Samstag, 24. September 2022

Energiekrise
Gasverband rechnet mit sinkenden Preisen in den nächsten 18 Monaten

Nach der Ankündigung der russischen Teilmobilmachung sind die Gaspreise erneut gestiegen. Doch der Branchenverband "Zukunft Gas" gibt leichte Entwarnung: Der Preis werde im kommenden Jahr zurückgehen. Die Autoren einer Studie der Universität Köln befürchten allerdings, dass erst 2030 wieder das Vorkriegsniveau erreicht werden könnte.

22.09.2022

    Ein Euro umgeben von Gasflammen
    Experten rechnen mit einem Rückgang der Gaspreise in nächster Zeit. (IMAGO / IlluPics / )
    Der Geschäftsführer des Verbands "Zukunft Gas", Kehler, rechnet mit einer Dämpfung der Preise. Der zügige Ausbau der LNG-Terminals in Europa werde Importengpässe beseitigen. Von einer vollständigen Entspannung geht Kehler jedoch nicht aus. Die künftigen Preise würden zwar deutlich unterhalb dem Niveau der vergangenen Wochen und Monaten liegen, vermutlich aber über dem Niveau von 2021 - also vor dem Krieg in der Ukraine.

    Studie: Nachfrage von Gas muss gesenkt werden

    Kehler bezieht sich damit auf eine neue Studie des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln zur Entwicklung der globalen Gasmärkte. Die Großhandelspreise könnten sich demnach bis 2030 unabhängig vom Gashandel mit Russland normalisieren. Die Studienmacher betonen allerdings, dafür müsse die Gas-Nachfrage in der Europäischen Union gesenkt werden - durch Elektrifizierung, Effizienzgewinne und die Produktion von Biomethan als Ersatz für Erdgas.
    Außerdem sieht die Studie eine hohe Abhängigkeit von Flüssiggasimporten aus den USA und Katar, da die verbleibenden Pipelinekorridore in die EU stark ausgelastet seien. So könne bei einem ausbleibenden Gashandel mit Russland nur begrenzt Gas aus Ländern wie Norwegen, Aserbaidschan oder Algerien geliefert werden. Für den Import von Flüssiggas müssten laut den Studienautoren Anlagen ausgebaut werden, mit denen das gelieferte Flüssiggas wieder regasifiziert wird. Hier gebe es nach Angaben des EWI noch erhebliche Unsicherheiten bei der Realisierung von Investitionen.

    Energieökonom blickt optimistisch auf die Preisentwicklung

    Der Energieökonom Andreas Löschel von der Ruhr-Universität Bochum blickte im Deutschlandfunk optimistisch auf die Stabilisierung der Gaspreise. Es gebe aufgrund vieler Investitionen keinen Grund, warum das Gas langfristig teuer bleibe. Kritischer schätzte Löschel dagegen die Entwicklung der Strompreise ein, da diese stark vom Ausbau der Erneuerbaren Energien abhingen.
    Diese Nachricht wurde am 22.09.2022 im Programm Deutschlandfunk gesendet.