regenwasser ungehindert ablaufen, und die Abwasserabgaben steigen nicht.

Eine weitere Methode: Hersteller von Sandsorten ohne Feinkornanteil werben damit, dass Wildkrautsamen in damit gefüllten Fugen keine Chance haben. Dieser Sand habe einen hohen ph-Wert und biete Pflanzen nicht genügend Nährstoffe, heißt es. Funktioniert dieser relativ kostspielige "Unkrautschreck"?

"Von unseren Erfahrungen her ist es aber so, dass diese Flächen auch spätestens nach zwei Jahren versottet sind. Das heißt, über Feinanteile, die ich im Wind drin habe. Diese feinen Partikel sammeln sich hinterher auch in diesen eigentlich ohne Feinanteil verarbeiteten Sanden an und schließen die Fuge genauso nachher."

Natürliche Verdränger: Hauswurz oder verschiedene Moosarten

Das passiert übrigens auch auf Kies- und Splitflächen, die mit einem Unkraut hemmenden Vlies unterlegt sind. Pflegeleicht sind die auf Dauer ebenfalls nicht, erklärt Michael Becker:

"Wir haben auf diesen Flächen trotzdem nachher einen Wildbewuchs drauf. Dieser Wildbewuchs kommt genau wie bei den Plattenflächen von oben. Über Samenanflug werden Wildkräuter in diese Flächen eingebracht, weil sich nachher auf den Folien eine humose Schicht bildet, wo dies Wildkraut wunderbar drin wachsen kann." 

Wer saubere Fugen haben möchte, muss also Hand anlegen und die Fläche mindestens viermal in der Saison mit Fugenkratzer oder Abflämmgerät bearbeiten. 

Es geht aber auch ganz anders: Im Handel gibt es Samenmischungen für niedrig wachsende und robuste Stauden, die in die Fugen gefegt werden und sie nach kurzer Zeit zum Blühen bringen. Wo ein bisschen mehr Platz ist, wie in Rasengittersteinen oder zwischen offen verlegten Natursteinplatten, lassen sich kleine Stauden direkt einpflanzen. Vorschläge von der Gärtnermeisterin Vanessa Pleines:

"Bei Sonne könnte man Hauswurz nehmen oder verschiedene Moosarten. Es gibt flach wachsende Nelken oder Thymian, Veronica – da gibt es wirklich eine große Bandbreite. Beim Schatten wird es ein ganz klein bisschen schwieriger, wirklich was Flaches zu finden. Wenn man damit leben kann, dass die Sachen 20 Zentimeter hoch werden: Vielleicht ein flacher Storchschnabel. Das sieht sehr schön aus. Und man tut damit noch was für die Umwelt, wegen der Bienen, die man damit anlockt und andere Insekten."

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