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StartseiteUmwelt und VerbraucherViele Kostenfallen bei Flugbuchungen im Netz16.10.2018

Gebührentricks der ReiseportaleViele Kostenfallen bei Flugbuchungen im Netz

Flugportale erschienen oft günstiger als sie tatsächlich seien, warnt Jürgen Zupancic vom Magazin „Clever Reisen“ im Dlf. Bei Flugbuchungen im Netz gebe es vielfach Kostenfallen. Auf angebliche Rabatte, etwa bei Zahlung mit Kreditkarte, sollten Kunden nicht eingehen.

Jürgen Zupancic im Gespräch mit Georg Ehring

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Reisende stehen in einer langen Schlange vor der Sicherheitskontrolle im Terminal 2 des Flughafens in Frankfurt am Main (dpa /  Andreas Arnold)
Sommer-Reiseverkehr am Flughafen in Frankfurt am Main (dpa / Andreas Arnold)
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Georg Ehring: Fliegen ist äußerst billig geworden, manchmal sogar billiger als Bahnfahren und da fragt sich der Kunde, wie so etwas möglich ist. Oft ist die Antwort: Der Flug sieht nur billig aus - wenn die Buchung abgeschlossen wird, kommt ein weit höherer Preis zu Stande. Die Zeitschrift "Clever Reisen" hat herausgefunden, dass nicht nur Fluggesellschaften, sondern auch Flugportale bei Extra-Gebühren kräftig zulangen, also die Suchwerkzeuge im Internet, mit denen viele Reisende ihre Flüge suchen. Jürgen Zupancic ist Chefredakteur von "Clever Reisen" und ich habe ihn vor der Sendung gefragt, wie die Portale vorgehen.

Jürgen Zupancic: Das ist ganz einfach. Der Trick ist so, dass sie eigene Kreditkarten dem Kunden anbieten, und wer mit der eigenen Kreditkarte des Flugportals bezahlt, der kriegt quasi einen Zahlrabatt. Das ist natürlich nicht ganz koscher im Sinne der neuen Richtlinie, dass man mit gängigen Zahlungsmitteln auch keinen Aufschlag bezahlen muss. Die drehen das Pferd einfach um und sagen, wer mit meiner Kreditkarte bezahlt, der kriegt einen Rabatt.

Ehring: Ist das legal und kann man da was gegen machen?

Zupancic: Das ist ein Schlupfloch und wir empfehlen da auch, sich an die Wettbewerbszentrale zu wenden - da gibt es auch eine Beschwerdestelle extra für Zahlgebühren - und das zu melden und auf jeden Fall auch mal dem Flugportal zu schreiben, dass sie da nicht ganz sauber arbeiten, und auch da die Gebühren zurückverlangen beziehungsweise nicht darauf eingehen, die Kreditkarte, die man dort angeboten bekommt, abzuschließen.

Kreditkartengebühren teils höher als bei Banken

Ehring: Diese Kreditkarte ist dann möglicherweise mit eigenen Gebühren belastet.

Zupancic: Ganz genau. Die ist nicht kostenlos. Die Gebühren sind teilweise höher als bei Banken und die Leistungen sind auch nicht gut.

Ehring: Wie hoch sind die Aufschläge, die man zahlen muss, wenn man auf anderen Wegen bezahlen will?

Zupancic: Wenn Sie mit einer gängigen Zahlungskarte oder mit einer Kreditkarte bezahlen, sind das teilweise bis zu elf Prozent gewesen. Dadurch verteuert sich der Flug. Sinn und Zweck der ganzen Übung der Flugportale ist, dass man in diesen Preisvergleichen damit natürlich ganz weit oben steht, weil man damit zehn bis elf Prozent günstiger erst mal erscheint.

Auch bei Fluggesellschaften lauern Kostenfallen

Ehring: Das sind jetzt die Portale. Die Fluggesellschaften langen auch bei vielen Punkten zu, zum Beispiel bei Sitzplatzreservierungen. Was ist da die Größenordnung?

Zupancic: Da kann man mit 25 bis 30 Euro rechnen pro Strecke. Das heißt: Wer zwei-, dreimal umsteigen muss während des Fluges, der zahlt dann oft dreimal 25 Euro. Das ist aber ein Weg, den viele Fluglinien mittlerweile gehen. Was uns aufgefallen ist bei den Flugportalen, dass sie natürlich noch mal draufschlagen, und das war bis zu 30 Prozent teurer als bei der Airline, mit der man wirklich fliegt.

Ehring: Die verlangen für die Sitzplatzreservierung auch noch mal was extra?

Zupancic: Genau - bis zu 30 Prozent, bei einem Flugportal sogar das Doppelte, und das sind natürlich Zuschläge, die man eigentlich nicht erklären kann. Das ist für mich einfach nur Abgreifen von Kundengeldern.

Ehring: Aber wer sich den Sitzplatz nicht reservieren will, der muss nicht stehen?

Zupancic: Der muss natürlich nicht stehen. Aber es ist meistens so, gerade bei den Billigfliegern, dass man da genau in die Mitte reingequetscht wird, und da will natürlich auch keiner sitzen. Deswegen ist man immer schnell dabei zu sagen, okay, ich buche und möchte am Fenster oder am Gang sitzen.

Ehring: Wer verspätet kommt, hat unter Umständen Ansprüche, aber die landen dann manchmal auch woanders. Wie geht das denn?

Zupancic: Das ist uns aufgefallen. Da muss man wirklich ganz weit in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen reingehen, ins Kleingedruckte. Es gab einen Anbieter, Flugladen.de, da hat man einfach bei der Buchung die Abtretung der Fluggastrechte auch direkt miterledigt im Kleingedruckten. Das heißt, wenn mal ein Flieger verspätet ist und ich Ansprüche habe, die zwischen 250 und 600 Euro betragen, habe ich meinen Anspruch automatisch abgetreten an das Flugportal. Das heißt, die setzen einen Service-Partner ein, der versucht, als Inkasso-Büro dann diese Ausgleichzahlungen zu bekommen, allerdings nach Abzug einer erhöhten Gebühr von 35 Prozent. Komischerweise nimmt der Service-Partner nur 25 Prozent, also wird hier auch noch mal zehn Prozent draufgeschlagen.

"Tohuwabohu mit den Zahlgebühren"

Ehring: Was sollte man denn machen, wenn Gebühren angezeigt werden?

Zupancic: Auf jeden Fall einen klaren, klugen Kopf bewahren, sich auch die AGB durchlesen, was man da alles so abtreten könnte, dann natürlich auch direkt bei der Airline mal schauen, welche Preise die aufrufen, und dann wirklich den Preisvergleich machen und auch vor allen Dingen vergleichen, was wird mir denn da überhaupt geboten im Bereich zum Beispiel, wenn ich jetzt extra Sachen buchen möchte wie die Sitzplatzreservierung, wie Fluggepäck, wie Reiseversicherung und so weiter.

Ehring: Das heißt, die Buchung bei der Fluglinie direkt ist eine günstige Alternative?

Zupancic: Das kann sein. Manche Portale haben Sonderpreise der Airlines in der Datenbank. Die sind dann teilweise günstiger als direkt bei der Airline. Man kann nicht pauschal sagen, gehe immer direkt zur Airline und buche da, weil die günstiger sind. Vorteil ist: Ich habe dann nicht dieses Tohuwabohu mit den Zahlgebühren und ich spare mir auch relativ viel Geld bei den Zusatzreservierungen und habe auch direkt einen Ansprechpartner, der ohne Zusatzkosten mir einen Service bietet in der Regel.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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