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StartseiteKommentare und Themen der WocheEs lohnt sich, für die Demokratie zu kämpfen09.11.2018

Gedenken an den 9. November Es lohnt sich, für die Demokratie zu kämpfen

Mit dem Einzug der AfD in den Bundestag habe sich das Gedenken an die deutsche Geschichte verändert, meint Frank Capellan. Andererseits sei die Erinnerungskultur dadurch auch gestärkt worden. Es sei gut, sich immer wieder zu vergegenwärtigen, dass Demokratie keine Selbstverständlichkeit ist.

Von Frank Capellan

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Steinmeier steht am Rednerpult, spricht und breitet beide Arme auseinander.  (Wolfgang Kumm / dpa)
Bundespräsident Steinmeier im Bundestag am 9. Novmber 2018 (Wolfgang Kumm / dpa)
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Vieles hat sich verändert durch den Einzug der Rechtspopulisten in den Bundestag – selbst das Gedenken an die deutsche Geschichte ist ein anderes geworden. Ausgerechnet die AfD hat dafür gesorgt, dass die Erinnerungskultur, die viele ihrer Anhänger so sehr verachten, gestärkt wird. Der heutige Tag zeigt das eindrucksvoll. 100 Jahre nach der Geburtsstunde der Weimarer Republik und 80 Jahre nach dem Beginn der Judenverfolgung ist es wohltuend, dass der Bundespräsident den Kampf für die Demokratie in den Mittelpunkt seiner Rede stellt. Berlin ist nicht Weimar.

Die Väter und wenigen Mütter unseres Grundgesetzes haben aus der Katastrophe von 1933 gelernt, und doch ist es gut, sich immer wieder zu vergegenwärtigen, dass Demokratie keine Selbstverständlichkeit ist. Und es lohnt sich, für die Demokratie zu kämpfen. Denn bei allen Schwächen, die unser parlamentarisches System vorzuweisen hat, über die Dank der Rechtspopulisten auch häufiger gesprochen wird: Es ist das Beste, das wir uns wünschen können.

Nicht zulassen, dass eine Minderheit meint, fürs Volk zu sprechen

Die Sorge Steinmeiers über die Zukunft unserer Demokratie ist berechtigt. Immer wieder fallen Tabus, dumpfer Nationalismus der Rechten hat einen gesunden Patriotismus verdrängt, den uns auch die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 gebracht hatte. Fahnenschwenkende Rechte haben vielen die Freude an der schwarz-rot-goldenen Flagge schon wieder vermiest. Wir dürfen nicht zulassen, dass eine Minderheit behauptet, für das einzig wahre Volk zu sprechen.

Ein Klima des Hasses und der Verleumdungen wird immer stärker in diesem Land, das spüren die vermeintlich etablierten Politiker ebenso wie wir von der oft beschimpften sogenannten Lügenpresse. Ohne die AfD auch nur ein einziges Mal zu erwähnen, hat der Bundespräsident all das thematisiert. Dass sich die Alternativen angesprochen fühlten, war an vielen Stellen daran zu spüren, dass sie Steinmeier den Applaus verwehrten.

Ein starker Tag der Erinnerung

Ein wichtiges Zeichen hat auch der Zentralrat der Juden gesetzt, der zum Gedenken an die Pogromnacht von 1938 die AfD ausgeschlossen hatte. Eine Partei, deren Vorsitzender den Nationalsozialismus als Vogelschiss der Geschichte relativiert und den Satz vom Mahnmal der Schande unwidersprochen lässt, ist eine Provokation für die Opfer des Holocaust. Es ist vielmehr eine Schande, dass jüdische Einrichtungen ausgerechnet in Deutschland von der Polizei geschützt werden müssen. 100 Jahre nachdem im Reichstag voller Hoffnung eine Republik ausgerufen wurde, die 1933 mit dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte endete, war es wichtig, all das beim Namen zu nennen. Ein starker Tag der Erinnerung!

Frank Capellan, Hauptstadtstudio (Deutschlandradio / Bettina Straub  )Frank Capellan, Hauptstadtstudio (Deutschlandradio / Bettina Straub )Frank Capellan, geboren 1965 im Rheinland, studierte Publizistik, Neuere Geschichte und Politikwissenschaften, Promotion an der Universität Münster. Nach einer Ausbildung bei der Westdeutschen Zeitung folgte ein Volontariat beim Deutschlandfunk, dem er bis heute treu geblieben ist. Zunächst Moderator der Zeitfunk-Sendungen, unter anderem der Informationen am Morgen; seit vielen Jahren als Korrespondent im Hauptstadtstudio tätig, dort u. a. zuständig für die SPD, die Familienpolitik und E

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