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StartseiteCampus & KarriereEinstürzende Schulbauten in Berlin18.06.2018

GebäudesanierungenEinstürzende Schulbauten in Berlin

In Berlin kämpfen die Schulen mit Schimmel, bröckelndem Putz und morschen Dächern. Für die nächsten zehn Jahre stellt der Berliner Senat eine Summe von 5,5 Milliarden Euro für die Sanierung, Erweiterung und den Neubau von 760 Schulen bereit. An der Carlo-Schmid-Oberschule wollen die Elternvertreter nun mit entscheiden.

Von Mathias von Lieben

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Blick in der Treppenhaus der Grundschule am «Weißen See» am 23.04.2013 in Berlin (picture alliance / dpa)
Der bauliche Zustand vieler Schulen heute ist miserabel. (picture alliance / dpa)
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Der Schulhof der Carlo-Schmid-Oberschule im Berliner Bezirk Spandau. Die erste Pause des Tages: Einige Schüler und Schülerinnen spielen Fußball, andere sitzen auf Bänken und unterhalten sich. Es sieht aus wie ein ganz normaler Schul-Alltag. Doch der Schein trügt, die Schule war zuletzt häufiger Thema in den Medien: Denn sie ist seit Jahren sanierungsbedürftig. Für diesen Schüler, der anonym bleiben möchte, eine Zumutung:

"Die Decken fehlen, die Kabel liegen frei. Ständig werden wir in andere Räume umgeleitet. Da wurde ja auch schon extra dieses Gebäude da gebaut. Es sind eigentlich gar keine schweren Arbeiten, aber die werden halt nicht gemacht."

Baufällig ist an der Schule vieles: regelmäßig kommt es zu Wasserleitungsbrüchen, die Heizung und Gasleitung funktionieren nicht richtig, kürzlich ist ein Dach eingestürzt. Allein in diesem Schuljahr gab es schon vier Schäden. Und: es wird immer schlimmer, sagt Bärbel Pobloth, die seit mehr als 40 Jahren die Schule leitet. Die Konsequenz:

Schulleiterin Pobloth:"Viel Krach, viel Schmutz und Ständige Umorganisation unter der Schüle rund Kollegen natürlich leiden."

Neubau statt Sanierung kostet fünf Millionen Euro mehr

Die Sanierung der Carlo-Schmid-Oberschule soll laut ersten, inoffiziellen Prognosen der Wohnungsbaugesellschaft Howoge bis zu 35 Millionen Euro kosten. Damit ist die Schule eine von Hunderten maroden Schulen in der Hauptstadt, die mit Schimmel, bröckelndem Putz und morschen Dächern kämpfen. 5,5 Milliarden Euro sind insgesamt nötig um die rund 760 Berliner Schulen zu sanieren oder zu erweitern oder ganz neu zu bauen. Der Berliner Senat stellt diese Summe für die nächsten zehn Jahre bereit. Doch an der Carlo-Schmid-Oberschule fordern Elternvertreter und Schulleiterin Pobloth einen Neubau. Der würde mit 40 Millionen Euro nur fünf Millionen mehr kosten als eine Sanierung: "Wir möchten, dass die Carlo-Schmid-Oberschule neu gebaut wird, weil wir glauben, dass eine Sanierung nicht zu dem Ziel führt, eine moderne Schule zu haben," so Pobloth.

Dem Spandauer Bezirksbürgermeister Helmut Kleeblank, SPD, war wichtig zu betonen, dass viele Schäden an der Schule nichts mit dem Berliner Sanierungsstau zu tun haben. Zu der Frage ob Neubau oder Sanierung der Carlo-Schmid-Schule, stehe er aber – sollten sich die Prognosen erhärten – auf Seiten der Schulleitung. Helmut Kleeblank: "Dann unterstütze ich diesen Vorschlag ausdrücklich. Ich glaube auch, dass dann der Neubau eine ernsthafte Option ist. Dazu gibt es in der Bezirksvertretung Spandau einen einstimmigen Entschluss dazu, das zu unterstützen."

Sanierungsstau von knapp 33 Milliarden Euro

Die Berliner Bildungsverwaltung hat berechnet, dass in den nächsten acht Jahren 70.000 – 75.000 mehr Schüler in Berlin lernen müssen und dafür 50 neue Schulen gebaut werden müssten. Gar nicht so einfach bei dem Investitionsstau, den es auch auf Bundesebene gibt. Die Carlo-Schmid-Oberschule steht damit repräsentativ für viele Probleme, die Schulen bundesweit haben, sagt auch der Berliner GEW-Vorsitzende Tom Erdmann: "Sparen bis es quietscht, das war die Devise seit 2002, seitdem Berlin ein Riesen-Schuldenloch für sich entdeckt hat. Und der4 bauliche Zustand der Carlo-Schmid-Schule steht exemplarisch dafür, was es eigentlich bedeutet, wenn man immer an der öffentlichen Infrastruktur spart."

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau, KfW, geht bundesweit von einem Sanierungsstau an Schulen von knapp 33 Milliarden Euro aus. Darauf weist auch die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe hin. Wegen der Politik der Schwarzen Null habe es in den Kommunen Sparmaßnahmen gegeben: "Hier muss ein Umsteuern stattfinden. Sonst wird sich hieran nichts ändern. Wir können auch nicht in den Ämtern überall sparen, sonst haben wir keine Kontrolle mehr."

Bezirksbürgermeister Kleebank schließt sich dieser Kritik an. Durch diese Sparmaßnahmen komme es immer wieder zu Verzögerungen bei Sanierung und Neubau. Wie es an der Carlo-Schmid-Schule nun weitergeht, das werden die nächsten Wochen zeigen.

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